Einen vielschichtigen Fragenkatalog zu verschiedenen Themenkomplexen hatte die Oscar-Redaktion dem Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch geschickt. Seine Antworten beschreibt ein Mitarbeiter der Redaktion so: „Da hat sich jemand bei der Beantwortung a) juris-tische Beratung hinzugezogen und b) viel Mühe gegeben. Beim Lesen hört man zeitgleich immer so ein markantes Geräusch: Es ist das Knistern dünnen Eises.“
Weil die Pressestelle aus dem Gothaer Rathaus die nötigen Nachfragen schlicht abbügelte, hat die Oscar-Redaktion entschieden, dass wir den einzelnen Themen in den nächsten Ausgaben Raum geben. Heute geht es um die Frage, wie groß der in nichtöffentlicher Sitzung beschlossene weitere Zuschuss der Stadt für den Thüringentag 2025 an die stadteigene KulTourStadt Gotha GmbH war.
„Und was hat den Oberbürgermeister bewogen, diese Zahlen nichtöffentlich zu nennen, sondern vielmehr zu sagen, dass der Haushalt des Thüringentages 2025 ausgeglichen ist. Rein formal ist die Aussage richtig, solange man den Ausgleichsbetrag der Stadt verschweigt.“, heißt es in der Oscar -Anfrage. Die Antwort aus dem Rathaus: „Es wurde seitens der Stadt Gotha zu jeder Zeit kommuniziert, dass ein städtischer Zuschuss an die KulTourStadt Gotha zur Durchführung des Thüringentages – neben den Zuschüssen vom Freistaat Thüringen, vom Landkreis Gotha, von den Sponsoren etc. – erforderlich ist. Selbstverständlich wurde dieser Zuschuss nach dem Thüringentag an die Ist-Zahlen angepasst.
Der diesbezügliche Stadtratsbeschluss wurde in nichtöffentlicher Sitzung gefasst, da er die finanziellen Beiträge einzelner Beteiligter im Detail nennt und deshalb Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse enthält. Da die Nichtöffentlichkeit des Stadtratsbeschlusses nicht aufgehoben wurde, kann der konkrete Betrag des städtischen Zuschusses nicht genannt werden.“ So weit, so gut. Unserer Redaktion liegt der entsprechende Stadtratsbeschluss einschließlich aller Anlagen vor. Nicht enthalten sind dabei Materialien, die auch nur auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse hindeuten. Am Ende also ist die Antwort eine reine Finte. Doch warum nimmt es der Gothaer Oberbürgermeister hier mit der Wahrheit nicht so genau? Sind es prozessuale Gründe, die ihn veranlassen, die Nennung der Zahlen zu verhindern? Dabei geht es um den Prozess des ehemaligen KTS-Geschäftsführers Enrico Heß gegen seine fristlose Kündigung (wir berichteten). Oder hat der Gothaer Oberbürger-meister das nur gemacht, „weil er meint, dass er es kann“, wie einer unserer Redakteure vermutet? Fakt ist: Gelogen ist gelogen. Unserer Redaktion liegt – wie schon beschrieben – der Stadtratsbeschluss und die damit verbundene Tabelle von Ist- und Soll- Einnahmen wie auch Ist- und Soll-Ausgaben rund um den Thüringentag vor.
Dabei schiebt man die nötige Nachzahlung auf die Einnahmen von nicht stattgefundenen Bezahlkonzerten – 765.000 Euro waren hier eingeplant. Diese Einnahmen seien, so heißt es in der Beschlussvorlage, „somit komplett ausgefallen und mussten im Finanzplan durch höhere Einnahmen in den anderen Bereichen ausgeglichen werden“. 765.000 Euro aus Bezahlkonzerten? Eine Milchmädchen-Rechnung, wie Konzertveranstalter mit Schlosshof-Erfahrungen unserer Redaktion bestätigten. Und auch bei der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach – überaus erfahren mit Open-Air-Konzerten im Hof von Schloss Friedenstein – war eine solch genannte Zahl eine Utopie. Oder man plant mit Eintrittspreisen von 200 Euro. Die wären für einen Thüringentag utopisch, unabhängig davon, welcher Künstler da eingeplant gewesen wäre. Möglich also, dass die in der nichtöffentlichen Stadtratssitzung genannte Zahl einen ganz anderen Zusammenhang hat?
Ein größerer Zuschuss an die darbende KTS, ohne in Diskussionen zu geraten? Der geplante – und dann auch bewilligte Zuschuss – betrugt 387.019,08 Euro. Zuzüglich jener 250.000 Euro, die im „Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2024“ als „Rückstellung für drohende Ver-luste aus schwebenden Geschäften aus der Durchführung des Thüringentages“ gebildet wurden. Unabhängig vom großen Risiko, im Prozess der KTS gegen Enrico Heß eine glatte Niederlage zu erleiden, die sich auch fiskalisch bemerkbar machen würde, lässt sich die Schummelei, die auch Lüge genannt werden kann, nur so erklären: Kreuch wollte keine wirkliche Diskussion im Gothaer Stadtrat – und erst recht nicht in der Öffentlichkeit.
Ein Spiel, dass er durchaus beherrscht, was sich im Vorfeld des Thüringentages zeigte. Dort erklärte er auf Grund vieler Diskussionen nicht nur gegenüber Oscar am Freitag klipp und klar, dass sein Thüringentag-Bevollmächtigter Candy Wetterhahn „nichts mit dem Getränkeausschank bei der Veranstaltung zu tun haben werde.“ Auf die Oscar-Frage, ob er ausdrücklich bestätigen könne, dass Candy Wetterhahn mit der gastronomischen Abwicklung nichts zu tun gehabt habe, antwortete der Oberbürgermeister Knut Kreuch: „Ja. Es gibt keinen Vertrag zwischen KTS und Gothaer Veranstaltungsservice; durch den Gothaer Veranstaltungsservice wurde kein Stand zum Thüringentag betrieben.“ Das hatte im Übrigen die Oscar-Redaktion nie behauptet.
Fakt ist: Über einen Zwischenhändler kam der Auftrag zum – genau – Gothaer Veranstaltungsservice, der „im Auftrag Dritter“ dann auch eine entsprechende Rechnung an die Standbetreiber stellte. Im Übrigen mit einer „Getränkestandgebühr“, obwohl Kreuch gegenüber Oscar am Freitag behauptet hatte, dass „auch die von der KTS selbst berechneten Standgebühren… direkt und ohne Einbindung des Gothaer Veranstaltungsservice an die Händler und Versorger berechnet“ wurden. Die Antwort ist sachlich nicht falsch, denn Kreuch sprach nicht von ALLEN Standgebühren. Und ja: „Der Gothaer Veranstaltungsservice wurde durch die KTS nicht an der gastronomischen Abwicklung zum Thüringentag beteiligt“, so schreibt es Knut Kreuch.
Fakt ist: Beteiligt wurde er durch ein Erfurter Unternehmen. So einfach kann man in Gotha die Aussagen des Oberbürgermeisters umgehen. Wenn man der Oberbürgermeister ist…
Die Geschichte in seinem Sinne prägen, das kann der Gothaer Oberbürgermeister ohne Zweifel. Ob das in Zukunft ausreichen wird, wird genau diese zeigen.
Autor: Maik Schulz
Dieser Beitrag erschien in der Februar-Augabe des Gothaer Lokalmagazins „Oscar am Freitag“, welches seit 2002 im Landkreis Gotha erscheint und flächendeckend verteilt wird.




















