Das beeindruckende Drama um den „Glöckner von Notre Dame“ im Ekhoftheater auf Schloss Friedenstein
Theater handgemacht – jedenfalls fast. Das Ekhoftheater im Westturm von Schloss Friedenstein ist eine historische Kulturstätte. Doch wie lebendig es noch immer ist, zeigt sich erst, wenn dort leibhaftig Theater gespielt wird. Am Freitag, dem 12. Juli, hat dort im Rahmen des Ekhof-Festivals das Schauspiel „Der Glöckner von Notre Dame“ Premiere. Achtmal wird es noch mal danach gespielt.
An Dramatik ist das Stück schwerlich zu überbieten. Kindsraub, eine verzweifelte Mutter, eine schöne junge Tänzerin von niedrigem Stand, ein wohlhabender Jüngling namens Phoebus (gespielt von Hanno Jusek). Er verliebt sich in Esmeralda (Glenna Weber). Damit nimmt das Unglück seinen Lauf. Denn der Erzdiakon Dom Claude Frollo (Klaus Nicola Holderbaum) begehrt die junge Frau ebenfalls. Da seine Eifersucht keine Grenzen kennt, will er Esmeralda lieber vor einem Hexengericht sehen, als von ihr zu lassen. Zum Glück gibt es noch Quasimodo, den berühmten Glöckner. Er liebt die Tänzerin ebenfalls. Doch weil er so unvorstellbar hässlich ist, sieht er keine Chancen auf die Liebeserwiderung. Sein Herz aber ist rein und unverstellt, also wird er ihr helfen.
Diese Produktion des Sonnentor Theaterfestivals hat Robert Frank packend und lebendig inszeniert. Den historischen Text hat Jens Wassermann bearbeitet, der auch den Quasimodo spielt. Fast drei Stunden allerbeste Unterhaltung.
Doch wirklich faszinierend ist dieses Theaterstück nur auf genau dieser Bühne. Alles ist handgemacht. Nun gut, das Licht ist elektrisch, denn Kerzen und Öllampen mit offenem Feuer will man dort nicht haben. Einmal wird Glockenklang eingespielt. Ansonsten wird alle Musik live erzeugt vom Multiinstrumentalisten Rafael Regilio.
Große Bühnenumbauten kann man im Ekhof-Theater nicht machen. Aber wenn sich die Szene vor den Augen des Publikums verwandelt, ist das verblüffend. In wenigen Augenblicken werden andere Kulissen sichtbar hereingeschoben, ein anderer Bühnenhintergrund heruntergelassen. Der Gothaer Künstler Jürgen Weis hat all dies geschaffen – und damit wesentlich zur Wirkung beigetragen. Vor dem Vorhang wird gespielt und auf dem ersten Rang. Die wenigen Requisiten werden auf offener Bühne hereingetragen – und was für ein Wunder: Alles wirkt harmonisch und normal. Natürlich kann man auch einmal den handgemachten Donner hören, der unter dem Bühnenboden hervordringt.
„Der Glöckner von Notre Dame“ ist allerbestes Sommertheater. Eintrittskarten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, auf www.ticketshopthueringen.de oder unter 0361-2275227.
Dr. Bernd Seydel






















