Zweitägiges Symposium der Uni Jena über böhmischen Reformer Jan Hus

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Der böhmische Reformer Jan Hus (um 1370-1415) steht im Mittelpunkt eines zweitägigen Symposiums an der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter dem Titel „Jan Hus und seine reformatorische Bedeutung“.

Theologen und Historiker beleuchten am 9. und 10. Juni die vielfältigen Facetten des Reformers Hus und dessen Wirkungsgeschichte. Anlass des öffentlichen Symposiums im Senatssaal der Universität ist das 600. Todesjahr von Jan Hus, der am 6. Juli 1415 in Konstanz als Ketzer öffentlich verbrannt wurde.

„Hus wurde lange nur als Vorreformator betrachtet, doch wir wollen seine eigenständige Rolle beleuchten“, sagt Prof. Dr. Miriam Rose. Die Inhaberin des Lehrstuhls für Systematische Theologie richtet das Symposium gemeinsam mit dem Kirchenhistoriker Prof. Dr. Christopher Spehr aus. Das Symposium reiht sich in die Veranstaltungen zum Reformationsgedenken 2017 ein.

„Martin Luther selbst wurde als Hussit verdächtigt und musste sich zur Wehr setzen“, sagt Christopher Spehr. Dabei habe Luther in der Tat Elemente aus Hus‘ Lehre übernommen, etwa die Forderung nach dem Laienkelch und damit das Abendmahl in beiderlei Gestalt. Bis heute werde Jan Hus von der evangelischen Kirche als Vorreformator betrachtet, während die katholische Kirche noch längst nicht ihren Frieden mit dem „Ketzer“ Hus gemacht habe.

In Tschechien werde Hus noch viel umfassender gewürdigt und geehrt, betont Prof. Spehr: „Hus ist für die Tschechen ein Nationalheld, dessen Wirkung bis hin zum Prager Frühling reicht.“ Vaclav Havel habe Jan Hus sogar einmal als ersten öffentlichen Intellektuellen des Landes bezeichnet, sagt Miriam Rose.

Während des Symposiums beleuchtet Dr. Thomas Krzenk aus Leipzig zunächst das „Leben und Sterben des tschechischen Reformators Jan Hus“, später spricht Dr. Martin Wernisch von der Karls-Universität Prag über „Luther und Hus“. Am Abend des ersten Tages wird Prof. em. Dr. Helmut G. Walther (Jena) in einem öffentlichen Vortrag ab 19.15 Uhr in der Aula der Universität über Hus referieren. Der Vortrag trägt den Titel „Märtyrer, Ketzer, Nationalist, Reformer und Revolutionär. Zur Geschichte der wechselnden Hus-Bilder seit dem 15. Jahrhundert“. Unter den Gästen werden Universitätspräsident Prof. Dr. Walter Rosenthal und der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow sein.

Der Höhepunkt des zweiten Tages ist ab 10.15 Uhr eine Podiumsdiskussion über „Die Bedeutung von Jan Hus – damals und heute“ in der Aula der Universität. Es debattieren Prof. Dr. Josef Freitag (Universität Erfurt), Dr. Jindrich Halama (Karls-Universität Prag), Prof. Dr. Andrea Strübind (Universität Oldenburg) und Prof. em. Dr. Helmut G. Walther (Universität Jena). Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Miriam Rose. Auch zur Podiumsdiskussion sind Gäste herzlich willkommen.

Das Programm des Symposiums im Internet: http://www.theologie.uni-jena.de/janhus.html

 

(Zum Beitragsbild: Ergebnisse einer Internet-Bildersuche nach dem böhmischen Reformator Jan Hus. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

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