Im Schloss tickt es wieder: Englische Standuhr restauriert

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Dirk Sparborth hat die Hemmung überarbeitet, einen Eingriffsfehler zwischen Rad und Trieb behoben und das Schlagwerk justiert. Wenn man weiß, dass Sparborth Uhrmachermeister ist, dann ergibt dieser erste Satz einen Sinn – zumindest für jene, die wissen, wie Uhren so ticken.

Es ist ein Montagmorgen, Schloss Friedenstein ist für Besucher geschlossen, im Arbeitszimmer des Herzogs herrscht Betriebsamkeit: Der 39-jährige Sparborth balanciert auf einer Leiter und ist gerade dabei, das goldene Pendel am Uhrwerk zu befestigen. Metallrestaurator Helmut Biebler geht ihm zur Hand, während Sparborth senior die Handgriffe der beiden fachmännisch begutachtet – von ihm hat sein Sohn nicht nur die Begeisterung für Uhren, sondern auch die Altenburger Werkstatt übernommen, in der er seit September das Uhrwerk einer Englischen Standuhr aufgearbeitet hat.

Es handelt sich um ein Fabrikat des englischen Uhrmachers Isaac Goddard, der die Uhr im London des späten 17. Jahrhunderts gefertigt hat. Goddard war ab 1675 in Uhrmacherlehre und arbeitete danach von 1684 bis 1699 in der Londoner Clockmakers’ Company. Aus dieser Zeit dürfte auch die Uhr auf Schloss Friedenstein stammen. Das mit Intarsien reich verzierte Gehäuse hingegen, das die verschiedenen Formen der Jagd, unten mit der niederen Jagd beginnend und sich nach oben steigernd, darstellt, wurde wohl in den Niederlanden gefertigt. Oben am Aufsatz zeigt es das Wappen des englischen Königshauses. Die Uhr taucht schon in älteren Inventarbüchern auf und ist seit 1714 im Audienzzimmer nachweisbar ist.

Vorsichtig spannt Sparborth die Stahlseile, an denen die Gewichte der Uhr befestigt werden. „Das ist der Moment, in dem das Pferd Wasser lässt“, sagt er flapsig. Alles ist bereit, der Uhrmacher bringt die über 300-jährige Mechanik in Gang. Der Sekundenzeiger setzt sich in Bewegung und der Minutenzeiger rückt auf die Zwölf vor: Zuverlässig beginnt das Glöckchen in der Uhr zu bimmeln, während die Uhr kaum hörbar vor sich hintickt. Für den Laien scheint alles zu laufen, aber Sparborth ist nicht zufrieden. Die Amplitude… Er murmelt etwas von Abfallregelung, verändert Einstellungen im Uhrwerk und prüft erneut, ob das Pendel richtig schwingt.

Ein gleichförmiges Tick-Tack stellt sich ein, der Meister ist zufrieden: „Der Herzschlag der Uhr stimmt jetzt.“ Ein wenig später wird er von seinem Versuch sprechen, die Uhr so behutsam wie möglich wieder instand zu setzten und sagen: „Heute gibt es einen Trend zur Überrestaurierung. Viele lassen der Uhr ihre Seele nicht!“

Diese Worte machen deutlich, dass hier nicht nur einer steht, der seine Arbeit macht, sondern einer, der seine Berufung gefunden hat. Meistergeprüft im renommierten Glashütte, arbeitet Sparborth nun schon seit 22 Jahren mit Uhren und führt in dritter Generation die Uhrmacherwerkstatt seines Großvaters fort. So wie sein Vater damals, bringt er auch seinen eigenen Kindern langsam die Welt der Unruhen und Räderwerke näher: er lässt sie Uhren aufziehen oder am Holz riechen, damit sie erkennen lernen, um welchen Baum es sich handelt.

„Und plötzlich wirkt der Raum ganz anders“, sagt Dirk Sparborth in das leise Ticken hinein – und sein Vater ergänzt, „er wirkt geradezu lebendig“. Wer den beiden eine Weile bei der Arbeit zusieht und sich auf ihre Art, Uhren zu betrachten, einlässt, wird tatsächlich feststellen, dass im Audienzzimmer des Herzogs eine kleine, aber eindrückliche Verwandlung vor sich gegangen ist: wo eine halbe Stunde zuvor noch ein leerer Uhrenkasten stand, der auf sein Uhrwerk wartete, – zugegebenermaßen ein fein gearbeiteter Kasten und ein kleines mechanisches Meisterwerk – steht nun ein zweieinhalb Meter großes majestätisches Wesen, das den Raum beseelt. Tick-tack. Tick-tack.

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