Das fast-beinahe Armageddon von Tabarz

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15 g Meteorit hat Bad Tabarz' Bürgermeister David Ortmann aus Wien nach Hause geholt. Hier die Übergabe durch Christina Rittmannsperger. Foto privat

Bad Tabarz (red/do, 15. August). Vor fast 170 Jahren krachte ein kleiner Himmelskörper in ein Feld in Groß-Tabarz. Seitdem werden Teile des Eisenmeteoriten in Österreich, England, den USA und Indien untersucht, ausgestellt und sicher verwahrt.

Ab sofort kann das 4,56 Milliarden Jahre alte Objekt wieder in Bad Tabarz besichtigt werden. Das renommierte und traditionsreiche Naturhistorische Museum Wien stellt der Gemeinde den seltenen Zeugen aus der Zeit der Planetenentstehung nun als Leihgabe zur Verfügung.

Der Aufprall
18. Oktober 1854. Ein Meteorit rast mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit auf unseren Planeten zu, tritt als blau-grün-gelb glühender Feuerball in die Erdatmosphäre und schlägt kurze Zeit später in eine Wiese am Fuße des Inselsbergs ein. Als ein Schäfer ihn anschließend findet, ist das Eisen angeblich noch glühend heiß. Er wittert ein lukratives Geschäft und zersägt den seltsamen Fund. Der größere Teil wird an einen Mineralienhändler aus Berlin verschachert. Der kleinere, knapp 55 Gramm schwere Teil, kommt über Umwege an einen Wissenschaftler. Weiter zersägt, tritt der Meteorit nun seine Weiterreise an.

Der Meteorit
Heute sind die dokumentierten Reste des einst knapp 150 Gramm schweren Tabarz-Meteoriten weltweit zu Forschungs- und Ausstellungszwecken oder in Sammlungen verteilt. 15 Gramm befinden sich im Inventar des Naturhistorischen Museums Wien, 20 Gramm in der Universität Göttingen, 9 Gramm im Naturhistorischen Museum in London, 6 Gramm im Geologischen Museum in Kalkutta und 5 Gramm an der State University Arizona in Tempe.

„Meteorite sind begehrt. Das trifft besonders auf Eisenmeteoriten, wie den Tabarz-Meteorit zu und liegt vor allem an ihrem Erscheinungsbild und ihrer Seltenheit. Schließlich handelt es sich lediglich bei 2 Prozent aller Meteoritenfunde um Eisenmeteorite“, weiß Dr. Julia Walter-Roszjár, Co-Kuratorin der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums Wien und erklärt, dass es sich bei dem Tabarz-Meteorit um ein Fragment aus dem Metallkern eines aufgeschmolzenen, sogenannten differenzierten Asteroiden handelt. „So in etwa stellen wir uns auch den Erdkern vor.“

Die junge Wissenschaftlerin muss es wissen, schließlich betreut sie mit ihrem Kollegen Dr. Ludovic Ferrière, die älteste und eine der wichtigsten Meteoritensammlungen der Welt, die für wissenschaftliche Forschungen zur Verfügung steht. Seit 1861 wird auch ein 15 Gramm schwerer Teil des Tabarz-Meteoriten im renommierten und traditionsreichen Naturhistorischen Museum Wien aufbewahrt.

Bis heute wird hier aktiv an Meteoriten geforscht. Dr. Julia Walter-Roszjár, unter anderem auf die Analyse kleinster Minerale in verschiedensten Meteoritengruppen, insbesondere in Marsmeteoriten spezialisiert, erklärt, „dass der Tabarz-Meteorit ursprünglich aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter stammt und ein Zeuge aus der Zeit der Planetenentstehung von vor rund 4,56 Milliarden Jahre ist.“ Er zähle zu den Oktaedriten und besteht unter anderem aus Nickeleisen – den Mineralen Kamazit und Taenit – sowie kleinen Mengen von Troilit, Schreibersit und Graphit.

Die Leihgabe
Die Gemeinde Bad Tabarz hatte alle dokumentierten Aufbewahrungs- und Ausstellungsorte im Jahr 2020 angeschrieben, um zumindest einen Teil des Meteoriten im ursprünglichen Fundort in Bad Tabarz ausstellen zu können. Daraufhin ergab sich der Kontakt zu Dr. Ludovic Ferrière, der der Gemeinde nicht nur Aufnahmen und Informationen über den Meteorit zur Verfügung, sondern auch die Übergabe des Meteoriten als Leihgabe in Aussicht stellte.

Nachdem die Voraussetzungen für die Leihgabe erfüllt waren, konnte Bürgermeister David Ortmann den entsprechenden Leihvertrag am 2. August 2021 im Büro von Katrin Vohland, der Generaldirektorin des Naturhistorischen Museums Wien unterzeichnen und das Objekt in Empfang nehmen.

Der Bürgermeister war von dem Museum und der Ausstellung sichtlich beeindruckt. „Das Ambiente selbst, aber auch die Ausstellung und Ausstellungsobjekte sind einfach atemberaubend.“

Besonders gefreut hat sich der Bürgermeister übrigens über eine kleine Führung hinter die Kulissen. Neben der Werkstatt der Mineralogisch-Petrographischen Abteilung wurde er auch durch verschiedene Labore geführt und spricht von einem unbeschreiblichen Zusammenspiel von Tradition und moderner Wissenschaft. Außerdem sei die Gemeinde für die Aufgeschlossenheit und die tolle Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums sehr dankbar.

Zu sehen ist der Meteorit übrigens in der Gemeindebibliothek im Theodor-Neubauer-Park in Bad Tabarz.

Öffnungszeiten:
Montag 9:30 bis 12 Uhr und 13 bis 15 Uhr
Dienstag 9:30 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr
Donnerstag 9:30 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr
Freitag von 9:30 bis 14 Uhr

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