Der Thüringer Wald auf Stippvisite in North Carolina

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Impression vom Aufbau © Beate Aé-Karguth, Museumslöwen Gotha e.V.

In Deutschland hat der Thüringer Wald etwa 40 Millionen Jahre gebraucht, um zu entstehen. In den USA ist man da etwas schneller: Innerhalb von gerade mal vier Wochen manifestiert sich dort ein Falkenstein-Kletterfelsen, Stinkmorcheln und Pfifferlinge schießen aus dem Boden und Fadenmolche, Gartenschläfer und Rotmilane siedeln sich an. Sogar ein Rotkäppchen hockt dort in historischer, thüringischer Tracht inmitten von Geweihen und Wildtierpelzen und macht auf die Rückkehr der Wölfe aufmerksam.

All das klingt schwer nach Märchen, ist aber Wirklichkeit: In Gastonia, der Gothaer Partnerstadt im US-Bundesstaat North Carolina, ist Beate Aé-Karguth mit einem Team des Schiele-Museums dabei, die Ausstellung „Gotha and the Thuringian Forest“ aufzubauen. „Eine absolut bereichernde Erfahrung, hier eine Ausstellung aufzubauen!“, sagt die Museumslöwin begeistert, „Vieles ist ähnlich wie zu Hause, insgesamt arbeiten alle sehr intensiv. Meine beiden Mitstreiter beim Aufstellungsaufbau Hubie und Michael vom Schiele Museum sind wahre Künstler und setzen unsere Ideen perfekt um!“

Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Gotha, der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und der Museumslöwen e.V. (Gemeinschaft zur Förderung des Museums der Natur Gotha), die auch die Federführung übernommen haben.
Die Schau wird am Samstag, 9. September (9 Uhr), eröffnet werden. Mit von der Partie ist dann auch Ronald Bellstedt, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, der gemeinsam mit dem zoologischen Präparator Peter Mildner von Seiten der Stiftung zum Gelingen der Ausstellung beigetragen hat.

Während der Großteil der Gothaer Delegation Ende dieser Woche anreist, um an der Ausstellungseröffnung teilzunehmen, weist Aé-Karguth den Exponaten ihre endgültigen Plätze zu. Der Ableger des Thüringer Waldes Form in Gastonia nimmt Form an: Die Monitore, die den Besucher mit Gothaer Festen und Thüringer Natur vertraut machen sollen, sind angeschlossen und auch die Banner hängen inzwischen in der Ausstellungshalle des Schiele-Museums. Präparate wurden tiefgefroren und wieder aufgetaut, damit keine schädlichen Insekten in die Sammlungen des amerikanischen Naturkundemuseums gelangen. US-Kiefernadeln wurden mit der Schere auf europäische Länge gestutzt und ein Brei aus Erde angesetzt, auf dem später Kreuzotter und Blindschleiche herumkriechen sollen. Sie wurden extra von der Coburger Firma Somso angefertigt, die sich auf zoologische und botanische Modelle spezialisiert hat.

Der Weg hierher aber war weit: Ein Finanzierungskonzept musste aufgestellt, 47.000 Euro aufgetrieben werden. Dank der Unterstützung der Stadt Gotha, der Museumslöwen, des Landes Thüringen sowie des amerikanischen Generalkonsulats in Leipzig und vielen, vielen privaten Spendern konnte die Schau letztlich finanziert werden. Zollformalitäten mussten überwunden werden, was gar nicht so leicht war, da unter den Exponaten auch Präparate von vier extrem geschützten Vögeln sind. Auch für den mitteleuropäischen Waldgänger recht vertraute Arten wie Amsel und Buchfink werden gezeigt – Vögel aber, die in Nordamerika nicht heimisch sind.

Ähnlich wird es 2018 der Gegenseite gehen: Dann wird sich eine Delegation aus Gastonia mit Exponaten und Themen auf die Reise machen, die für sie normal, für uns aber exotisch sind: „Gastonia and the North Carolina Piedmont“ wird die Ausstellung heißen, die ab dem 3. Mai 2018 im Kunstforum Gotha gezeigt wird und den Indianern der Region Gastonia/Charlotte sowie den ersten Siedlern aus Europa und Deutschland gewidmet ist. Mit den Museumsprojekten würdigen die Städte Gotha und Gastonia ihre bald 25-jährige Partnerschaft. Jetzt aber heißt es 7.168 Kilometer weiter westlich erst einmal: Museumstore auf für Geburtshelferkröte und Co.

The Londoner - Gotha

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