Die reichen Bestände der Sammlungen auf Schloss Friedenstein sorgen immer wieder für faustdicke Überraschungen. So fand sich vor kurzem ein Büßergewand / Chorhemd Kaiser Maximilians I. (1459 – 1519), das unter Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg 1801 gemeinsam mit dem Echternacher Evangeliar (Codex aureus Epternacensis) von einem Mönch der Benediktinerabtei Echternach erworben wurde. Der Geistliche war mit einigen kostbaren Stücken aus dem Klosterschatz vor den französischen Revolutionstruppen nach Deutschland geflohen.
Ein Gewand aus den Friedensteinischen Sammlungen, war bereits in den 1990er Jahren und 2004 in Sonderausstellungen als Chorhemd Maximilians präsentiert worden. Erst jetzt stellte man fest, dass aufgrund eines angehefteten historischen Zettels das falsche Chorhemd Maximilians gezeigt worden war.
In Vorbereitung der Ausstellung „Märchenschloss Friedenstein – Gotha erzählt“ (ab Mai), in der das Kleidungsstück präsentiert werden wird, konnte – auch Dank des Hinweises eines Luxemburger Forschers – das richtige Chorhemd neu entdeckt und identifiziert werden. Inzwischen wurden einige, auf mittelalterliche Textilien spezialisierte Fachleute hinzugezogen, welche die Datierung des Gewandes in das 15. Jahrhundert bestätigt haben. Für die Ausstellung wird es nun aufwendig restauriert.
Das weite, hemdartige Gewand aus verbräuntem Leinen ist knöchellang und hat eine ausgeprägte orientalische Schnittform mit weiten überlangen Ärmeln. Es wird vermutet, dass es ursprünglich aus Spanien stammt. Das Gewand mit einer Rückenlänge von 137 cm und einer Armlänge von 130 cm wird von einer maurisch anmutenden Stickerei in rad- und sternenförmigen Musterungen geziert. Spuren, wie z. B. Risse im Schulterbereich und Verfärbungen künden vom einstigen Gebrauch.
Für die Benediktinerabtei Echternach ist ein Besuch Kaiser Maximilians I. im Jahr 1512 belegt, was bedeuten würde, dass das Gewand vor genau 500 Jahren vom Kaiser getragen wurde. In Echternach ist ebenfalls überliefert, dass der Kaiser das Büßergewand, das er während einer Prozession und des Chorgebets trug, anschließend der Abtei geschenkt hat, wo es bis 1794 aufbewahrt wurde.
Die für ihr hohes Alter erstaunlich gut erhaltene Textilie ist gerade in Verbindung mit ihrer klaren Herkunftsgeschichte eine wirkliche Sensation und ist ab 13. Mai 2012 in der Sonderausstellung „Märchenschloss Friedenstein – Gotha erzählt“ zu sehen.





















