Klimawald auf Umwegen

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Während umliegende Fichten der Borkenkäfersanierung zum Opfer fielen, lies der Waldbesitzende die Birke stehen: Sie sorgt durch Aussaat für einen kostenlosen Vorwald. Bild: Dr. Horst Sproßmann

Die Birke ist eine Pionierbaumart, die sich besonders auf Schadflächen ansiedelt und Waldbesitzenden bei der Wiederbewaldung eine wertvolle taktische Hilfe sein kann. Auch wenn damit Umwege in Kauf zu nehmen sind

Die Birke steht vor einem Boom: Mit rund 110.000 Hektar klimawandelbedingter Schadfläche in Thüringen dürfte ihre Ausbreitung in den nächsten Jahren enorm sein. Denn die Birke keimt als klassische Pionierbaumart gut auf Schadflächen, kommt mit dem dort hohen Lichtangebot und den trockenen Böden gut zurecht, ist praktisch unbegrenzt frosthart, wächst in den Jugendjahren schnell und verhindert damit unerwünschte Vergrasung, bietet Erosionsschutz und wird vom Wild kaum verbissen. Wenn Birken-Mutterbäume in der Nähe sind, sorgt der Wind mehrere hundert Meter weit für eine kostenlose, waldbaulich wirksame Aussaat. Kein Wunder, dass viele klimawandelgeschädigte Waldbesitzende mit Borkenkäferschadflächen ohne Zutun auffallend viel Birkenwuchs vorfinden. Die Waldexperten der ThüringenForst-AöR sagen dazu: Gut so! Nicht in allen, aber doch häufig ist die Hilfe der Natur anzunehmen. Auch wenn damit oft reine Birkenwälder entstehen. Vorerst.

Vom Birken-Reinbestand zum klimastabilen Mischwald der Zukunft
„Zum einen kommt der Waldbesitzende mit der Übernahme und Förderung und ggf. Ergänzung dieser Birkenwälder durchaus seiner gesetzlich geforderten sechsjährigen Aufforstungspflicht nach. Zum anderen eröffnet dieser Birkenvorwald interessante waldbauliche wie wirtschaftliche Möglichkeiten, die klimastabilen Mischwälder der Zukunft zu etablieren“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Ziel ist es, unter dem Schutz des Birkenvorwaldes in den nächsten Jahrzehnten den standörtlich geeigneten, artenreichen und klimastabilen Mischwald zu etablieren. Dabei bietet der Vorwald die Möglichkeiten, Schritt für Schritt leistungsstärkere Licht- wie Halbschatt- und Schattbaumarten einzubringen. Und: Da Birkenwälder als schnellwachsende Baumart schon nach 60 bis 70 Jahren ihren Zieldurchmesser erreichen können, stehen vergleichsweise früh finanzielle Erträge für den Waldbewirtschafter an.

Ein Birkenvorwald muss gepflegt werden
Die Pflege eines Birkenvorwaldes folgt dem Motto: Sehr früh starke Pflegeeingriffe zu Gunsten der etwa 50 bis 80 Zukunftsbäume (Z-Bäume), die es als weitgehend holzfehlerfreie Bestandesmitglieder auszuwählen und zu fördern gilt. Weiterer Vorteil: Die Pflege kann sich im Fortgang auf die Z-Bäume konzentrieren. Sogar die Wertastung dieser Zukunftsbäume ist möglich, da Birke auch als Wertholz Absatz findet. Mit der fortschreitenden Pflege des Birkenvorwaldes können nun weitere Baumarten im Schutz des Vorwaldes gesät oder gepflanzt werden. Dann wird aus dem birkendominierten Vorwald Schritt für Schritt ein artenreicher klimastabiler Mischwald.
Die landesweit 24 Forstämter in Thüringen mit ihren 281 Forstrevieren stellen sicher, dass jeder Waldbesitzende im Freistaat kostenlose Beratung und kostenpflichtige Betreuung bei der Wiederbewaldung möglicher klimawandelbedingter Schadflächen erhält. Ob nun mit Birkenvorwald oder mit flächiger Kultur oder im Rahmen des Waldumbaus im Schutz des Altbestandes. „Es gibt viele Möglichkeiten eines klugen waldbaulichen Handelns“, so Gebhardt abschließend.

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