Per Flashback zum Glück

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Zurück in die Zukunft: Sogenannte Flashbacks, das aktive Erinnern an schöne Momente, können uns auch im Hier und Jetzt glücklich machen. Der international renommierte Glücksforscher Prof. Dr. Michael Kunze gibt im Interview Tipps dazu.

Herr Prof. Dr. Kunze, seit Jahrzehnten forschen Sie zum Thema „Glück“. Lässt sich dieser abstrakte Begriff überhaupt auf einen gemeinsamen Nenner bringen?

In der Tat, das Wort „Glück“ wird im Sprachgebrauch sehr unterschiedlich verwendet und wohl jeder hat eine ganz eigene Vorstellung davon. Das Glück, in einer Lotterie zu gewinnen, meint etwas ganz anderes als das, was viele von uns unter Lebensglück verstehen.

Die internationale Glücksforschung stellt uns gleichwohl eine Reihe grundlegender Erkenntnisse zur Verfügung. So wissen wir heute sehr genau, wie Glücksgefühle entstehen und welche biochemischen Prozesse unsere Emotionen prägen. Unser Gehirn ist in dieser Hinsicht so etwas wie ein Chemiebaukasten. Allerdings ist Glück am Ende sehr individuell. Ein 20-Jähriger wird unter Glück meist etwas anderes verstehen als ein 70-Jähriger. Die biochemischen Prozesse sind bei beiden dieselben, das Resultat ist jedoch sehr unterschiedlich.

Wie wichtig sind Geld und Reichtum für unser Glück?

Geld alleine macht noch nicht glücklich. Aber es bildet selbstverständlich eine wichtige Voraussetzung, um den eigenen Lebensvorstellungen folgen und sich ohne finanzielle Sorgen verwirklichen zu können.

Also wäre ein Gewinn etwa im Eurojackpot ein möglicher Weg zu mehr Glück?

Man spielt ja nicht nur wegen eines möglichen Gewinns mit. Bereits die Tagträumerei um die Frage, was wir mit mehreren Millionen Euro tun würden, kann uns in positive Stimmung versetzen. Einen Vorschlag hätte ich allerdings für Lotterie-Millionäre: Glück durch Geld kann man noch weiter steigern, indem man einen Großteil des Vermögens mit anderen teilt und zum Beispiel gemeinnützige Projekte unterstützt.

In Ihrem aktuellen Buch verwenden Sie den Begriff „Glückskompass“. Welche Richtung sollten wir einschlagen für ein glückliches und zufriedenes Leben?

Glück ist kein Modellbaukasten, platte Patentrezepte helfen uns nicht. Die Suche nach dem Glück ist in meinen Augen eine lange Reise. Empfehlungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Psychologie und der Neurowissenschaft können uns dabei Orientierung geben.

In jedem Fall und in jedem Alter sind zwischenmenschliche Beziehungen sehr wichtig für das menschliche Glück – etwas, was in der aktuellen Corona-Zeit leider zu kurz kommt und worunter viele Menschen spürbar leiden. Wichtig ist es zudem, offen zu bleiben für die vielen kleinen Glücksmomente im Alltag, sie bewusst wahrzunehmen und diese positiven Emotionen in uns festzuhalten. Diese kleine Anstrengung nutzt uns, denn ein glückliches Leben hält uns Menschen nachweislich gesund.

Was passiert mit uns, wenn wir solche Glücksmomente für später speichern?

In der Tat sind Glücks-Flashbacks ein Instrument, um uns positiv zu stimmen. Oft genügt bereits ein Geruch, ein Lied oder ein Bild, sodass wir uns direkt in eine glückliche Situation zurückversetzen können. Diese positive Stimmung können wir später wieder abrufen und uns somit nutzbar machen. Ich habe zum Beispiel Lieblingswege durch Wien, die für mich positiv besetzt sind. Ich gehe dort lang, vielleicht noch kombiniert mit etwas Musik, und fühle mich sofort besser. So etwas kann jeder für sich finden. Mit der Zeit habe ich mir beispielsweise eine Liste angelegt und schöne Momente, die nur für mich eine besondere Bedeutung haben, als Stichworte gesammelt. In dem Büchlein zu blättern und zu lesen, sorgt für laufende kleine Schübe des Glücks.

Wie glücklich sind Sie derzeit?

Diese Frage will mit einer Aussage von Sir Karl Popper beantworten, den ich 1985 bei einem Vortrag erleben durfte: „Ich bin 83 und heute der glücklichste Mensch, den ich kenne. Ich finde das Leben unbeschreiblich wundervoll.“ Dem kann ich mich nur vollauf anschließen. Erkenntnisse aus der Glücksforschung haben mir geholfen, meine Lebensreise glücklich zu gestalten. Es ist mir ein Anliegen, dieses Wissen weiterzugeben.

Zur Person
Prof. Dr. Michael Kunze (78) war langjähriger Leiter des Instituts für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien, ist Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie und Professor für Sozialmedizin. Er engagiert sich in nationalen und internationalen Gesundheitsorganisationen (u. a. WHO), ist Vortragender und Publizist. In seiner aktuellen Buchveröffentlichung „Der Glückskompass“ (Co-Autor mit Dr. Silvia Jelincic) befasst er sich mit Erkenntnissen der internationalen Glücksforschung.

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