Luisenthal: Die Herzer Wand wird bald blank

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Die Herzer Wand am Steinigen Berg in Luisenthal. Foto: Rainer Aschenbrenner

Luisenthal (red/ra, 24. Juni). Sven Bock ist seit 28 Jahren Revierförster im Stadtwald Ohrdruf. Da hat er schon manches erlebt, keine Frage. Aber was er dieser Tage bei einem Vor-Ort-Termin zu berichten hatte, das machte ihm sichtlich zu schaffen: Schließlich ging es darum, dass 4,5 Hektar Fläche mehr oder minder komplett abgeholzt werden müssen, rund 800 bis 1.000 Festmeter werden es werden.

Obendrein passiert das an exponierter Stelle, direkt am nördlichen Ortseingang von Luisenthal. Da reckt sich rechter Hand der Steinige Berg in die Höhe.

Fährt man auf der B 247 an dessen Ostflanke entlang, so sieht man vor lauter Grün das Grauen dahinter nicht. Doch schon vom Parkplatz neben der „Libelle“ ist der kapitale Schaden zu sehen, stehen wie eine graubraune Klagemauer Fichten Spalier, denen das Lebenslicht ausgehaucht wurde.

Nicht allein der Borkenkäfer war’s allerdings – auch wenn der den rund 130 Jahre alten Bäumen den Garaus machte. Wie drei Jahre zu wenig Regen und zu viel Sonne Hundertjährige in die Knie zwingen, lässt sich in Luisenthal betrachten.

Drei Jahre hatte aber Sven Bock auch mit allen, ihm zu Gebote stehenden Mitteln gegen das stumme Sterben der Baumriesen gekämpft.

Doch als am 4. Mai die Bäume einem heftigen Sturm nicht mehr die Stirn bieten konnten, sich dessen brachialer Wucht beugen mussten und gefährlich nahe zur Bundesstraße in die Knie gingen, war klar: Hier musste schnell – und leider auch radikal – gehandelt werden.

Weil sich das Schadensfeld auf rund 500 m an der Bundesstraße entlangzieht, wird die Ende Juni, Anfang Juli mindestens 14 Tage voll gesperrt werden. Derzeit ist aber noch geplant, dass von 18 Uhr abends bis 8 Uhr morgens die Straße befahrbar sein soll. Tagsüber wird der Pkw-Verkehr innerorts über die Lindenallee und die Ernst-Thälmann-Straße umgeleitet. Brummis indes müssen einen längeren Umweg via Crawinkel im Kauf nehmen.

Die Vollsperrung ist unerlässlich, weil schon auf halber Höhe der „Herzer Wand“ Bäume gefällt werden müssen, die schon so alt und hochgewachsen sind, dass sie im ungünstigsten Falle auf die Straße stürzen könnten.

Sicherheit geht aber vor – nicht nur für den Straßenverkehr, sondern auch dann, wenn die Forstmaschinen zum Einsatz kommen. Das sind spezielle „Harvester“, wie die Baum-Ernter im Forst-Deutsch heißen. Sie können selbst in der unteren und dennoch sehr extremen Hanglage eingesetzt werden.

Weiter oben dann kann nur manuell und per Kettensäge gearbeitet werden. Mit Ketten und Seilwinden werden die schon umgestürzten Bäume und jene, die gefällt werden müssen, dann nach oben gezogen. Auch ein Grund, warum eine Spezialfirma zum Einsatz kommen muss.

Nicht nur Bock bricht’s fast das Herz, wenn er an die kommenden Wochen denkt. Auch Ohrdrufs Bürgermeister Stefan Schambach und Luisenthals Bürgermeister Günter Jobst (Foto, v. l.) haben wiederholt bedauert, dass nun eine solch radikale Kur folgen muss.

Schließlich werden nicht nur die morbiden Fichten fallen. Auch Laubbäume müssen gefällt werden. Viele von ihnen haben sich an diesem Südost-Hang den vorherrschenden Winden gebeugt und neigten mit den Jahren ihre Kronen immer weiter in Richtung Straße. Zwar sind sie noch nicht ganz aus dem Gleichgewicht, aber niemand will es darauf ankommen lassen.  Sie kommen aber nicht ins Sägewerk, sondern bleiben vor Ort.

Einerseits verhindern sie mögliche Bodenerosion auf der dann kahlen Fläche. Andererseits vollenden sie den natürlichen Kreislauf und werden von Mikroorganismen, Pilzen, Käfern etc. mit der Zeit zersetzt, geben Muttern Erde das zurück, was sie einst ihr entzogen und reichern den Boden mit Nährstoffen an.

Und nicht zuletzt bleibt so das, was Forstleute „Naturverjüngung“ nennen, unversehrt. Vom Winde verwehte, von Vögeln oder anderem Getier verteilte Samen verschiedenster Baumarten haben gerade im unteren Bereich der Herzer Wand gewurzelt und stecken keck ihr Grün aus dem mageren, steinigen Boden. Würde man nun für ein paar Euro mehr an Holzertrag die Stämme herausholen, wäre dieser natürliche Baumkindergarten dem Untergang geweiht. Also lässt man‘s lieber…

Sechs Jahre hat die Stadt Ohrdruf als Eigner der Fläche Zeit fürs Wiederaufforsten. Nach derzeitigem Stand sollen dafür Pflanz-Profis zum Einsatz kommen: Die Ausfallquote der Setzlinge, die solch Baum-Geburtshelfer verpflanzen, sei deutlich geringer als bei engagierten Waldliebhabern und Laien, argumentiert Revierförster Bock. Eichen, verschiedene Tannen, Douglasien und Linden sollen dann den Steinigen Berg wieder ergrünen lassen.

Bis es aber wieder heißen kann „Der Wald steht schwarz und schweiget…“, wird viel Wasser die Ohra herunterlaufen, gehen zwei Generationen Mensch ihrer Wege. Denn eines ist klar: Was wir heute im Wald beginnen, das werden erst unsere Urenkel beurteilen können, ob wir dabei die rechte Wahl getroffen haben…

 

Fliesenstudio Arnold

2 KOMMENTARE

  1. Sehr geehrte Damen und Herren , so einen Unsinn und so eine falsche Entscheidung habe ich schon lange nicht miterlebt . Warum sollen die ganzen Laubgehölze dir schon 70 Jahre dastehen mit gefällt werden Dieser Revierförster Bock ist ein schlechter Förster er hat noch nie was richtig gemacht. Ich bitte Sie und sehen sich mal das Revier an . Er ist ja nicht mal in der Lage es ein bisschen in Ordnung zu halten das einzige was er machen kann die Jäger aufzuteilen. Ich werte alles machen um so einen Unsinn zu dokumentieren und jeden verantwortlich machen der so eine Entscheidung trifft. Wenn Sie Angst haben das der Schutz nicht gewährleistet wird gibt es auch andere Möglichkeiten. Das gibt es nur im Osten so einem Blödsinn durchzuführen . Außerdem stehen Tannen mit auf dem Hang die garnicht vom Borgenkäfer gefährdet sind . Ich werde das Fernsehen informieren damit sie solche Entscheidungen dokumentieren und dafür sorgen wie unfähig die Verantwortlichen sind um nur Geld einzusparen. Wenn Ohrdruf so unfähig ist dann sollten sie sich mal richtig um den Stadtwald kümmern.

    • Moin, hier schreiben Journalisten, keine Forst-Spezies. Falls Sie aus der Branche sind, so lassen wir uns gern belehren und weiterbilden.
      Nach unserer Wahrnehmung schien die Begründung, die Bock und Dr. Gerhard Struck, der Leiter es Forstamtes in Finsterbergen, darboten, schlüssig: Es geht schließlich darum, dass die abgestorbenen wie die sterbenden Bäume eine Gefahr für den Verkehr auf der B 247 darstellen, werden sie Opfer von Sturm oder Sturzflut in dieser Hanglage.
      Dieses Argument finden wir nun wirklich nicht an den Haaren herbeigezogen…

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