Im Kultsketch „Dinner for One“ feiert Miss Sophie seit Anfang der 1960-er auf den Bildschirmen der Nation jährlich zu Silvester ihren 90. Geburtstag. Nun gibt eine prominent besetzte Mini-Serie den imaginären Tischgästen des Umtrunks ein Gesicht und eine Geschichte. In die Rolle der jungen Miss Sophie schlüpfte Schauspielerin Alicia von Rittberg (31, „Becoming Elizabeth“). Ab dem 22. Dezember stehen alle sechs Folgen von „Miss Sophie – Same Procedure as Every Year“ auf Prime Video zum Streamen bereit. Ein Gespräch mit André Wesche, Thüringens einzigem freiberuflichem Filmjournalisten.
Frau von Rittberg, gehört das „Dinner for One“ auch zu Ihren familiären Silvestertraditionen?
Ja, auf jeden Fall. Seit ich denken kann, habe ich das „Dinner“ jedes Jahr zu Silvester geschaut. Ich würde fast sagen, dass das die einzige Tradition ist, die sich bis heute durchgezogen hat. Selbst wenn ich mit Freunden feiere, versuche ich, alle kurz vor zwölf vor den Fernseher zu zerren und „Dinner for One“ anzusehen. Es ist für mich zu einer Art Zuhause geworden.
Wie hat man Ihnen das Serienprojekt schmackhaft gemacht?
Man hat es mit der Idee geschafft, dass man nun erfahren darf, wer diese Herren hinter den Parodien von James sind. Nur allein darüber nachzudenken, machte mir schon mega Spaß. Ich habe kurz überlegt, ob ich wirklich eine Frau spielen möchte, die wegen Geld zu heiraten versucht. Aber wenn ich so schnell über eine Figur urteile, werde ich sofort hellhörig. Vielleicht sollte ich genauer hinschauen, warum sie das macht? Das hat mein Interesse geweckt: Herauszufinden, dass Sophie eine sehr starke Frau ist, die einfach zu einer anderen Zeit gelebt hat und heiraten musste, um ihr Zuhause für sich und ihre Familie zu erhalten. Das änderte das Bild komplett: Ich durfte eine sehr starke, selbstbestimmte Frau spielen.
Oft lautet eine Regieanweisung: „Mach weniger, schauspieler nicht so sehr.“ Hieß es diesmal: „Drück gern etwas mehr auf die Tube“?
Es war besonders wichtig, eine gute Balance zwischen Liebesgeschichte und Komödie zu finden. Sowohl die Liebesgeschichte als auch die Komödie müssen eine Basis, ein Fundament in etwas Tieferem haben. Ansonsten spielst du nur Quatsch und behauptest etwas. Das war teilweise schwierig für mich, weil ich geneigt bin, zu sehr diesen Kern finden zu wollen. Das bringt eine gewisse Schwere mit sich. Sophie macht die Sachen mit einer Leichtigkeit, was eine Stärke und Lässigkeit hat. Sie ist ein optimistischer und nach vorn drängender Charakter. Deswegen war nicht gefragt, mehr zu machen.
Wie muss man sich die Arbeit in diesem namhaften Ensemble vorstellen?
Da war schon echte Männerpower am Set! (lacht) Ich dachte zuerst, dass ich das mit links mache, weil ich drei Brüder habe. Dann sitzt man da am Tisch mit diesen Schauspielgrößen und hat wirklich Respekt. Aber die Jungs haben mir sehr geholfen und mich dabei unterstützt, meine Stimme zu finden und da durchzukommen. Wir nahmen uns alle gegenseitig nicht zu ernst und hatten viel Spaß. Das hat uns verbunden und war ein sehr schöner Prozess.
Helfen Ihnen Kostüme, in eine Rolle zu finden?
Ein Kostüm hilft sehr, um in eine Rolle zu finden. Es ist krass, wie sehr deine Haltung und das Gefühl, dass du hast, wenn du in einen Raum kommst, davon abhängt, was du anhast. Das darf man auf keinen Fall unterschätzen. Wenn ich ein knallrotes Kleid und hohe Schuhe trage, gebe ich mich ganz anders, als wenn ich den Raum mit Sneakers und Pulli betreten würde. Deshalb finde ich es immer wieder faszinierend, was für eine Stütze das ist, um in eine Figur und auch in eine Zeit hineinzufinden, die eine bestimmte Haltung und Sprache erfordert.
Wenn Sophie bis zum 21sten Geburtstag keinen Partner gefunden hat, will ihr Vater den Richtigen finden. Denken Sie, dass eine arrangierte Ehe in bestimmten Zeiten oder Kulturen grundsätzlich eine Berechtigung hatte oder hat?
Ich finde den Gedanken an eine arrangierte Ehe nicht schön. Ich will mir aber auch nicht anmaßen zu sagen, dass ich darüber urteilen kann. Da gab es früher einfach eine andere Realität. Da wurden Ehen aus politischen Gründen instrumentalisiert, um bestimmte Länder näher zusammenzubringen oder um Bündnisse zu schaffen. Was ich dabei spannend finde, ist, wie diese Paare sich trotzdem arrangiert haben und teilweise glücklich geworden sind. Das ist ein interessantes Phänomen, das man sich genauer anschauen kann. Aber wenn ich wählen könnte, würde ich mich natürlich für die freie, selbstbestimmte Variante entscheiden.
Welche Charaktereigenschaften sind Ihnen bei einem Partner besonders wichtig?
Humor ist gut. Eine gewisse Selbstbestimmtheit und Ehrlichkeit finde ich sehr wichtig. Und ein Wohlwollen oder eine Großzügigkeit gegenüber der anderen Person.
Sophie kennt die Pointe jedes Witzes. Haben Sie einen Lieblingswitz?
(lacht) Nein, ich kann überhaupt keine Witze erzählen. Ich finde Witze auch nicht witzig. Ich mag es, wenn man sich die Bälle gegenseitig zuspielt, die Leute auf den Arm zu nehmen und sich dabei selbst nicht zu ernst nimmt. Und auch mal richtig doof zu sein! Wenn jemand über einen Tigerkopf stolpert, kann ich mich darüber richtig beeiern. Aber Witze sind oft erzwungen. Da weißt du, dass du gleich lachen musst, und schon ist es vorbei.
Wie sieht Silvester bei Rittbergs aus?
Wir sitzen lange am Tisch, essen Fondue und sind einfach nur zusammen. Und natürlich schauen wir „Dinner for One“.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 12 (2025)




















