Fächer, die geheime Botschaften übermittelten

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Flügeltelegraph. Foto: SSFG/Thomas Fuchs

Kabinettschau im Herzoglichen Museum Gotha, im Fächerkabinett, von heute bis 15. Oktober 2023 ergänzt Freimaurer-Ausstellung: „Konversationsfächer und geheime Botschaften auf Fächerbildern des 18. Jahrhunderts“

Gotha (red/sfh, 7. Mai). Die Kabinettausstellung „‚Quand ce coq chantera mon amour finira‘ – Konversationsfächer und geheime Botschaften auf Fächerbildern des 18. Jahrhunderts“ (dt. „Wenn dieser Hahn kräht, wird meine Liebe enden“) ergänzt ab heute die Jahreshauptausstellung „Freimaurer und Mysterien Ägyptens in Gotha“.

Die Kabinettschau beleuchtet die Themen „Verborgenes“ und „Geheimes“ auf ebenso spielerische wie politische Weise: Missverständnisse, Streit und Co. … Der Dialog zwischen Menschen birgt so seine Herausforderungen. Warum also nicht auf ein Hilfsmittel zurückgreifen wie die Liebeshungrigen des 18. Jahrhunderts? Damals war der Fächer nicht nur ein unverzichtbares modisches Accessoire, sondern auch ein Kommunikationsmittel. In höfischen wie bürgerlichen Kreisen bediente man sich der so genannten Fächersprache, um in amourösen Dingen miteinander zu kommunizieren.

„Quand ce coq chantera mon amour finira“ präsentiert unter anderem zwei Fächer aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, deren Elfenbeingestelle mit eingravierten französischsprachigen Liebesmottos und entsprechenden Symbolen verziert sind. Nachdem 1793 in Frankreich die optischen Telegraphen eingeführt worden waren, machte sich ein Éventaillist (Fächermacher) diese Erfindung zunutze und versteckte in den Deckstäben seiner Fächer je einen kleinen, herausziehbaren Flügeltelegraphen, mit dem geheime Nachrichten übermittelt werden konnten. Der Code zur Entschlüsselung der Signale des Miniaturtelegraphen wurde praktischerweise auf den Fächerblättern abgebildet. Im ausgehenden 18. Jahrhundert erfreuten sich Fächer, deren Blätter mit „Frage und Antwort-Spielen“ oder Rätseln bedruckt waren, großer Beliebtheit.

Einige solcher Exemplare wie auch selten erhaltene Royalisten-Fächer mit versteckten Symbolen der Königstreue aus der Zeit der Französischen Revolution werden ebenfalls in der Ausstellung präsentiert.

Flügeltelegraph Zwischen den Medaillons befinden sich aufgemalte Buchstaben und Zahlen einer Geheimschrift mit entsprechender Transkription. In das rechte Deckblatt ist ein schmaler Metallstreifen eingearbeitet, der mit einem Metallstift herausgezogen werden kann. Der Streifen ist mit zwei ausklappbaren Schenkeln versehen, so dass man damit die Buchstaben und Zahlen der auf dem Blatt dargestellten Geheimschrift nachbilden kann.

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