Verehrt und vergessen. Zum 200. Geburtstag des Schriftstellers Gustav Freytag

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Im 19. Jahrhundert war er das, was man heute einen Bestseller-Autor nennt: Gustav Freytag. Heute kennt diesen Schriftsteller, dessen Geburtstag sich am 13. Juli zum 200. Mal jährt, kaum noch jemand. „Verehrt und Vergessen“ heißt deshalb auch die neue Sonderausstellung des Historischen Museums auf Schloss Friedenstein. Sie rückt nicht nur Freytags Werke in den Vordergrund, sondern beleuchtet auch die verschiedenen Lebensstationen des Autors. Am Samstag, 9. Juli, 14 Uhr, wird die Ausstellung im Spiegelsaal der Forschungsbibliothek Gotha eröffnet. Prof. Dr. Hans-Werner Hahn (Asslar-Berghausen) hält in diesem Rahmen den Vortrag „Zwischen Literatur und Politik – Gustav Freytag und die bürgerliche Welt des 19. Jahrhunderts“. Interessierte sind herzlich eingeladen.

 

Freytag gehört zu den bedeutendsten Autoren des bürgerlichen Realismus. Seine Werke trafen den Geschmack und das Bedürfnis seiner Zeitgenossen. Er wurde zum Liebling der damaligen Leserwelt. Als Romancier, Dichter, Dramatiker, Publizist und Kulturhistoriker schrieb er sich ins Augenmerk der Öffentlichkeit.

 

Die Ausstellung „Verehrt und vergessen – Zum 200. Geburtstag des Schriftstellers Gustav Freytag (1816 – 1895)“ rückt einen Schriftsteller wieder in den Fokus, der auch eng mit seiner Wahlheimat Siebleben verbunden ist. Dort schuf er seine berühmten Romane „Soll und Haben“, „Die Ahnen“ oder „Bilder aus deutscher Vergangenheit“, die noch zu seinen Lebzeiten beachtliche Auflagen erreichten. Diese Werke wurden bis in die 1920er Jahre hinein immer wieder neu verlegt. Sein Theaterstück „Die Journalisten“ wurde mit Erfolg auf den Bühnen der renommierten deutschen Theaterhäuser gefeiert.

 

Auch Freytag als Bürger spielte in den Diskursen des zeitgenössischen Liberalismus und der deutschen Nationalstaatsbildung eine wichtige Rolle. Unermüdlich verbreitete er mithilfe seiner zahlreichen publizistischen Beiträge nationalliberale Ideen. Eifrig warb er dabei für den Zusammenschluss aller liberalen Kräfte, für die deutsche Einheit unter Preußens Führung und die konstitutionelle Monarchie.

 

Seine Bücher wurden in über 20 Sprachen übersetzt, an deutschen Gymnasien gehörte der Autor zum Curriculum. Freytags Werke waren bis in die Zeit der Weimarer Republik populär. Heute ist er umstritten: Die antisemitischen und antislawischen Tendenzen in einzelnen Romanen machten Freytags literarisches Erbe anfällig für die Instrumentalisierung im Sinne des Nationalsozialismus.

 

Die Sonderausstellung beleuchtet aus geschichts- und literaturwissenschaftlicher Perspektive das Leben und schriftstellerische Schaffen Freytags. Literarische Werke, Manuskripte, Gemälde, Fotos und persönliche Gegenstände des Schriftstellers dokumentieren seine literarischen und persönlichen Höhepunkte sowie zeitgenössische Reflexionen. Die Exponate stammen aus den Beständen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, der Forschungsbibliothek Gotha, der Klassik Stiftung Weimar und der Gustav-Freytag-Gedenkstätte in Siebleben sowie der Archive der Städte Gotha und Wangen. Die Ausstelllung läuft ab dem 10. Juli bis zum 25. September 2016.

 

 

Weitere Infos zur Ausstellung:

 

Bitte beachten: Am Samstag, 9. Juli, ist das Schloss erst ab 13 Uhr geöffnet und nur über das Nordportal (von der Stadtseite her) zugänglich.

 

Eintritt

5 Euro (ermäßigt 2,50 Euro)

 

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag: 10 – 18 Uhr (ab 29. August bis 17 Uhr geöffnet),

montags geschlossen, an Feiertagen geöffnet.

 

Führungen durch die Sonderausstellung:

Sonntag, 31. Juli 2016, 15 Uhr

Sonntag, 25. September 2016, 15 Uhr

 

Historisches Museum Gotha

Schloss Friedenstein, 99867 Gotha

Telefon (03621) 8234-0

service@stiftung-friedenstein.de

www.stiftung-friedenstein.de

 

(Beitragsbild: Anton Weber, Gemälde von Gustav Freytag, 1890)

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