Unter dem Motto „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 21,5) lädt das Pilgerzentrum Kirche und Tourismus am 17. und 18. Januar zum traditionellen Täufergedenken nach Reinhardsbrunn bei Friedrichroda ein. Das teilte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland mit.
Zum 13. „Reinhardsbrunner Gespräch“ am 18. Januar um 17 Uhr im „Haus der Stille“ steht die Frage nach der Aktualität biblischer Apokalyptik im Mittelpunkt. Der Impuls des mennonitischen Theologen Marius van Hoogstraten und das anschließende Gespräch kann auch online verfolgt werden. Übernachtungen sind im „Haus der Stille“ möglich. Anmeldung und Informationen: https://www.mennoniten.de/reinhardsbrunn-26/.
Anlass der jährlichen Begegnung ist der Jahrestag der Hinrichtung von vier Täuferinnen und zwei Täufern am 18. Januar 1530 in Reinhardsbrunn. Seit 2013 führt das Gedenken ökumenisch zusammen. Im vergangenen Jahr wurde am Hinrichtungsort Igelsteich ein Gedenkstein aufgestellt.
Inhaltlich knüpft das Treffen an die starke Resonanz apokalyptischer Texte in der Reformationszeit an – insbesondere der Johannes-Offenbarung. Bei vielen Täufern verband sich damit eine konkrete Naherwartung der Wiederkunft Christi und die Frage, wie Frieden und soziale Gerechtigkeit umgesetzt werden könnten. Vor dem Hintergrund heutiger Kriege, der Debatten um „Zeitenwende“ und „Kriegsfähigkeit“ sowie der Klimakrise soll im Gespräch nach Bedeutung und Gegenwartsbezug biblischer Apokalypse gefragt werden.
Zum Programm gehört am Samstag um 19 Uhr eine Andacht im Rahmen der Allianz-Gebetswoche. Am Sonntag, 18. Januar, folgen ein ökumenischer Gottesdienst um 10 Uhr in der Schlosskapelle Reinhardsbrunn, ein gemeinsames Mittagessen sowie ab 13 Uhr das Innehalten an der Stele mit der Nennung der Namen der Hingerichteten und ein Pilgerweg zum Igelsteich mit Andacht am Gedenkstein.
Um 17 Uhr beginnt das Gespräch mit einem Impuls von Van Hoogstraten. Der Dozent am Mennonitischen Seminar der Vrije Universiteit Amsterdam lebt in Frankfurt am Main, wo er auch als Prediger der Mennonitengemeinde tätig ist. In seinem neuen Buch „Community and Catastrophe“ (https://www.bloomsbury.com/uk/community-and-catastrophe-9780567724564/ ) zum „Schleitheimer Bekenntnis“ fragt er danach, wie Kirche angesichts kommender Katastrophen in gemeinschaftlicher Verantwortung leben kann.
Der Zoomlink: https://us02web.zoom.us/j/81710403381?pwd=wVkbj7PBvi1rRgTdATJbxAeOQ4Foao.1
Meeting-ID: 817 1040 3381, Passcode: 456566
Hintergrund: Die Täuferbewegung entstand parallel zur Reformation von Martin Luther und Huldrych Zwinglis. Die weit verbreitete Kritik an der Kindertaufe setzte ein Kreis früherer Schüler Zwinglis in die Praxis um. So kam es in Zürich Ende Januar 1525 zur ersten Glaubenstaufe an Erwachsenen. Die Bewegung fand auch in reformatorischen Kreisen Thüringens Anhänger. Sie traten für eine geschwisterliche Kirche ohne Hierarchie und Klerus ein und wurden von katholischer wie protestantischer Seite verfolgt. Aus der Täuferbewegung entstanden die Mennoniten, die wegen ihres Einsatzes für Gewaltfreiheit zu den historischen Friedenskirchen gezählt werden. Erst im 20. und 21. Jahrhundert kam es zu Dialogen, Versöhnung und ökumenischer Gemeinschaft.
Die Erinnerung an die Hinrichtung von vier Täuferinnen und zwei Täufern in Reinhardsbrunn am 18. Januar 1530 begann im Rahmen der lutherisch-mennonitischen Versöhnung im Jahr 2010 in Stuttgart. 2013 eröffnete die EKM gemeinsam mit dem Freistaat Thüringen im Gedenken daran das Themenjahr „Reformation und Toleranz“. Dabei wurde im Klosterpark Reinhardsbrunn eine Stele mit den Namen der Hingerichteten enthüllt. Seitdem führt der Jahrestag der Hinrichtung zum ökumenischen Gedenken und Gespräch zusammen.
Die Ausstellung „Die Täufer in den Widersprüchen der Zeit“ informiert seit 2015 im „Informationszentrum Spiritueller Tourismus Reinhardsbrunn“ über die Täuferbewegung, deren Verfolgung sowie das heute versöhnte Miteinander. Das Zentrum fördert Pilgerwege, darunter den Versöhnungsweg zwischen Zella-Mehlis und Reinhardsbrunn. Träger des Zentrums ist der Verein „Kirche und Tourismus“.
Weitere Informationen im Internet: www.erlebniswelt-reinhardsbrunn.de
Die Termine in Reinhardsbrunn im Überblick:
17. Januar
19 Uhr, Andacht im Rahmen der Allianz-Gebetswoche
18. Januar
10 Uhr, Ökumenischer Gottesdienst in der Schlosskapelle
12 Uhr, Mittagessen im Pilgerzentrum, Reinhardsbrunn 5
13 Uhr, Innehalten an der Stele mit den Namen der Hingerichteten, danach Pilgerweg zum Igelsteich mit Andacht am Gedenkstein
16 Uhr, Kaffee, Tee, Kuchen im Haus der Stille
17 Uhr, 13. Reinhardsbrunner Gespräch „Siehe ich mache alles neu!“ zur Aktualität biblischer Apokalyptik mit Impuls von Dr. Marius van Hoogstraten im Haus der Stille und online






















