2022: Drittniedrigste Zahl an Straftaten seit 1993

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Erfurt (red, 24. März). „Thüringen ist und bleibt sicher.“ Das sagte Thüringens Minister für Inneres und Kommunales, Georg Maier, über die Sicherheitslage bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2022. Zwar seien im vergangenen Jahr mit 135.911 Straftaten 5.500 Straftaten mehr als im Vorjahr registriert worden, doch wurde die Statistik in der Corona-Zeit positiv verzerrt. Aussagekräftiger sei, dass die Zahl der Straftaten 2022 den drittniedrigsten Stand seit Beginn der Erfassung im Jahr 1993 darstellt. „Die ansteigenden Fallzahlen mit abflauender Pandemie sind ein bundesweiter Trend“, sagte Maier.

Auf einem historischen Tiefstand war im vergangenen Jahr die Zahl der Wohnungseinbrüche im Freistaat. Mit 783 Fällen ist die Fallzahl so niedrig wie nie zuvor seit Beginn der PKS-Erfassung 1993. In der gemeinsamen Statistik-Präsentation mit dem Präsidenten des Thüringer Landeskriminalamtes, Jens Kehr, lobte Thüringens Innenminister die polizeilichen Initiativen und Aktivitäten in diesem Bereich. „2015 hatten wir fast 1.500 Wohnungseinbrüche zu verzeichnen. Jetzt, sieben Jahre später, hat sich diese Zahl fast halbiert. Das ist ganz klar ein Erfolg unserer Polizeiarbeit“, so Maier.

Ins Bild passt, dass die Aufklärungsquote in den vergangen zehn Jahren nahezu gleichbleibend gut ist. Der Durchschnitt dieses Zeitraums liegt bei 63,8 %. Mit 63,2 % lag die Aufklärungsquote 2022 nur 0,6 % unter dem langjährigen Mittel. Als Paradebeispiel für die gute Arbeit erinnerte der Minister an das ausgehobene Drogenlabor in einem Erfurter Gewerbegebiet im Februar 2022. Es war eines der größten Labore zur Herstellung von Crystal Meth (Methamphetamin), das jemals in Deutschland festgestellt werden konnte. Maier: „Ein riesiger Erfolg, der in Erinnerung bleibt.“

Besorgniserregend findet der Innenminister, dass Trickbetrug auch in Thüringen immer weiter um sich greift. Hier versuchen organisierte Betrüger aus dem Ausland meist ältere Menschen um ihr Vermögen zu bringen und leider gelingt das immer wieder. Fast 4,5 Millionen Euro haben Betrüger den Geschädigten 2022 aus der Tasche gezogen. Mehr als 60 % der Geschädigten sind älter als 60 Jahre. 2022 wurden im polizeilichen Vorgangsbearbeitungssystem 5.315 Fälle mit dem Schlagwort „Telefontrickbetrug“ erfasst. Den größten Anteil nimmt mit 35 % der „WhatsApp-Betrug“ ein. Im „Ranking“ folgen dann „falsche Amtsperson, falscher Polizeibeamter“ mit knapp 24 % und der „klassische“ Enkeltrick mit 16,5 %. Innenminister Georg Maier richtete deshalb einen Appell an die Bevölkerung. „Seien Sie beim Anruf von Unbekannten misstrauisch. Vergewissern Sie sich bei Verwandten, ob die vorgetragene Notsituation tatsächlich besteht. Melden Sie jeden Anruf, der Ihnen komisch vorkommt, der Polizei“, rief er auf.

Ein weiteres Mal deutlich zugenommen hat auch der prozentuale Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen. 12.239 Personen verzeichnet die Statistik. Deren Anteil an der Gesamtzahl der ermittelten Tatverdächtigen stieg um 3,3 % auf 22,8 %. Im Vergleich zu 2021 bedeutet das einen Anstieg der nichtdeutschen Tatverdächtigen um mehr als ein Viertel (plus 25,9 %). Maier: „Darunter sind auch zahlreiche Personen, die keinen gültigen Aufenthaltstitel für Deutschland vorweisen können. Bei diesen Straftätern müssen wir deren Rückführung verstärkt in den Blick nehmen. Die Möglichkeiten der Bundesländer sind hier aber begrenzt. Deshalb ist es wichtig, dass der Bund entsprechende Rückführungsabkommen und Vereinbarungen mit den Herkunftsstaaten schließt.“

Mutmaßlich ausländische Banden sind auch verantwortlich für die Angriffsserie auf Bankautomaten. Sieben sind 2022 in Thüringen gesprengt worden. 23 sind es seit 2020 insgesamt (inklusive dreier Sprengungen 2023). Minister Maier bewertet diese Straftaten als schwerwiegende Verbrechen. „Die Täter arbeiten mit Sprengstoff – oft in Gebäuden, in denen unmittelbar darüber oder nebenan Menschen leben. Heißt: Es ist ein großes Glück, dass da in Thüringen noch niemand verletzt oder getötet worden ist.“ Die Polizei geht gegen die Sprengungen präventiv und repressiv vor. Unter anderem prüfen und aktualisieren Landespolizeidirektion und Landeskriminalamt ihre Einsatzkonzepte. Innenminister Maier sieht aber auch die Banken in der Pflicht. „Diese müssen die Auflage bekommen, ihre Geldautomaten besser zu schützen und das Geld durch Farbpatronen oder andere Schutzvorkehrungen bei einer Sprengung wertlos zu machen“, sagte er. Vorbild sind da die Niederlande, wo Geldautomaten flächendeckend mit Farb- oder Klebe-Technik nachgerüstet worden sind. Maier: „Die Banken haben zugesichert, sich verstärkt des Themas anzunehmen. Wir erwarten jetzt kurzfristig sichtbare Schritte. Ansonsten ist eine gesetzliche Regelung unausweichlich.“

Die Zahlen zur PKS 2022

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