Organische Strukturen mit Informatikhilfe aufklären

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Prof. Dr. Christoph Steinbeck, Professor für Analytische Chemie- Chemometrik/Chemoinformatik der Friedrich-Schiller-Universität Jena, aufgenommen in Jena am 06.04.2017. Foto: Anne Günther/FSU

Jena (AB) Von Supercomputern träumen viele Wissenschaftler. Doch die Großgeräte sind wartungs- und bedienungsaufwendig und vor allem teuer. Prof. Dr. Christoph Steinbeck von der Friedrich-Schiller-Universität Jena löst daher seinen immensen Rechenbedarf, indem er nur für die benötigte Zeit Rechenkapazität bei kommerziellen Anbietern einkauft: in deren Clouds – also in rechnerunabhängigen IT-Umgebungen. „Man kauft sich relativ billig Rechenleistung ein“, erklärt der neue Professor für Analytische Chemie – Chemometrik/Chemoinformatik, und kann dort große Datenmengen auch im Verbund bearbeiten. Dass es geht, beweist er gerade im Rahmen eines EU-Projekts mit 14 Partnern, bei dem Cloud-Computing für die Untersuchung großer medizinischer Datenmengen eingesetzt wird. Dort werden Plattform-unabhängige Arbeitsabläufe und „Toolkits“ entwickelt, „die auch hinter Firewalls funktionieren“, also dem Datenschutz gerecht werden, erläutert Projekt-Sprecher Steinbeck.

Strukturaufklärung von Naturstoffen

Der 1966 in Neuwied geborene Christoph Steinbeck, der sich das Programmieren schon als Schüler autodidaktisch beigebracht hat, studierte Chemie in Bonn. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit der Fragestellung, wie man aus spektroskopischen Daten von Naturstoffen bzw. deren Derivaten möglichst effizient die Struktur des Stoffes ermitteln kann. Für diese kombinatorischen Puzzles setzte der Chemiker auf den Computer und es gelang ihm dabei, die Suchräume einzuschränken. Eine Identifizierung des Naturstoffs wurde einfacher.
Schon diese Forschungen, die er danach an der Tufts University in den USA vertiefte, führten Steinbeck von der analytischen Chemie Richtung Bio-Chemie und -Informatik. So kam er 1997 als Leiter einer Arbeitsgruppe an das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena und habilitierte sich in Organischer Chemie an der Friedrich-Schiller-Universität zur Algorithmenentwicklung in der Bioinformatik. Dies baute er als Leiter einer Arbeitsgruppe zur Molekular-Informatik in Köln weiter aus, bevor er 2008 nach England wechselte. Am European Bioinformatics Institute (EBI) in Hinxton bei Cambridge, einer Außenstelle des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg, entwickelte er chemische Datenbanken für die Lebenswissenschaften. Er sei „Anhänger von Open Source Software und frei verfügbaren Daten“, betont Prof. Steinbeck. Und inzwischen sei ihm eine „breite Verwendung der Ergebnisse“ sehr wichtig.

Stiftungsprofessur der Carl-Zeiss-Stiftung

Diese Anwendungsorientierung, seine interdisziplinäre Ausrichtung und sein Wunsch, „Professor an einer traditionsreichen Universität zu werden“, ließen ihn den Ruf auf die „Stiftungsprofessur der Carl-Zeiss-Stiftung“, die die Stiftung in den nächsten fünf Jahren mit über 1,2 Mio. Euro fördert, an der Jenaer Voll-Universität annehmen. Hier könne er endlich wieder auch lehren und die Grundlagen des eigenen Fachs wiedergeben, freut sich der musisch begabte Wissenschaftler. Die Studierenden will er motivieren, „über den Tellerrand des Fachs hinauszublicken“.
Das macht auch Christoph Steinbeck nicht nur bei seiner interdisziplinären Forschung. Privat schätzt es der verheiratete Neu-Jenaer, der auf Yoga und Meditation zum Ausgleich des stressigen Arbeitstages setzt, handwerklich zu arbeiten und so hat er sich bereits eine kleine Holzwerkstatt eingerichtet – auch als Kontrapunkt zu seiner Arbeit am Rechner.

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