BiG im Gespräch mit Thüringens Gesundheitsministerin: Werben für die gesunde Kraft des Sports und Vertrauen in Vereine

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Videokonferenz von "Basketball in Gotha" und Gesundheitsministerin Heike Werner. Foto: Wolfgang Gleichmar

Gotha (red, 6. Mai). Die gute Nachricht vorweg: Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke) hat Wort gehalten und sich gestern eine gute Stunde Zeit genommen für einen Dialog mit „BiG – Basketball in Gotha“. Die Zusage hatte die Ministerin BiG-Präsident Andy Dittmar am Rande von „Fakt ist!“ im MDR-Landesfunkhaus Erfurt gegeben. Die Sendung am 19. April stand unter dem Motto: „Freizeit, Fitness, Volksgesundheit – wenn der Lockdown krank macht.“

Nun folgte sozusagen die Fortsetzung der Fernsehdiskussion mit Fokus auf BiG. In einer Videokonferenz tauschte sich Heike Werner mit Mitgliedern des Vorstandes, Trainern, Aktiven und engagierten Eltern von BiG-Talenten aus. Zehn Mitglieder des Vereins waren in die Runde involviert, die von einem Team des MDR* begleitet wurde.

Wie bereits in der MDR-Sendung im April trafen erneut zwei unterschiedliche Sichtweisen aufeinander:

Hier die Thüringer Gesundheitsministerin, die Verantwortung fürs Große und Ganze trägt, die Entscheidungen von enormer Tragweite treffen muss, die vor allem das Gesundheitssystem, den Gesundheitsschutz und die damit verbundenen Maßnahmen im Blick hat.

Dort die BiG-Mitglieder, die sehr viele Fragen haben, die sich Gedanken um das Vereinsleben im Allgemeinen und um Kinder und Jugendlichen im Speziellen machen. Denn diese Altersgruppe, darin waren sich alle Teilnehmer der gestrigen Videokonferenz einig, treffen die aktuellen Corona-Maßnahmen besonders hart: keine Schule, kein Training, kein Wettkampf, kaum soziale Kontakte…

„Wir wollen der Ministerin die Realität an der Basis aus unterschiedlichen Blickwinkeln schildern, die Politik für die Probleme vor Ort sensibilisieren, unmissverständlich auf bürokratische Hürden hinweisen und im Idealfall gemeinsam Lösungsansätze finden, wie auf Grundlage von vernünftigen Konzepten weitere Öffnungsschritte für den Outdoorbereich ermöglicht werden können!“ Mit diesen Worten hatte Andy Dittmar im Vorfeld das wichtigste BiG-Ziel für diese Videokonferenz abgesteckt.

Diesem Ziel kam die Runde ein Stück näher. Ob es letztlich ein größeres Stück war oder eher ein kleineres, liegt im Auge des Betrachters.

Denn schnell zeigte sich, dass es in der aktuellen Situation nach wie vor viele Argumente pro und contra gibt. Dass es sehr schwer ist, diese Argumente abzuwägen und ein Gleichgewicht zu finden. Und dass es schlicht unmöglich ist, für sehr komplexe Zusammenhänge mal eben einfache Lösungen zu präsentieren.

Heike Werner reagierte verständnisvoll auf die unterschiedlichen Schilderungen der BiG-Mitglieder. Gleichzeitig warb sie für Verständnis, dass der Gesundheitsschutz für sie oberste Priorität besitzt. Allerdings räumte sie im Gespräch auch ein: „Es gibt in der Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen sehr viel Widersprüchlichkeit!“

Diese Widersprüchlichkeit trat auch gestern zutage. Als mehrere Eltern über die besonderen Probleme für Jugendliche in der Pubertät berichteten und darauf hinwiesen, dass sich vor allem Jungs in diesem Alter nicht dauerhaft verbieten lassen, Gleichaltrige zu treffen und an der frischen Luft zu zocken (im Sinne von Basketball spielen), da sagte die Gesundheitsministerin: „Ich verstehe Sie da voll. Die Kinder und Jugendlichen machen dann am Ende, was sie wollen, und dann ist es besser dort, wo es unter Aufsicht passiert, als wenn jeder sich irgendwo trifft.“

Aus dem Blickwinkel von Basketball in Gotha traf Heike Werner mit diesen Worten den Nagel auf den Kopf.

Jedoch folgte unverzüglich ein ABER der Ministerin mit Verweis auf die Zahlen, die aktuell unbedingt gesenkt werden müssen. Gelingt das, seien auch weitere Öffnungsschritte möglich; den ersten gab es bereits zu Beginn dieser Woche. Seither dürfen Kinder unter 14 Jahren in Fünfer-Gruppen an der frischen Luft trainieren. Ein Schritt, der BiG hoffnungsvoll stimmt.

„Auch aus diesem Grund ist das sprichwörtliche Glas für uns mindestens halbvoll“, sagte Andy Dittmar nach der Videokonferenz. „Wir werden uns weiter in die laufende Diskussion einbringen und für mehr Vertrauen in die gesunde Kraft des Sports und der Sportvereine werben!“

Derweil bedankte sich Heike Werner nach einer guten Stunde für die Offenheit, auch für die Kritik, die an einigen Stellen geäußert wurde: „Ihre ganz unterschiedlichen Erfahrungen sind für mich sehr wichtig. Deshalb nehme ich auch verschiedene Aufgaben aus diesem Gespräch mit!“

Ein konkretes Beispiel für eine der Aufgaben, die sich die Gesundheitsministerin notiert hat: „Wir müssen Kriterien aufstellen, um eine gewisse Entbürokratisierung zu ermöglichen, damit Anträge für Sportvereine nicht so aufwändig sind, damit die Ämter eben auch schneller in der Lage sind, solche Anträge zu bearbeiten.“
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*Der MDR berichtet über das Thema heute im „Thüringen Journal“ und am kommenden Montag, 10. Mai, in der Sendung „Fakt ist!“ („Was macht Corona mit unserer Demokratie und Debattenkultur?“).

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