Die Känguru-Verschwörung – Ein Gespräch mit Schauspieler Benno Fürmann

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Foto: X Verleih
In der Beuteltier-Kleinkunst-Komödie „Die Känguru-Verschwörung“ (Start: 25. August), bei der Bestseller-Autor Marc-Uwe Kling für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnet, müssen sich der animierte Titelheld und sein menschlicher Freund Marc-Uwe mit Leugnern der Klimakrise herumschlagen, die den Botschaften des überzeugenden Verschwörungs-Theoretikers Adam Krieger folgen. Schauspieler Benno Fürmann (50, „Babylon Berlin“) schlüpfte in die Rolle des charismatischen Verführers. Ein Gespräch.
Herr Fürmann, haben Sie schon einmal Känguru gegessen?
Ich glaube nein. Strauß habe ich schon gegessen, aber Känguru noch nie.
Gehörten Sie zum Heer der Känguru-Fans oder war dies Ihre erste Begegnung?
Das war meine erste Begegnung. Das Känguru ist mir nur am Rande über den Weg gelaufen. Man kommt ja gar nicht mehr drumherum es wahrzunehmen, weil es einfach eine so große Fangemeinde hat.
Im Mittelpunkt des neuen Filmes stehen die Klimakrise und ihre Leugner. Haben Sie schon relativ früh die Tatsache der menschgemachten Erderwärmung und ihrer Folgen akzeptiert?
Ich habe das ziemlich früh, eigentlich schon immer akzeptiert. Ich bin Jahrgang ´72, damals war der saure Regen groß in den Medien. Die Luftverschmutzung ging vonstatten. Der Katalysator wurde eingeführt. Es war klar, dass wir so nicht weitermachen können. Wir haben auch nicht so weitergemacht – es wurde alles noch viel mehr und viel krasser. Insofern ist es für mich kein neues Thema. Aber es ist brisanter geworden. Ich glaube, heute kann keiner mehr so tun, als wäre es nicht heißer geworden, als wäre es nicht trockner und als wären die Stürme nicht heftiger. Nun bekommen wir das zu spüren, was vorher theoretisch klar war und angemahnt wurde, aber noch nicht so akut im Raum stand.
Haben Sie für sich zu verstehen versucht, was Verschwörungstheoretiker antreibt?
Ja, immer wieder. Ich finde das sehr spannend. Für einen in einer Demokratie lebenden Menschen sind Zweifel auch angebracht. Man sollte nicht alles, was einem irgendjemand erzählt, für die absolute Wahrheit nehmen. Auf der anderen Seite nährt der Zweifel die absurdesten Mythen. Wenn man sich QAnon und Menschen anschaut, die wirklich glauben, dass Demokraten sich in einem internationalen Ring gegenseitig das Blut von kleinen Kindern zu trinken geben, bin ich mit meinem Latein ein bisschen am Ende. Da bin ich auch schon bei meiner Figur. Die Welt ist sehr komplex und kann einschüchternd sein. Es kann extrem herausfordernd sein, in dieser Welt nach Orientierung zu suchen. Es ist sehr leicht, durchs Raster zu fallen und sich zu verlaufen. Das Problem fängt an, wenn man vermeintliche Wahrheiten formuliert, die man nicht belegen kann und die eine Interpretation der Wahrheit sind, als Fakt verkauft. Das habe ich gerade während der Corona-Pandemie mit großem Erschrecken wahrgenommen. Menschen versuchen ihre eigene Unsicherheit und Angst damit zu beruhigen, dass sie vermeintliche Wahrheiten herausschreien, die aber keine Wahrheiten sind.
In den sozialen Medien hat jeder Mensch ein Podium. Überwiegen für Sie dabei die Vorteile oder die Nachteile?
Das kommt immer darauf an, was man daraus macht. Überwiegen die Vor- oder Nachteile der Physik? Es ist davon abhängig, wie wir die Dinge benutzen. Fakt ist, dass der Mensch zumacht, wenn er angeschrien wird. Rumschreien ist ein Akt der Hilflosigkeit. Auf der anderen Seite sind eine gewisse Grundirritation und Überforderung durchaus menschliche Regungen. Wir kommen bloß nicht weiter, wenn wir uns hinter Gräben verschanzen und uns anschreien. Das Problem mit dem Internet ist diesbezüglich, dass man sich wegklickt. Man muss überhaupt nicht argumentieren, sondern man hinterlässt einfach seinen Satz. Auf gut Deutsch: Man kotzt sich aus und klappt dann das Laptop zu. So wird das nichts mit einer gemeinsamen Welt, auf der wir gemeinsam leben und es nur gemeinsam schaffen können, einen zukunftsfähigen Planeten zu stricken.
Wie informieren Sie sich selbst?
Ich informiere mich, indem ich versuche, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und indem ich Zeitungen lese. Und da nicht nur eine. Das sind so meine Quellen. Aber Twitter, Instagram usw. mache ich so gut wie gar nicht. Ich bin wenig in digitalen Foren unterwegs.
Ihre Figur Adam Krieger erinnert an den Neonazi-Anführer Sven Stanislawski aus „Heil“. Was prädestiniert Sie für die Rolle des Menschen-Verführers?
Das müssen Sie die Regisseure fragen. Ich bin in meinem eigenen Wald voller Bäume. Es ist für mich sehr schwer, eine Außenperspektive einzunehmen und zu sagen: „Leute, engagiert mich deshalb!“ oder „So wirke ich.“. Ich kann nur versuchen, für mich eine Auswahl an Rollen zu treffen, die mich interessieren. Ich finde, es ist eine sehr zeitgenössische Figur, die eine eigene Welt kreiert, weil ihr die große zu unüberschaubar geworden ist.
Befürchten Sie, dass sich in den Zeiten der Krise ein charismatischer Adam Krieger zur Führungsfigur aufschwingen könnte?
Ich glaube, dass das ganz schnell gehen kann. Das, was ich als Adam Krieger sage – „Bleibt wach!“ – gilt für uns alle, auch wenn ich das, was er postuliert, nicht unterstütze. Wir müssen gut hinschauen, wem wir folgen, welcher Wahrheit wir glauben und wie wir uns informieren. Wir sollten uns die Wahrheit nicht zu einfach machen. Meistens ist sie komplizierter als die drei Sätze, mit der sie hier und da umrissen wird. Man schläft vielleicht ein bisschen ruhiger, wenn man eine vermeintliche Wahrheit hat, aber das reicht nicht.
Im Film gelingt es, eine Klimaleugnerin zu bekehren. Glauben Sie, dass der Film auch so etwas leisten kann?
Ich glaube, dass der Film das leisten kann, ja. Die besten Waffen gegen Ignoranz oder überdrehte Interpretationen der Wahrheit können Satire und Lachen sein. Lachen verbindet uns wieder. Damit meine ich nicht, dass wir einander auslachen sollten. Vielleicht wird man zurückblicken, lachen und denken: „Was wir damals geglaubt haben!“. Für unsere Zukunft brauchen wir aber keinen Film. Was hier klimatisch passiert und wie wenig Zeit wir haben, um entgegenzusteuern, ist so präsent, dass ich nicht glaube, dass wir mit Panikmache weiterkommen. Wenn Leute sich zu bedroht fühlen, schalten sie den Fernseher aus. Auf der anderen Seite glaube ich, dass es nun wirklich an uns allen ist, unsere persönlichen und politischen Entscheidungen dem anzupassen, was der Zeitgeist gerade verströmt. Und ich glaube nicht, dass der Zeitgeist sagt: „Wir können so weitermachen wie bisher.“. Mir ist gerade sehr heiß hier in Berlin. Ich bin viel mit der Bahn gefahren und sehe Bäume mit Hitzebrand und abgestorbene Fichtenwälder. Es gibt Trockenheit und in Brandenburg brennen die Wälder. Das spricht alles eine Sprache, die ich sehr bedenklich finde.
Sie sind Vater. Gelingt es Ihnen, in diesen Zeiten optimistisch zu bleiben?
Ich versuche es. Es gelingt mir nicht ganz und nicht an jedem Tag. An manchen Tagen funktioniert es besser als an anderen. Ich glaube, wenn es eng wird, dann ist die Richtung, in die es gehen muss, klarer. Darauf hoffe ich. Die Frage ist, ob uns die Zeit für die Leute bleibt, die noch nicht verstanden haben, dass Ressourcen-Verschleuderung nicht der Weg in die Zukunft sein kann und ob es ein baldiges Erwachen gibt und wir zusammen zukunftsfähige Lösungen finden. Eine Mischung aus persönlichem Verhalten, aber auch Gesetzen, die den Status Quo in den Köpfen verändern. Es ist klar, dass verunreinigtes Wasser ungesünder ist als kristallklares Wasser. In meiner idealen Welt würden wir alle instinktiv spüren, dass das auch im Großen mit unserer Erde passiert und unser Verhalten das Ganze steuert. Aber so reif sind wir leider noch nicht. Insofern brauchen wir da unterstützend Gesetze, weil Gesetze im Kopf verankern, was richtig und was falsch ist. Ich würde mir wünschen, dass wir die gar nicht brauchen, aber das ist eine Illusion. Insofern brauchen wir Regularien. Diese 1,5°, von denen wir immer reden, fühlen sich für mich jetzt schon an, wie 3° oder 5°. Wir müssen weniger verbrauchen, uns mit weniger begnügen und feststellen, dass die Welt am Ende des Tages auch so lebenswert ist. Viel von dem, was wir machen, ist on top. Wir brauchen das überhaupt nicht. Es ist ein angenehmer Luxus. Ich bin selbst konsummäßig total verleitbar und kaufe mir gerne schöne Sachen oder gehe schön essen. Wenn es nicht so klimaschädlich wäre, würde ich jedes oder jedes zweite Wochenende im Flieger sitzen. Aber die Zeiten, in denen man das tun kann und gleichzeitig seine Kinder mit einem guten Gewissen aufziehen kann, sind für mich vorbei.
Die Politik vermeidet gern das Wort „Verzicht“.
Ja, denn das ist nicht sexy. Das verstehe ich auch. Vielleicht wäre „einschränken“ als rhetorische Route gangbarer. Dass weniger noch genug ist. Ich weiß nicht, das ist eine spannende, rhetorische Aufgabe. Ich bin mir sicher, dass der Weg und das Ziel, wo wir hinwollen, klar sind. Es ist viel zu klar, was wir wollen und was wir nicht wollen. Da hat sich die Rhetorik hintenanzustellen.
Vermissen Sie die Zeiten, als Franka Potente sich meldete und sagte: Lass´ uns in die „Henne“ gehen?
(lacht) Ja, Franka würde ich schon gerne mal wiedersehen. So wie ich das mitverfolge, lebt sie ein ganz glückliches Leben drüben in L.A.. Sie ist Mutter und macht ihre Filme. Es freut mich auch, sie jetzt als Regisseurin zu wissen, auch wenn ich den Film immer noch nicht gesehen habe. Wir werden uns bestimmt wiedersehen. Und ich glaube, auch die „Henne“ wird es immer geben.
Die Fragen stellte André Wesche.
Fliesenstudio Arnold

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