Es klappert die Mühle…

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Sundhausen (red/ra, 26. Oktober). „Ein bissel verrückt waren wir schon…“ Karsten Görlitz muss selbst schmunzeln, als er von einem Schritt berichtete, den er und seine Frau Anette vor 25 Jahren taten.

Nein, es war nicht deren Hochzeit. Aber ein „Ja“-Sagen gehört dennoch zu dieser Geschichte, die wie ein Märchen anfangen könnte: Es war einmal…

Es war einmal die Sundhäuser Mühle. 1714 ersterwähnt, drehte sich bis in die 1960er-Jahre Mühlrad und Mahlwerk. Danach diente sie nur noch zu Wohnzwecken. Bis 1995, als sie dann plötzlich zum Verkauf stand. Da allerdings schien kaum noch etwas der einstigen Pracht und an Bausubstanz vorhanden.

Im Grunde waren sämtliche Gebäude auf dem 6.000 Quadratmeter großen Grundstück mehr oder minder Ruinen. Und trotzdem erweckten sie Begehrlichkeiten bei den Görlitzens, die unweit wohnten und mit schöner Regelmäßigkeit bei ihren Spaziergängen hier vorbei gekommen waren.

Sie hatten zwar zunächst andere (Bau-)Pläne für ein eigen Heim. Aber als sich plötzlich die Gelegenheit ergab, das Mühlenareal zu erwerben, folgten sie ihrem Herzen. Drei Jahre ackerten sie jedes Wochenende, unterstützt von Familie und Freunden. Dann war zumindest das Wohnhaus für drei Parteien fertiggestellt. „Heute würden wir’s so nicht mehr schaffen“, räumt Görlitz im Rückblick auf diese Zeit ein.

Angefixt waren sie aber schon damals vom Traum, dass sich dereinst mal wieder ein Mühlrad drehen sollte – „wenn wir mal in Rente sind“.

Dass es dann deutlich eher wurde, lag an Fukujima, dem 2011er Unfall im japanischen Kernkraftwerk und der Kehrtwende in der deutschen Atompolitik. „Wir waren schon immer Anhänger von grüner Energie und sahen dann erst recht einen Grund dafür.“

Als erstes wurde am Mühlgraben, der seit 1714 dafür sorgt, dass das Mühlrad sich drehen konnte, ein Wehr erbaut. „Zum einen, damit wir ausreichend Wasser dann am Rad haben. Zum anderen, um beim Bau und bei Wartungsarbeiten das Wasser umleiten zu können.“ Dann öffnet sich das Wehr und ein Wasserfall stürzt wenigstens 2 m tiefer in einen Ablauf, der in den Leinakanal mündet.

Der bildet nämlich die südliche Grenze des Mühlenareals, weshalb eigentlich das Grundstück auch eine „Insel“ hat, die nun nach den Bauarbeiten von 2011 von Mühlgraben und Leinakanal umtost wird.

Schier unglaublich dann die Geschichte, die Karsten Görlitz zu erzählen hat, wie es weiterging. Denn damit tatsächlich wieder ein Mühlrad sich drehen konnte, brauchte es eine wasserrechtliche Genehmigung. Sie neu zu erlangen, schien Görlitz keine gute Idee, weil sie ja dann auch theoretisch widerrufen werden könnte.

Seine Überlegung indes war, dass ja auch der Betrieb 1714 gestattet worden sein muss. Und tatsächlich fand er nach umfangreicher Bücherwälzerei eine Konzession von Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Diese Urkunde für die Errichtung der Sundhäuser Mühle vom 28. März 1714 und ein von Ernst II. Ludwig von Sachsen-Gotha-Altenburg verfasster Nachtrag vom 6. Februar 1783 wurde dann Bestandteil von Antrag und der Genehmigung, die Thüringens Oberste Wasserbehörde in Weimar den Mühlen-Freaks aus Gotha-Sundhausen erstellte.

Drei Jahre gingen allerdings bis zu dieser Entscheidung ins Land. Dann machte sich Görlitz auf die Suche nach einem Mühlradbauer. Den fand er durch einen Zufall und dank Internet.

Der Zufall war, dass Görlitz‘ Eltern im Ungarn-Urlaub Bekanntschaft mit Leuten machten, die aus einem Ort im Erzgebirge stammten, in dem ein solcher Fachmann lebte. Deutlich schneller als die wasserrechtliche Genehmigung setzten sich dann die Görlitz‘ mit ihm in Verbindung und ins Benehmen.

2017 wurde das zwei Meter breite Mühlrad, das 2,75 m Durchmesser hat, installiert. Es besteht aus Stahl und Eichenholz und entspricht daher dem Original in Größe und Bauart.

Seither schwappert es mehr als dass es klappert bei Anette und Karsten Görlitz. Sie erzeugen damit ihren eigenen Strom und was drüber ist, wird eingespeist. Das wäre zuweilen bis zu 50 % der Energiemenge, die man erzeuge. „Aber reich werden wir dadurch nicht“, relativiert Karsten Görlitz die Erwartungen der Allgemeinheit.

Darum sei es ja auch nie gegangen – vielmehr wollte und habe man sich einen Traum erfüllt.

Und mal ganz ehrlich – was kann da noch schöner sein?!?

Fliesenstudio Arnold

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