Seit Mitte Oktober ist es offiziell: Der Omnibusbetrieb Büchner-Reisen GmbH hat Insolvenz angemeldet. Seit dem 20. Oktober wurden im Landkreis Gotha keine Fahrten mehr übernommen. Dass der Übergang so geräuschlos ablief, überraschte selbst den Gothaer Landrat Onno Eckert. Ein Rückblick:
„Am 15. Oktober wurden wir von Andrea Büchner über den Schritt infomiert, einen Insolvenzantrag zu stellen“, sagte Uwe Szpöt (Foto), Geschäftsführer der NVG. Daraufhin wurde umgehend eine Beratung ein berufen. Eine ganze Reihe an Mitarbeitern, unter anderem Verkehrsplaner der NVG sowie Angestellte und Fahrer, der im Verbund beteiligten Omnibusbetriebe, wurden mobilisiert beziehungsweise auf Abruf gehalten.
So konnten in „Rekordzeit“ die Betriebe Wollschläger, Lorenz & Sohn und Gessert die Routen übernehmen. Wobei dies zu einfach gedacht sei, wie Uwe Szpöt erklärte. „In der NVG haben wir keine festen Linienpläne. Schon bei der Gründung 2019 wurde das so festgelegt.“ Es greife ein System der „Dienste“. Die Busunternehmen werden von der NVG beauftragt, bestimmte Fahrzeiten abzudecken. „So kann es auch sein, dass Fahrer von Wollschläger im Osten des Landkreises fahren“, beschreibt Szpöt die Verteilung.
Mit der Insolvenz von Büchner-Reisen musste lediglich die Software für die „Zeitenverteilung“ bei der NVG und in allen Bussen der Partnerbetriebe umgestellt werden. „So einfach war es nun nicht. Mitarbeiter mussten ihren Urlaub verschieben und einige sogar abbrechen. Für den Notfall haben wir einen Busfahrer informiert, der zu diesem Zeitpunkt in London war“, meinte der Geschäftsführer ernst.
Am Ende zeigte sich: Das System hat sich bewährt. Laut Uwe Szpöt sind keine Fahrten ausgefallen. Selbst Landrat Onno Eckert hatte nicht mit diesem Ergebnis gerechnet. „Wir haben auf der Webseite und den sozialen Kanälen des Landratsamtes auf vereinzelte Ausfälle oder Verzögerungen hingewiesen. Im Nachhinein freut es mich natürlich, dass es nicht so gekommen ist“, bekräftigt der Gothaer Landrat.
Durch den Insolvenzantrag der Firma Büchner verschwindet bereits der dritte Omnibusbetrieb in wenigen Jahren aus dem Portfolio der NVG. Bereits Hermann-Reisen und die Firma Steinbrück mussten ihren Hut nehmen. „Das ist kein ‚Gotha-spezifisches‘ Phänomen“, sagte Uwe Szpöt, der schon als Geschäftsführer der RVG – als Vorgänger der NVG – eine Insolvenz überstand. Die Lichtblicke im Fall Büchner sind die guten Umstände und die Handlungsschnelligkeit der Geschäftsführung. Einige Fahrer seien schon bei den verbleibenden Unternehmen im Landkreis untergekommen und die Büchner Reisen GmbH sitzt auf keinen Schulden, wodurch beispielsweise der Lohnkostenausgleich vorgenommen werden kann.
„Es wird in der Zukunft nicht einfacher für die Unternehmen und die NVG. Die Kosten steigen weiter und die Gelder in den Kassen verringern sich“, bewertete Onno Eckert die Lage. Der Landkreis als Arbeitgeber und Vermittler in diesem Fall werde alles tun, um gerechte Preise für die Fahrgäste, ein qualitativ hochwertiges Nahverkehrsnetz zu schaffen und angemessene Ausgleichszahlungen an die Busunternehmen auszuschütten.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 11 (2025)






















