Oscar-Gespräch mit der Gothaer Apothekerin Christine Schiebold

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Christine Schiebold leitet seit 2005 die St. Gotthard-Apotheke in der Gothaer Oststraße. Gleichzeitig fungiert sie als Pressesprecherin der Gothaer Apotheken. Oscar am Freitag fragte, wie sich die Corona-Krise auf ihre Arbeit auswirkt.

Frau Schiebold, Hand aufs Herz: Was bewegt Ihre Kunden derzeit am meisten?

Viele unserer Kunden sind natürlich verunsichert und suchen für sich den richtigen Weg durch einen Dschungel an verschiedenen Informationen aus diversen Medien. Aber wir können im individuellen Gespräch die richtigen Antworten finden und unseren Besuchern individuell die wichtigsten Informationen geben. Und natürlich bei Bedarf auch die die passenden Produkte und Empfehlungen zur Verfügung stellen.

Apropos Produkte. Medien wie der MDR berichteten in den vergangenen Tagen wiederholt, dass es gerade jetzt zu Lieferengpässen kommt. So mancher Kunde ist verwundert, dass man nicht mal mehr im Internet etwas findet. Was können Sie hier tun?

Wir denken an dieser Stelle völlig anders. Natürlich ist auch unser Lager teilweise kontigentiert, und einige wenige Produkte sind derzeit in der Tat nicht beschaffbar. Doch für unsere Apotheke kann ich klar sagen: Unsere Lieferanten haben ebenfalls versucht, sehr schnell auf die neue Situation zu reagieren. Und das ist denen aus meiner Sicht innerhalb kurzer Zeit hervorragend gelungen.

Sie haben also keine Probleme, beispielsweise bei Desinfektionsmitteln?

Wir suchen bei Lieferproblemen stets Alternativen und andere Wege, um unseren langjährigen Kunden auch in so einer Situation zu helfen. Nehmen Sie das von Ihnen genannte Beispiel Desinfektionsmittel: Natürlich ist es momentan schwierig, diese ins Lager zu bekommen. Doch in diesem Fall gehen wir eben in unser Labor und stellen selbst
welches her. Das ist normalerweise nicht so, doch für uns ist diese Improvisation eine Selbstverständlichkeit. Und auch wenn es nicht immer gelingen sollte: In den meisten Fällen finden wir eine gute Lösung für unsere Kunden.

Sind Ihre Kunden sehr nervös?

Ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht mit Menschen, die uns seit vielen Jahren vertrauen, erleichtert derzeit unsere Arbeit immens, die Wünsche unserer Besucher schnell und gezielt zu erkennen. Fakt ist aber auch, dass manche Gespräche sehr emotional sind: Eine Apotheke ist immer auch eine kleine Sozialstation. Und das ist – gerade gegenwärtig
– auch richtig so. Ich habe bereits viele PC-gesteuerte Algorithmen kennengelernt. Keiner hat mich annähernd so überzeugen können, wie das Gespräch zwischen zwei Menschen.

Was sind Ihre größten Herausforderungen in der aktuellen Situation?
Ganz ehrlich: Es gibt nicht DIE „eine”große Herausforderung in der aktuellen Situation. Es gilt vielmehr zwischen verschiedenen Themen abzuwägen. Wir passen innerhalb kurzer Zeit unsere räumlichen Gegebenheiten an, um eine weitere sichere Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln zu gewährleis-ten. Vergessen Sie nicht: Die normale Arbeit geht ja weiter. Es gibt ja auch weiterhin Rezepte für chronisch Kranke, Allergiesaison oder Schmerzpatienten, so wie im ganzen Jahr sonst auch.
Es gilt deshalb auch, den Wunsch nach Sicherheit, Lieferfähigkeit und improvisierten Lösungen unter der Maßgabe der regulatorischen Anforderungen gegeneinander abzuwägen, aufzuarbeiten und umzusetzen.

Was würden Sie sich wünschen?
Natürlich das Ende der Pandemie. Persönlich wünsche ich mir, dass unsere Kunden und unsere Gesellschaft sehen, wie wichtig die Versorgung durch die Ärzte und Apotheken vor Ort wirklich ist. Es sind Zeiten wie diese, in denen wir das überdeutlich erkennen.

Fragen: Maik Schulz (Der Beitrag erschien zuerst in der aktuellen Gothaer Print-Ausgabe von Osar am Freitag. Sie können diese Ausgabe HIER online lesen!)

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