Umdenken beim Umgang mit dem Wald

0
340

Thüringer Aktionsplan Wald muss Akzente für die nächsten Generationen setzen – NABU Thüringen stellt seine Forderungen zum Wald vor

Jena – Angesichts des bevorstehenden Treffens von Ministerpräsident Bodo Ramelow mit den Ministerinnen für Finanzen, Umwelt und Forstwirtschaft am kommenden Dienstag fordert der NABU Thüringen ein dringendes Umdenken beim Umgang mit dem Wald. „Die erheblichen Waldschäden zeigen, wie stark sich die Klimaerwärmung auf unsere Wälder auswirkt. Besonders artenarme Monokulturen sind nicht mehr zukunftsfähig. Ein Wandel zu laubbaumreichen Mischwäldern ist deshalb so wichtig wie nie zuvor“, sagt Dirk Hofmann, der stellvertretende Vorsitzende und Forstexperte des NABU Thüringen.

Bei dem Treffen der Politiker soll ein Aktionsplan Wald für Thüringen beraten werden. Anja Siegesmund die Thüringer Umweltministerin hat hierzu schon einen 10-Punkte-Aktionsplan vorgelegt. „Der Aktionsplan von Anja Siegesmund ist zukunftsweisend. Vor allem der Waldumbau von Monokulturen hin zu klimastabilem Mischwald und eine bodenschonende, ökologische Bewirtschaftung sind zu begrüßen“, lobt der stellvertretende NABU-Vorsitzende.

Die geplante Wiederaufforstung sieht der NABU Thüringen eher kritisch. „Wir verschenken uns damit die Chance einer an das Klima angepassten standortheimischen Waldvegetation. Bäume aus Naturverjüngung sind besser an ihren Standort angepasst“, erklärt der Forstexperte. „Wenn der Klimawandel so weiter geht und es trocken bleibt, macht es keinen Sinn Pflanzen aus Baumschulen in den Wald zu bringen, die im nächsten Jahr wieder vertrocknen. Wenn allerdings Aufforstungen nicht zu verhindern sind, müssen einheimische, an unsere Ökosysteme angepasste Laubbaumarten wie die Eiche, aber auch Nadelbäume wie Weißtanne verwendet werden.“

Ebenso ist es längst überfällig, den Einsatz von Großmaschinen im Wald zu reduzieren. Harvester schädigen den Waldboden für sehr lange Zeit. Die Böden werden verdichtet, die biologische Aktivität beeinträchtigt, das Wachstum der Bäume eingeschränkt  und Erosion wird gefördert. Holzerntetechniken, wie zum Beispiel leichtere Maschinen, Seilzug oder Rückepferde sollen verstärkt zum Einsatz kommen. Für den Umgang mit Rückepferden müssen entsprechende Ausbildungen angeboten und langfristig gefördert werden. Da Trockenheitsereignisse in Zukunft zunehmen, ist es sinnvoll stehendes und liegendes Totholz im Wald zu belassen. Es dient als Humusbildner, Feuchtespeicher und als Keimbett für Samen.

Unseriös findet der NABU die Forderung, die in der Koalition abgestimmte Flächenkulisse von 5% holznutzungsfreiem Wald neu diskutieren zu wollen. „Wir brauchen diese Klimaschutzwälder als Wasser- und Kohlenstoffpuffer. Die Entwicklung der Urwälder von morgen ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Dirk Hofmann. Auch brauchen wir diese Stilllegungsfläche, um aktuelle Konzepte in der Forstwirtschaft überprüfen und verbessern zu können.

In Zukunft stell sich der NABU einen multifunktionalen Wald vor. Alle Funktionen des Waldes und insbesondere die Wirkungen auf Klima und Boden, den Wasserhaushalt und die Luftreinhaltung müssen in einem ausgewogenen Gleichgewicht zueinander stehen.

So fordert NABU:

• Der Wald in Thüringen muss der Multifunktionalität gerecht werden
Auf ca. 34% der Landesfläche steht in Thüringen Wald. Deshalb spielt dieser in vielen
Bereichen eine wichtige Rolle. Neben der Holzproduktion sind das insbesondere die
Wirkungen auf Klima und Boden, den Wasserhaushalt und die Luftreinhaltung. Auch
bietet er der heimischen Tier- und Pflanzenwelt einen wertvollen Lebensraum und der
Bevölkerung einen Ort der Erholung. Alle Funktionen des Waldes müssen in einem
ausgewogenen Gleichgewicht zueinander stehen. Ein Vorrang der Holzproduktion
gegenüber den anderen Funktionen kann im Landeswald nicht geduldet werden.

• Einheimische Baumartenvielfalt zu nutzen und keine Exoten in die Fläche zu
bringen
Bei Aufforstungen in den Thüringer Wäldern ist die Vielfalt heimischer Baumarten zu
nutzen und auf nichteinheimische Gehölze zu verzichten. Auch mit heimischen Arten ist
eine Anpassung an die Klimaveränderung zu schaffen. Für die heimische Artenvielfalt
können Wälder aus Baumarten anderer Regionen eine Gefahr darstellen, denn die
mitteleuropäischen Pilze, Blütenpflanzen und Tierarten sind vor allem auch an die
mitteleuropäischen Baumarten angepasst. In Thüringens Wälder dürfen deshalb nur
einheimische Baumarten gepflanzt werden.

• FSC- oder Naturlandrichtlinie im Landeswald einzuführen
Die Waldzertifizierung ist ein Instrument, um wichtige Nachhaltigkeitsstandards bei der
Waldbewirtschaftung zu garantieren. Der Verbraucher kann so beim Kauf von
Holzprodukten erkennen, ob diese umwelt- und sozialverträglich hergestellt wurden. Wir
fordern, die FSC- oder Naturlandzertifizierung auf der ganzen Fläche des Landeswaldes
umzusetzen.

FSC: Die Zertifizierung durch das national und international agierende Forest Stewardship
Council (FSC) gilt als Mindeststandard für umwelt- und sozialverträgliche Waldwirtschaft.

Naturland: Die Naturland Richtlinien zur Ökologischen Waldnutzung regeln Aspekte einer
nachhaltigen und naturverträglichen Waldbewirtschaftung. Da die Richtlinie die FSC Anforderungen übertrifft, kann gleichzeitig ein Naturland und ein FSC-Zertifikat
ausgestellt werden. Darüber hinaus hat Naturland mit den „Verabreitungsrichtlinien für
Holz aus ökologischer Waldnutzung“ die Grundlagen für die Zertifizierung verarbeiteter
Holzprodukte geschaffen. Diese Richtlinie umfasst neben der Rückverfolgbarkeit auch
Aspekte einer ökologischen und gesundheitsverträglichen Produktion.

• Umweltschonende Erntetechniken zu fördern (Ausbildung)
Großmaschinen, wie Harvester schädigen den Waldboden für sehr lange Zeit. Die Böden
werden verdichtet, die biologische Aktivität beeinträchtigt und das Wachstum der Bäume
eingeschränkt. Holzerntetechniken, wie zum Beispiel leichtere Maschinen, Seilzug oder
Rückepferde sollen verstärkt zum Einsatz kommen. Für den Umgang mit Rückepferden
müssen entsprechende Ausbildungen angeboten und gefördert werden.

• Einen besseren Umgang mit den Schutzgebieten im Wald
Beispiele, wie der Tautenburger Forst im Saale-Holzland-Kreis zeigen, dass der
Holzeinschlag in Schutzgebieten zu massiv durchgeführt wird. Mit der
Unterschutzstellung der Waldflächen hat der Freistaat Thüringen auf europäischer Ebene
sowohl eine besondere Verantwortung für eine positive Gebiets-entwicklung hinsichtlich
der natürlich vorkommenden und geschützten Arten, als auch für den Waldlebensraum
selbst übernommen. Es gilt das Verschlechterungsverbot, ja sogar ein Entwicklungsgebot
für die geschützten Waldgebiete! Wir fordern deshalb dringend einen besseren Umgang
mit Schutzgebieten im Landeswald. Europäische Schutzziele müssen Vorrang vor der
Holznutzung haben.

• Waldrandstrukturen zu verbessern
Strukturreiche Waldränder verschwinden immer mehr aus unserer Landschaft. Oft gibt es
nur einen abrupten Übergang vom Wald in das Feld oder die Wiese. Verschwindet die
Struktur von naturnahen Waldrändern, verschwindet auch der Lebensraum für viele
Pflanzen- und Tierarten.
Für die Anlage von Waldrändern mit breiten Strauchgürteln und Krautsaum sind
entsprechende Förderinstrumente zu etablieren.

MSB Kommunikation

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT