GOTHAER VORTRÄGE ZUR BILDUNGSGESCHICHTE

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Die Forschungsbibliothek und das Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt laden am Mittwoch, 1. Juli, zum Vortrag „Historische Bildungsforschung und die Alchemie der Curricula“ von Professor Dr. Daniel Tröhler (Universität Luxembourg) ein. Die Veranstaltung beginnt um 18.15 Uhr im Herzog-Ernst-Kabinett der Forschungsbibliothek und bildet den Auftakt der neuen internationalen Reihe „Gothaer Vorträge zur Bildungsgeschichte“ der Frühen Neuzeit“, die gemeinsam von Forschungsbibliothek und Forschungszentrum organisiert wird.
Die Vortragsreihe ist Teil des bis 2017 vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft geförderten Projekts „Bildungslandschaft und Wissenskultur. Sammlungsbezogene Forschung zur frühneuzeitlichen Bildungsgeschichte des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg“, mit dem beide Institutionen eine langfristige Profilbildung auf dem Gebiet der frühneuzeitlichen Bildungsgeschichte anstreben. Die mit zwei Vorträgen pro Jahr geplante Reihe wird international bekannte Bildungshistoriker nach Gotha bringen, die Einblicke in ihre laufenden Forschungen geben und zugleich Perspektiven der bildungsgeschichtlichen Diskussion aufzeigen werden.
Der Vortrag von Prof. Tröhler stellt eine neue epochenübergreifende Sicht auf ein vermeintlich altbekanntes bildungsgeschichtliches Thema vor – der Genese und sozialen Funktion schulischer Curricula, d.h. der Organisation von Wissensbeständen und ihrer Vermittlung. Spätestens mit dem Ausbau des modernen Schulwesens im 19. Jahrhundert wurde das Ziel verfolgt, die Einwohner der neuen Nationalstaaten auf die Nation und die dort dominanten Vorstellungen sozialer und politischer Ordnung zu verpflichten. Die Curricula erwiesen sich dabei als Mittel, Kinder zu Bürgern der jeweiligen Nationalstaaten zu erziehen. Im Rahmen des Vortrags wird das Konzept des Curriculums als zentrale Kategorie historischer Bildungsforschung vorgestellt. Es werden die Chancen ausgelotet, die bisher getrennten Bereiche von Ideen- und Institutionengeschichte stärker aufeinander zu beziehen und auch für die frühe Neuzeit fruchtbar zu machen.
Daniel Tröhler ist einer der profiliertesten Bildungshistoriker des deutschsprachigen Raumes. Er lehrt seit 2008 Educational Sciences an der Universität Luxembourg und leitete zuvor das Institut für historische Bildungsforschung Pestalozzianum an der Pädagogischen Hochschule Zürich. 2012 erhielt Daniel Tröhler als einer der ersten Professoren aus Europa den Outstanding Book Award in Curriculum History, der von der American Educational Research Association (AERA) verliehen wird. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte der Bildungssysteme im internationalen Vergleich, Erziehungsdiskurs und Bildungsreform im 18. und 19. Jahrhundert sowie die Methoden der historischen Bildungsforschung und bildungsgeschichtlichen Editionspraxis. Er ist Co-Leiter des vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Projekts „Die Stapfer-Enquête. Edition der Helvetischen Schulumfrage von 1799“ und Herausgeber der Zeitschrift „Bildungsgeschichte / International Journal for the Historiography of Education“.
Die Vortragsreihe findet mit Unterstützung des Freundeskreises der Forschungsbibliothek Gotha e.V. statt.
H&H Makler