Waltershausens Kino wird abgerissen

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Als die Bilder laufen lernten… – da gab es in Waltershausen noch kein Kino. Erst viel später entschied sich die Stadt, ein Lichtspielhaus zu bauen. Als sich dann 1925 das erste Mal der Vorhang in den „Städtischen Lichtspielen“ hob, fanden 550 Cineasten Platz.

Jetzt, nach 93 Jahren, sind Bagger angerückt und fressen sich durchs Mauerwerk. Der Abriss war schon einmal im Vorjahr angekündigt worden. Aber vertragliche Hürden hatten den Investor bewogen, etwas mehr Zurückhaltung zu bewahren.

Nun aber geht es richtig los. Andreas Leibold, gebürtiger Hesse und seit den 1990er-Jahren in Waltershausen, macht nun Nägel mit Köpfen.

Weil der Denkmalschutz das so will, wird die Fassade weitgehend erhalten bleiben. Dahinter aber entsteht Zeitgemäßes. Noch sind nicht alle Nutzungsvarianten ausgereizt. Ein Restaurant könnte zum Beispiel entstehen.

Stadt war weitsichtig
Hatten Waltershausens Stadtväter 1925 den Grundstein fürs Kino gelegt, so machten es 2012 ihre Nachfolger im Rathaus ihnen gleich: Sie ersteigerten nämlich die fast zwei Jahrzehnte leer stehende Immobilie, die sie zufällig auf einer Auktionsliste entdeckt hatten.

Damit wollte man sich zum einen den Zugriff auf ein zentral gelegenes Grundstück sichern und zum anderen verhindern, dass der Grund und Boden in falsche Hände geriet.

Bei der Neugestaltung jetzt verschwindet auch jenes Gemäuer, das dereinst als Nachtclub „Nightshift“ mit eigenwilliger Optik im Innern und ebenso eigenwilligen Gästen in den 1990er-Jahren für so manche Überraschung sorgte.

Anstelle des Ex-Nachtclubs ist ein Wohn- und Geschäftshaus geplant. Leibolds bisheriger Firmensitz ist eh zu klein geworden und so scheint es naheliegend, den in dem Neubau zu integrieren.

Zum Grundstück gehört zudem ein weiteres Haus, unmittelbar neben dem Ärztehaus. Hier, so hieß es, könnte Wohnraum entstehen für Ältere, der dann barrierefrei und behindertengerecht sein würde.

Da sich nun ein Investor fand, dessen Plan der Stadt genehm war, wird auch die sich engagieren. Schließlich entsteht ja gerade vis-à-vis das neue Verkehrsterminal. Das sollte nach aktuellen Planungen rund 650.000 Euro kosten und wird mit rund 500.000 Euro vom Freistaat gefördert.

Nach dem Abriss des ebenfalls verwahrlosten Bahnhofs bekommt Waltershausen als zeitgemäßen Ersatz einen modernen Haltepunkt für Bus, Bahn, Rad und Anbindung zur Thüringerwald- und Straßenbahn.

Auf 1.900 mfinden sich dann eine barrierefreie Bushaltestelle mit drei Haltepunkten und ein Busparkplatz. Parkplätze wird es geben, zwei Elektrotankstellen, zehn überdachte Fahrrad-Parkplätze und eine öffentliche barrierefreie Toilettenanlage.

Im Zuge der Neugestaltung will die Stadt dann auch Parkanlage neben dem Ex-Kino neu gestalten. Dafür verschwindet dann auch im neuen Grün jene Rumpelstrecke zwischen Ohrdrufer Straße und der Albrechtstraße. Deren Beseitigung und Begrünung wird die Ausgleichsmaßnahme für den Aldi-Neubau, erklärte Bürgermeister Michael Brychcy (CDU).

Geschichte des Kinos
1925 eröffnet als „Städtische Lichtspiele“ mit 550 Plätzen.
Ab 1932 firmierte man dann als „Stadthallen-Lichtspiele“ und fünf Jahre später nannte man sich „Tannhäuser-Lichtspiele“.
1985 wurde dann der „Kinoklub Waltershausen“ eröffnet und ab 1988 prangte dann der Schriftzug „Theater der Freundschaft“ an der Fassade, dass ca. 200 Plätze bot. 1991 wurde umstrukturiert und als „Tannhäuser Freizeitcenter“ geöffnet. Da war der Kinosaal schon verwaist, war das Licht des Filmprojektors für immer erloschen.

Foto: Wikipedia

 

The Londoner - Gotha

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