Über das Sprechen: Sprache und Selbstbehauptung

0
431

Wer die Sprache hat, hat die Macht. Eine Veranstaltung mit Vorträgen und Podiumsdiskussion
ausgewiesener Experten am 30. Oktober um 19 Uhr in der Gedenk- und Bildungsstätte
Andreasstraße Erfurt widmet sich in vergleichender Perspektive dem Thema Sprache und
Selbstbehauptung in der DDR und Weißrussland.

Widerstand gegen Gewalt und revolutionäre Bestrebungen zeichnen sich durch einen neuen
Sprachduktus aus. Die Germanistin Ulla Fix referiert über widerständiges, sich Freiräume schaffendes
Sprechen im Herbst 1989 vor dem Hintergrund der Regeln des offiziellen Sprachgebrauchs in der
DDR. Der Journalist und Autor Ingo Petz, der Weißrussland seit 20 Jahren regel-mäßig bereist,
beleuchtet anschließend die Rolle der weißrussischen Sprache, die aus ihrem Überlebenskampf und
aus ihrem Willen zur Selbstbehauptung eine kulturelle Gegenelite her-vorgebracht hat, die sich vom
traditionellen, neosowjetischen Kulturmodell des mit eiserner Hand regierenden autoritären
Staatspräsidenten Alexander Lukaschenko abzugrenzen versucht. Daran anknüpfend präsentiert die
weißrussische Kulturmanagerin und Übersetzerin Iryna Herasimovich Texte aus der oft als „letzte
Diktatur Europas“ bezeichneten weißrussischen Republik. In einem Abschlusspodium soll schließlich
nach der Funktion von Sprache in autoritären Systemen gefragt werden. Moderiert wird der Abend
von Manuel Leppert, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Ettersberg, die der vergleichenden
Erforschung europäischer Diktaturen und der Aufarbeitung der SED-Diktatur gewidmet ist. Der
Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung ist ein Kooperationsprojekt des Erinnerungsortes Topf & Söhne mit der Heinrich-
Böll-Stiftung Thüringen und der Stiftung Ettersberg und steht in einer Reihe, die im letzten Jahr mit
Veranstaltungen über „Das große Schweigen und seine Folgen“ den Umgang mit NS-Verbrechen und
Krieg, die inneren Verhältnisse in der DDR und die Auseinandersetzung mit aktueller neonazistischer
Gewalt thematisierte. Weil sich damals zeigte, wie wichtig es für eine lebendige Zivilgesellschaft ist,
über das Schweigen und über Verschwiegenes ins Gespräch mit-einander zu kommen, wird nun zum
Thema gemacht, wie und worüber die Menschen sprechen und wie und worüber sie miteinander
sprechen sollten. In Abwandlung des kulturellen Jahresthemas der Landeshauptstadt „Wie viele
Worte braucht der Mensch?“ fragt die Veranstaltungs-reihe: „Welche Worte (ge-)braucht der
Mensch?“ Am 21. Oktober fand die Auftaktveranstaltung in dieser Reihe zum Thema „Sprache und
Verantwortung“ im Erinnerungsort Topf & Söhne statt.

Datum: Donnerstag, 30.10. 2014
Vortrag: Sprache und Selbstbehauptung
Ort: Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße
Beginn: 19.00 Uhr
Eintritt: frei

MSB Kommunikation