NABU Thüringen: Waldzustandsbericht zeigt drastische Waldschäden im Freistaat

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Sonnenuntergang im Wald. Foto: NABU/CEWE/Sebastian Bauer

Jena/Gotha (1. März). Der aktuelle Waldzustandsbericht der Bundesregierung zeige ein drastisches Bild der Waldsituation auch für Thüringen, sagt Dr. Siegfried Klaus, Sprecher der Landesarbeitsgruppe Wald des NABU Thüringen.

Beim Anteil der Schadstufen im Wald liegt der Freistaat mit 55 % an der traurigen Spitze vor allen anderen Bundesländern. Bei fast allen Baumarten hat sich im Vergleich zum Vorjahr der Schadanteil gemessen an der Kronenverlichtung verschlechtert.

„Das ist traurig. Allerdings sind Klimakrise mit Hitze und Trockenheit nicht die einzigen Faktoren, die zu dieser Situation geführt haben. Vielmehr braucht es jetzt dringend ein Umdenken in der Forstwirtschaft. Jahrzehntelang lag der Fokus bei der Waldbewirtschaftung – nicht zuletzt durch den Druck der Politik – auf Maximierung der forstlichen Gewinne. Die längst geforderte Umwandlung der von Fichten und Kiefern geprägten Monokulturen kam nur schleppend voran. Diese sind besonders anfällig gegen den Klimawandel “, beschreibt Klaus die Situation.

Umwelt- und Naturschutzverbände warnen schon sehr lange vor den Folgen dieses Raubbaus an der Natur. Doch bisher würden kritische Stimmen meist negiert. „Wir wissen doch, wie es geht“, sei der Slogan, der dabei oft benutzt werde. Die Stimmen kritischer Bürger in Sorge um die Zukunft des öffentlichen Waldes würden ungehört verhallen. „Das muss sich ändern!“, fordert der NABU-Aktivist.

Doch selbst in der aktuellen Situation, in der die Probleme der Vergangenheit bekannt sein dürften, werde weiter auf naturschädigende Bewirtschaftungsmethoden in der Forstwirtschaft gesetzt. Mit großem finanziellen Aufwand werde schnellstmöglich Schadholz mit bodenzerstörender Schwertechnik geräumt und umgehend unter anderem mit vermeintlich „klimastabilen“, teils exotischen Baumarten plantagenartig neu gepflanzt.

Durch den Einsatz von schweren Maschinen werde der Wasserhaushalt empfindlich gestört. Der Waldboden mit allem Bodenleben würde über Jahre verdichtet, und Bäume reagierten anfälliger auf starke Trockenereignisse.

Dirk Hofmann, der stellvertretende Landesvorsitzende des NABU Thüringen, sagt: „Soll der Wald der Zukunft dem Klimawandel trotzen, müssen wir uns die Zeit nehmen und auf bodenschonende Naturverjüngung über Sukzession mit allen heimischen Baumarten inklusive der Pioniergehölze setzen. Ansonsten steht die nächste Generation vor dem gleichen Problem wie heute. Dies ist auch aus wirtschaftlicher Sicht keine nachhaltige Perspektive.“ Angesichts des Zustandes der Wälder sei eine neue Waldstrategie dringend erforderlich. Holznutzung muss der Ökologie des Waldes untergeordnet werden. Holzproduktion ja, aber im Einklang mit Klima, Bodenleben und Wasser. Die Gemeinwohlleistungen des Waldes: Luftreinhaltung, der Erhalt der Biodiversität, Wasserhaushalt und Erholungswert müssen von der Gesellschaft als wesentliche Produkte unserer Wälder gewürdigt werden.

Ein Autorenkollektiv aus 36 bundesweit agierenden Waldexpertinnen und -experten, darunter anerkannte Ökologen und Forstleute, hätten sich dieser Thematik angenommen und im Buch „Der Holzweg –Wald im Widerstreit der Interessen“, zukunftsfähige Wege formuliert. „Das Buch ist ein Weckruf an Politik, Gesellschaft und Forstwirtschaft und zeigt Möglichkeiten auf, wie wir aus Fehlern der Vergangenheit lernen und einen klimastabilen Wald der Zukunft schaffen können. Wichtig ist der Wille dazu“, sagt Dr. Siegfried Klaus.

PDF des Waldzustandsberichts der Bundesregierung

 

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