Metamorphosen des Todes

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Jena (28.05.13) Unter dem Titel „Metamorphosen des Todes“ startet jetzt ein neues interdisziplinäres Forschungsprojekt an der Universität Jena, das sich mit der Christianisierung des Todes und der Jenseitsvorstellungen in Kaiserzeit und Spätantike auseinandersetzen wird.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit fast 400.000 Euro gefördert, womit v. a. ein Postdoc und zwei Doktoranden finanziert werden. Das neue Projekt führt Wissenschaftler der Theologischen Fakultät, des Instituts für Altertumswissenschaften und des Instituts für Philosophie der Jenaer Universität mit auswärtigen Forschern zusammen.

Im Fokus steht ein zentrales geistes- und kulturwissenschaftliches Problem: Transformationen von Todes- und Jenseitsvorstellungen vom Hellenismus über die Kaiserzeit bis in die Spätantike. „In der Begegnung von Judentum, Antike und entstehendem Christentum kam es in der Zeit vom ersten bis zum sechsten Jahrhundert nach Christus zu einer Christianisierung des Todes und der Jenseitsvorstellungen, die über das Mittelalter und die frühe Neuzeit bis heute die westliche Kultur prägen, unbeschadet der dauerhaften Herausforderungen durch die Moderne und der Auseinandersetzungen mit anderen Kulturen und Religionen in der Gegenwart“, erläutert Prof. Dr. Karl-Wilhelm-Niebuhr, Inhaber des Lehrstuhls für Neues Testament.

Durch das antike Christentum, so die Arbeitshypothese des Projekts, sei der Umgang mit dem Tod verändert worden. „Der zentrale Punkt im Christentum“, betont Niebuhr, „ist die Auferstehung Jesu von den Toten.“ Das Christentum konnte hier an Vorstellungen anknüpfen, die sich schon im hellenistischen Judentum herausgebildet hatten. Entsprechend wird sich das Teilprojekt „Speranda Futura?“ mit dem Themenkomplex Tod und Auferstehung in literarischen und nicht-literarischen Quellen des antiken Judentums beschäftigen.

Niebuhrs Mitarbeiter Dr. Sören Swoboda untersucht, in welcher Weise die jüdische Tora beim alltagspraktischen Umgang mit dem Tod und bei den religiösen Strategien zu seiner Bewältigung zur Geltung gebracht worden ist. Im Blick auf die Begräbniskultur soll anhand von Grabinschriften gefragt werden, ob es wesentliche Veränderungen in den Auferstehungsvorstellungen und den Hoffnungen auf ein Leben über den Tod hinaus gibt.

Unter der Leitung von PD Dr. Matthias Perkams vom Institut für Philosophie wird die Doktorandin Maria Herzog zum Thema „Augustinus und die Freiheit zum Tode“ arbeiten – und „Platonische Argumente für die Freiheit der Seele“ analysieren. Indem ihre Untersuchung aus einer doppelten Perspektive heraus erfolgt, nämlich sowohl aus einer philosophischen als auch einer theologischen, wird sie Augustinus, der als erster christlicher Philosoph des Westens gelten kann, auf besondere Weise gerecht.

Das dritte Teilprojekt wird sich unter Leitung des Altertumswissenschaftlers Prof. Dr. Meinolf Vielberg, Inhaber des Lehrstuhls für Klassische Philologie/Latinistik, mit dem Tod in dem spätantiken Dossier ‚Martinellus’ auseinandersetzen. Das ist eine Sammlung von hagiographischen Texten aus Gallien, die in der Tradition des Heiligen Martin von Tours stehen. Das von einem weiteren Doktoranden zu erarbeitende Projekt steht im Zusammenhang mit einer langen Jenaer Forschungstradition zur spätantiken Hagiographie.

Eingebettet in den geisteswissenschaftlichen Schwerpunktbereich der Friedrich-Schiller-Universität „Grundlagen Europas: Kultur und Religion in Antike und Mittelalter“ beginnt das Projekt mit einem Workshop unter dem Thema „Metamorphosen des Todes“ am Montag, dem 3. Juni, 14 Uhr, im Senatssaal des Universitätshauptgebäudes (Fürstengraben 1). Weitere Informationen dazu im Internet unter: www.theologie.uni-jena.de/thefakmedia/Fakult%C3%A4t/Veranstaltungskalender/TRIA_CORDA_Vorlesungen.pdf.

Foto: Prof. Dr. Karl-Wilhelm Niebuhr und seine Kollegen von der Universität Jena untersuchen in dem neuen Projekt, ob und wie durch das antike Christentum der Umgang mit dem Tod verändert worden ist.
(Foto: Anne Günther/FSU)

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