Notsicherung am Ostturm von Schloss Friedenstein abgeschlossen

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Ostturm während der Notsicherungen, Foto: Stiftung/Lutz Ebhardt

Rudolstadt/Gotha (red/fn, 11. März). Der Ostturm von Schloss Friedenstein in Gotha ist wieder begehbar. Die im vergangenen Sommer begonnenen Notsicherungen sind abgeschlossen. Parallel nimmt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) die Untersuchungen für die anstehende grundlegende Sanierung des Turms wieder auf.

Im Rahmen der Zustandsuntersuchungen für die Planung hatten Statiker 2020 festgestellt, dass der Turm nicht standsicher war. Überlastete Pfeiler und Bögen im Keller und im Erdgeschoss drohten den Dienst zu versagen. Die STSG musste mit einer unverzüglichen Sperrung reagieren und leitete die Notsicherung ein, um die Standsicherheit zu gewährleisten und den Zugang zu den Büchern möglichst schnell wieder zu ermöglichen. Im Fokus standen drei freistehende Pfeiler und drei Wandpfeiler aus Naturstein. Sie erhielten Stahlumgurtungen, die zusätzlich mit Beton ummantelt wurden. So können sie die gewaltigen Lasten wieder zuverlässig in die Fundamente ableiten. Um die Wandpfeiler vollständig umfangen zu können, musste die südliche Kellerwand von außen freigelegt werden.

Schloss Friedenstein, Keller im Ostturm nach Abschluss der Notsicherungen, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Franz Nagel

Die wichtigsten Ursachen für die Schäden sind bereits im 17. Jahrhundert vorgenommene Umbauten am statischen Gefüge, Materialermüdung an den historischen Tragwerken und die schweren Lasten durch die reichen Bibliotheksbestände. Diese Probleme müssen nun mittelfristig grundlegend behoben werden, die Notsicherungen waren nur der erste Schritt dazu. Statiker, Vermesser und Holzschutzgutachter untersuchen nun weiter detailliert das Mauerwerk und die Holzkonstruktionen, um die von Anfang an vorgesehene Sanierung planen zu können.

Vor einer großen Herausforderung steht unterdessen die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt. Kaum sind die Bücherbestände wieder zugänglich, muss nun ihre Auslagerung geplant werden – eine wichtige Voraussetzung für die Sanierung, aber auch bereits für die Untersuchung derzeit verstellter Bauteile. Dies ist bei 300.000 Bänden im Turm, von denen zunächst 4.500 Regalmeter ausgeräumt werden müssen, nicht nur eine logistische Aufgabe, sondern muss außerdem unter statischer Überwachung geschehen. Durch zu schnelles oder ungleichmäßiges Entlasten würde sich die Baukonstruktion unkontrolliert entspannen und könnte zusätzliche Schäden davontragen. Das Beräumen wird voraussichtlich im Herbst 2021 beginnen.

Die Sanierung des Ostturms ist Bestandteil der laufenden 60-Millionen-Euro-Sanierung von Schloss Friedenstein mit Herzoglichem Park, die je zur Hälfte von Bund und Land gefördert wird. Trotz der umfangreichen Baumaßnahmen sind wesentliche Teile des Schlosses für den Besucherverkehr zugänglich. Mehr zum Sanierungsprojekt und den Hintergründen unter www.friedensteinblog.de.

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