NABU Thüringen: „Bibermanagement in Thüringen“ startet in neue Projektlaufzeit

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Biber-Spezialist Marcus Orlamünder. Foto: NABU Thüringen

Jena/Gotha (red/NABU, 28. Januar). Zum Start der neuen Laufzeit des Projektes „Bibermanagement in Thüringen“ beim NABU rufen die Naturschützer dazu auf, vom Biber gefällte Bäume am Flussufer möglichst liegen zu lassen. „In den Wintermonaten sind Biberspuren besonders auffällig, denn um an Nahrung zu gelangen, fällen die Tiere Bäume. Wichtig ist es, diese Bäume in Ufernähe liegen zu lassen oder wenn sie stören sie nur etwas beiseite zu rücken“, erklärt Marcus Orlamünder, der das Projekt für den NABU koordiniert.

„Werden die Bäume weggeräumt oder die Kronen gehäckselt, hat der Biber auf einen Schlag deutlich weniger zu fressen und fällt den nächsten Baum. Denn in den Herbst und Wintermonaten ernährt sich der Nager von zarten Zweigen, Knospen und Rinde. In Frühling und Sommer stellt er seine Ernährung wieder auf krautige Pflanzen, wie zum Beispiel Brennnesseln, Giersch, Schilf, Rohrkolben, Seerose und verschiedene Gräser um. Es sind über 350 krautige Pflanzen dokumentiert, welche Biber in dieser Zeit fressen. Wertvolle Gehölze oder Obstbäume, die der Biber nicht abnagen soll, kann man mit Drahtummantelungen oder einem speziellen Anstrichmittel schützen.“

Dank einer erneuten Förderung und Unterstützung durch das Thüringer Umweltministerium und mit Mitteln der Europäischen Union kann der NABU Thüringen die Beratungsarbeit und Konfliktprävention zum Thema Biber von 2020 bis 2022 weiterführen.

Damit der Biber in Thüringen langfristig eine Chance hat, hat der Verband schon im Jahr 2007 sein erstes Projekt zum Biber beantragt und führt dieses mit großen Engagement durch.

Seit dieser Zeit berät der NABU Thüringen unter anderem Landnutzer, Gemeinden, Verbände, Planer, Gartenbesitzer und Mühlenbetreiber, die Berührungspunkte mit dem Biber haben, tauscht sich mit Behörden aus, führt vorbeugende Maßnahmen bei zu erwartenden Biberschäden durch und bildet seit 2017 sogar Biberberater*innen aus, die ehrenamtlich die Arbeit vor Ort unterstützen und teilweise in den NABU-Gruppen und regionalen Initiativen organisiert sind. „Die Aufgaben, die das Projekt abverlangt, haben in den letzten Jahren stetig zugenommen, denn die natürliche Ausbreitung des Bibers im Freistaat nimmt zu. Jungbiber wandern zunehmend in kleinere Gewässer und gründen dort neue Reviere. Unsere Biberberater*innen helfen uns bei der Arbeit vor Ort und wir können so einen großen Teil der Anfragen zeitnah bearbeiten“, sagt Marcus Orlamünder.

Mittlerweile hat der NABU in Thüringen im Rahmen des Projektes über 70 Biberberater*innen ausgebildet und übernimmt die Koordination und Betreuung der Ehrenamtlichen.

Zusatzinformation:
Der Biber zählt zu den europarechtlich streng geschützten Tierarten (Anhang II, IV der FFH-Richtlinie). Neben dem Schutz seiner Lebensräume ist es verboten, den Biber zu fangen, zu töten, zu stören oder seine Baue und Dämme zu beschädigen. Ausnahmen sind unter Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde im Einzelfall möglich. Der Biber gestaltet Gewässer und deren Auen, erhöht die Artenvielfalt, trägt zur Gewässerreinigung und zum Hochwasserschutz bei. Biber sind reine Pflanzenfresser. Um an seine Nahrung zu gelangen, fällt er insbesondere in den Wintermonaten auch Bäume. Unbeliebt macht sich der Biber manchmal dort, wo Siedlungen und Gärten nah an Gewässer heranreichen. Möglichen Konflikten mit Bibern kann man jedoch häufig mit einfachen Maßnahmen vorbeugen. Der NABU Thüringen unterstützt beispielsweise bei Zäunungs-, Schutz-, und Abwehrmaßnahmen und bei deren Umsetzung. Zudem werden im Rahmen des Projektes weitere Biberberater*innen ausgebildet sowie für deren Betreuung und Vernetzung gesorgt. Projektinhalt sind zudem praktische Maßnahmen zur Nahrungs- und Habitatverbesserung für den Biber und eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit, unter anderem mit Informationsveranstaltungen und Exkursionen. Weiter Informationen und Kontakt: www.NABU-Thueringen.de, Tel.: 03641/605704

 

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