Gedenken an ermordete Täufer in Reinhardsbrunn

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Stele zum Gedenken an hingerichtete Täufer. Foto Christfried Boelter

Gotha/Reinhardsbrunn (red, 14. Januar). Das traditionelle Gedenken an sechs hingerichtete Täuferinnen und Täufer in Reinhardsbrunn bei Friedrichroda findet am 18. Januar statt.

Ab 12 Uhr ist zu einem Pilgerweg zur Richtstätte am Igelsee eingeladen. Um 14 Uhr folgt das Gedenken an einer Stele im Klosterpark. Um 19.30 Uhr beginnt online das Reinhardsbrunner Gespräch zum Thema „Gewaltlos leben!“.

Anmeldung: Kirche und Tourismus Reinhardsbrunn, Tel. 093623-303085 oder Kirche-und-Tourismus@t-online.de. Der Zoom-Link ist unter www.erlebniswelt-reinhardsbrunn.de zu finden. Die Veranstaltung ist ein Beitrag zum Themenjahr 2023 „Gewagt! Gewaltlos leben. Friedenskirche – Widerstand – Versöhnung“.

Das Reinhardsbrunner Gespräch startet Andrea Lange, mennonitische Theologin und Supervisorin aus Mainz, mit einem Impulsreferat zu den Friedenspositionen der Kirchen und deren Herausforderung durch den Krieg in der Ukraine. Das Gespräch wird geleitet von Kirchenrätin Charlotte Weber, Referatsleiterin Ökumene im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Aus der Ankündigung: „In der Bergpredigt verdeutlicht Jesus das Tötungsverbot in Richtung Feindesliebe. Die in Reinhardsbrunn hingerichteten Täufer lassen die Frage nach der Legitimität des Tötens in staatlichem Auftrag stellen. Für Luther und Melanchthon war die Mitwirkung von Christen an der Schwertgewalt des Staates erlaubt, ja notwendig. Für viele Täufer war Gewalt nicht mit der Nachfolge Jesu vereinbar. Die evangelischen Kirchen der DDR waren in den 1980er Jahren mit ihren Friedensgebeten wesentliche Impulsgeber für die gewaltfreie Revolution 1989. Seit dem Ukrainekrieg läuft auch in den Kirchen wieder eine kontroverse Debatte“.

Am 18. Januar 1530 wurden vier Täuferinnen und zwei Täufer in Reinhardsbrunn hingerichtet. Die Erinnerung daran wurde im Rahmen der lutherisch-mennonitischen Versöhnung 2010 in Stuttgart geweckt. 2013 eröffnete die EKM gemeinsam mit dem Freistaat Thüringen das Themenjahr „Reformation und Toleranz“ im Gedenken daran. Dabei wurde im Klosterpark Reinhardsbrunn eine Stele mit den Namen der Hingerichteten enthüllt. Seitdem führt der Jahrestag der Hinrichtung zum ökumenischen Gedenken und Gespräch zusammen. Die von Mennoniten, Baptisten und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen getragene Aktion „Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung“ bereitet das Jubiläumsjahr 2025 mit fünf Themenjahren von 2020 bis 2025 vor.

Die Ausstellung „Die Täufer in den Widersprüchen der Zeit“ informiert seit 2015 im „Informationszentrum Spiritueller Tourismus Reinhardsbrunn“ über die Täuferbewegung und deren Verfolgung, aber auch das heute versöhnte Miteinander. Das Zentrum fördert Pilgerwege, darunter den Versöhnungsweg zwischen Zella-Mehlis und Reinhardsbrunn. Träger des Zentrums ist der Verein „Kirche und Tourismus“.

Hintergrund:
Die Täuferbewegung ist eine reformatorische Bewegung, die parallel zur Reformation von Martin Luther und Huldrych Zwinglis entstand. Die weit verbreitete Kritik an der Kindertaufe setzte ein Kreis früherer Schüler Zwinglis in die Praxis um. So kam es in Zürich Ende Januar 1525 zur ersten Glaubenstaufe an Erwachsenen. Die Bewegung fand auch in reformatorischen Kreisen Thüringens Anhänger. Sie traten für eine geschwisterliche Kirche ohne Hierarchie und Klerus ein und wurden von katholischer wie protestantischer Seite verfolgt. Aus der Täuferbewegung entstanden die Mennoniten, die wegen ihres Einsatzes für Gewaltfreiheit zu den historischen Friedenskirchen gezählt werden. Erst im 20. und 21. Jahrhundert kam es zu Dialogen, Versöhnung und ökumenischer Gemeinschaft.

Weitere Informationen im Internet:

www.taeuferbewegung2025.de / www.täuferausstellung.de

Bei Rückfragen: KR Charlotte Weber, 0361 51800331

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