Das Fundament der heimischen Wälder – Der Waldboden wurde „Boden des Jahres 2024”

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Typisch: Waldböden (hier ein Podsol) sind oft ärmere Böden, die für die landwirtschaftliche Nutzung zu ertragsschwach sind. Bild: ThüringenForst-AöR

Wie steht es um diese Bodenart in Thüringen? Ein Überblick des ThüringenForstes

Ein naheliegender Schritt ist es: War der „Boden des Jahres 2023” der Ackerboden, ist der „Boden des Jahres 2024” nun der Waldboden. Beide Böden unterscheiden sich eklatant: Waldböden werden im Gegensatz zu Ackerböden nahezu nie bearbeitet und nicht flächig befahren. Darum sind sie in ihrer Substanz und ihrem Aufbau weitgehend natürlich – sozusagen „wie gewachsen“. Ursache für diese Unberührtheit ist die naturnahe und nachhaltige forstwirtschaftliche Bodennutzung. Denn die Thüringer Waldbesitzenden und Forstleute wissen um die Vorteile intakter Waldböden für die auf ihnen gedeihenden Wälder. Genauso kennen sie die Gefahren, denen Waldböden heute noch ausgesetzt sind.

Thüringer Waldböden sind Naturböden
Charakteristisch für Waldböden ist die natürliche, lageweise Schichtung von Bodenhorizonten. Maßgeblich für die Art des Waldbodens ist das Ausgangsgestein und dessen nacheiszeitliche Verwitterung im Laufe der letzten 12.000 Jahre. Und wer denkt, Waldboden sei einfach nur Erde und Gestein, der irrt: „Eine Handvoll Waldboden birgt Millionen Lebewesen, wovon Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Algen den Großteil ausmachen, der Regenwurm hingegen das „sichtbarste“ Bodenlebewesen ist“, erläutert Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand.

Thüringer Waldböden sind vielfältig
Gerade in Thüringen mit seinen unterschiedlichsten geologischen Bedingungen und klimatischen Verhältnissen von der Tiefebene bis zum Mittelgebirge gibt es zahlreiche Waldbodentypen. Sandige, schwach nährstoffversorgte Waldstandorte in Ostthüringen, lehmige und kalkhaltige Böden in Hügelland bis hin zu den steinigen, kaum verwitterten Ausgangsgesteins wie Granit-, Porphyr- oder tonschiefergeprägten Böden des Thüringer Waldes und des Ostthüringer Schiefergebirges. Hieraus haben sich häufig Bodentypen wie nährstoffarme Podsole, leistungsfähige Braunerden, kalkreiche Rendzinen oder stauwassergeprägte Pseudogleye unter den heimischen Wäldern entwickelt. In den meisten Fällen eher nährstoffärmere oder schwer bewirtschaftbare Böden, die für eine landwirtschaftliche Nutzung zu karg waren und noch sind. Auch deshalb finden sich auf den fruchtbaren und ertragreichen Lößböden Mittelthüringens kaum Wald.

Waldböden sind ständig in natürlicher „Bewegung”
Die oberste Waldbodenschicht, auf der wir nur zu gerne laufen, ist eine Streuschicht aus Laub, Nadeln, Knospenschuppen, Holz- und Rindenteilen, Blüten oder Früchten. Heerscharen von Lebewesen zerkleinern jahreszeitenabhängig dieses Material, fressen es und scheiden humusartige Substanzen wieder aus oder bauen es komplett ab. Unter der obersten Streuschicht entsteht so eine Humusschicht, beide oft Zentimeter stark. Erst dann beginnt der eigentliche Mineralboden. Dieser kann von wenigen Dezimetern bis mehrere Meter stark sein und wird nochmals in Unterhorizonte aufgeteilt. Im oberen Teil dieser Mineralbodenschicht befinden sich die meisten Feinwurzeln der Bäume. Darunter ist der Hauptwurzelraum der Bäume. Hier versorgen sich die Gehölze mit Wasser und Mineralien und verankern sich fest im Boden. Die tiefste Bodenschicht ist das nur schwach verwitterte Ausgangsgestein, für Bäume kaum zu durchwurzeln. In allen diesen Bodenschichten befinden sich Wasser, Luft und Lebewesen und sorgen für eine stete Neubildung der Bodenschichten. So wächst der Boden kontinuierlich – etwa ein Zentimeter pro 100 Jahre.
Forstwissenschaftler der ThüringenForst-AöR kontrollieren mit einem Netz aus 100 Beobachtungspunkten und an Waldmessstationen die Situation der Waldböden im Freistaat. So lassen sich kritische Bodenveränderungen, etwa der überdurchschnittliche Stickstoffeintrag in Waldböden aus Verkehr, Industrie oder Landwirtschaft, frühzeitig erfassen und ggf. korrigieren. „Im Rahmen der naturnahen, nachhaltigen Forstwirtschaft wird den heimischen Waldböden durch Waldbesitzende und Forstleute große Aufmerksamkeit geschenkt. So wird durch Anlage eines permanenten Rückegassennetzes die Befahrung von Waldböden weitgehend eingeschränkt und damit eine schädliche Bodenverdichtung minimiert“, so Gebhardt abschließend.

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