Viel Licht und Schatten: Das Thüringer Bildungsministerium unter Christian Tischner (CDU) sieht die Schulen für das Jahr 2025/2026 gut gerüstet. Die Arbeit der neuen Regierung trage Früchte und dem Unterrichtsmangel werde aktiv der Kampf angesagt.
Vor der Rückkehr von rund 261.000 Schülerinnen und Schülern – darunter 18.000 Erstklässler – gab der Bildungsminister einen ersten Einblick in die Neueinstellungsquoten für Lehrkräfte. Dabei zeigte er sich optimistisch: „Der Lehrermarkt ist hart umkämpft. Trotzdem haben wir es schon zum Schuljahr 2024/2025 geschafft, mehr Personal einzustellen, als aus dem Dienst ausgetreten sind.“ Damals kamen 1.358 neu eingestellte Lehrkräfte hinzu, während 836 ihre Karriere beendeten. „Ein Weg in die richtige Richtung“, befand der neue Bildungsminister.
Dabei rühmt sich die Brombeer-Regierung für ihre Maßnahmen und Konzepte. Der von der Regierung beschworene „Einstellungsturbo“ zünde und werde in Zukunft den Unterricht absichern. Teil dieses Pakets ist die Ausweitung der Kapazitäten des Dualen Studiums für das Regelschullehramt. Statt bisher 50 können zukünftig 70 Schulabgänger ihr Glück an der Universität Erfurt versuchen und das „Abenteuer Schule“ ganz neu kennenlernen. Mit Beginn des Schuljahres 2025/2026 schaffe das Thüringer Ministerium Anreize und bietet Lehramtsanwärtern eine gezielte Beratung sowie Betreuung an. Um Absolventen thüringischer Universitäten im Land zu halten, werden die Schulämter in Zukunft aktiv Referendare ansprechen und ihnen verbindliche Einstellungszusagen garantieren. Zusätzlich werden Konzepte erarbeitet, um die strenge Fächerkombination aufzuweichen. Die umstrittene Verbeamtung bleibt weiterhin bestehen. Dazu Christian Tischner: „In allen Bundesländern werden die Lehrer verbeamtet. Wenn wir damit aufhören, werden wir im Wettbewerb untergehen.“
Das übergeordnete Ziel all dieser Maßnahmen ist die Reduzierung von Unterrichtsausfällen. Nach Angaben des statistischen Informationssystems des Bildungsministeriums waren das im Frühjahr 2025 knapp 38.000 Stunden – also entfielen etwa elf Prozent der geplanten Unterrichtseinheiten. Nicht eingerechnet sind Unterrichtsstunden, die bereits zu Beginn des Jahres aufgrund von Personalengpässen in den Stundenplänen der Schüler gestrichen wurden. „Für das Schuljahr 2025/2026 liegen noch keine Meldungen vor. Die letzten Schulen befinden sich noch in Einstellungsprozessen und eine erste große Erhebung wird diesen Herbst stattfinden“, so der Bildungsminister.
Kritischer blickt die „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft“-Thüringen (GEW) auf die Angaben des Ministeriums. In einer Pressemitteilung zum Abschluss des vergangenen Schuljahres gab die GEW an, dass sich das Lern- und Arbeitsklima an den Schulen nicht verbesserte. Auch die bejubelte Senkung der offenen Stellen auf derzeit knapp 600 sei kein großer Erfolg. Ein Sprecher der GEW teilte uns mit, dass die Zahl in den vergangenen Jahren immer wieder zwischen 700 und 900 schwankt. Außerdem sei es kaum möglich in einem dreiviertel bzw. halben Jahr diese tiefverwurzelten Probleme zu lösen. Vertreter der GEW gehen davon aus, dass ein Maßnahmenpaket mindestens zwei bis drei Jahre brauche, um Wirkungen zu zeigen. Genauso verhalte es sich auch mit den erhöhten Studienplätzen für das Lehramt. Auf Anfrage erfuhren wir, dass junge Menschen, die jetzt in ihre Ausbildung starten, frühestens in sieben Jahren als vollwertige Lehrer zur Verfügung stehen. Es bleibt abzuwarten, wie sinnvoll die neuen Konzepte sind und inwieweit noch jene der Vorgängerregierung wirken.
Doch nicht nur die Ausbildungs- und Personalgewinnungskampagne ändern sich mit Beginn des neuen Schuljahres. Für Seiteneinsteiger ist nun ein dreimonatiger Vorkurs verpflichtend, in dem sie den Alltag der Lehrer kennenlernen und selbst probeweise vor Klassen stehen. „Wir wollen damit die Abbrecherquoten vermindern und die Seiteneinsteiger besser unterstützen“, sagte Christian Tischner. Während des Unterrichts kommen weitere Änderungen zutage. So untersagt die neue Schulordnung beispielsweise die Nutzung privater digitaler Endgeräte während des Unterrichts oder in den Pausen. Zurück kehren die sogenannten „Kopfnoten“, bei denen das Verhalten und die Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler bewertet werden. Ab 2026 möchte das Bildungsministerium mit gleich zwei Pilotprojekten starten. Einerseits umfasst des verpflichtende Sprachtests vor der Einschulung, andererseits soll die „Verfassungsviertelstunde“ eingeführt werden. Für Letzteres werden derzeit 20 Schulen gesucht, die sich diesem Projekt verschreiben wollen. Die Lehrkräfte der teilnehmenden Bildungseinrichtungen erhalten Sonderschulungen. Der neue Unterrichtsbaustein soll die fundamentale Bedeutung demokratischer Teilhabe sowie die Werte der Thüringer Verfassung und des Grundgesetzes der Bundesrepublik stärker ins Bewusstsein junger Menschen rücken.
Bleiben wir jedoch in der Gegenwart: Um mit dem derzeitigen Lehrermangel fertig zu werden, habe das Bildungsministerium einige kreative Ideen. So werden Lehrer von Schulen mit starkem Personalschlüssel an schwächere geschickt. Außerdem bestehe die Möglichkeit, dass zum Beispiel Grundschullehrkräfte an Regel- und Förderschulen aushelfen – etwa in Fächern wie Mathematik. Für Referendare können sich freiwillig bereit erklären, mehr Unterricht zu geben als bisher. Darüber hinaus konnten das Bildungsministerium und die Schulämter Personal halten, das mit dem Abschluss des Schuljahres 2024/2025 in Rente oder Pension hätte gehen können.
Welche Erfolge dieser Kurs der neuen Regierung und des neu besetzten Bildungsministeriums erwirkt, wird sich in Zukunft zeigen.





















