Auftakt für „Wieder zurück in Gotha – die verlorenen Meisterwerke“

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Gotha (red/ra, 18. Oktober). Am Wochenende 23./24. Oktober passiert es: Dann öffnet im Herzoglichen Museum die Ausstellung „Wieder zurück in Gotha – die verlorenen Meisterwerke“. Gezeigt werden deshalb nicht nur die fünf Gemälde, die 1979 gestohlen wurden.

Am Eröffnungswochenende findet am Samstag ab 18 Uhr und bis 22 Uhr die öffentliche Premiere statt. Tags darauf öffnet das Herzogliche Museum von 10 Uhr bis 20 Uhr seine Türen.

Bis zum 21. August 2022 gelten dann folgende Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag
10 Uhr bis 17 Uhr (April bis Oktober)
10 Uhr bis 16 Uhr (November bis März)
An Feiertagen geöffnet, 24. und 31. Dezember geschlossen.

Eintritt: 5 Euro (ermäßigt 2,50 Euro); Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre frei

Was die Ausstellung alles bietet
Dr. Timo Trümper ist Kurator dieser Ausstellung. Der Direktor für Sammlungen und Wissenschaft der Stiftung Schloss Friedenstein erläuterte sein Ausstellungskonzept wie folgt: „Es war meine Aufgabe, eine Geschichte zu erzählen, allem einen roten Faden zu geben. Es geht also nicht allein auf die Bilder. Vielmehr möchten wir Geschichten erzählen…“

Solche darüber, wie im 19. und 20. Jahrhundert die Sammlungen wuchsen und präsentiert wurden. Zur Eröffnung des herzoglichen Museums im April 1879 – 15 Jahre nach Baubeginn – wurden zum Beispiel 13.000 Objekte gezeigt. Den Besucher der aktuellen Schau erwarte eine lichte, offene Präsentation, die jedem Objekt die Chance bietet, sich und seine Wirkung auf die Betrachter zu entfalten, so Trümper.

Deshalb habe man wegen seiner Dimensionen schlussendlich auch den Skulpturensaal gewählt. „Dort wird nicht nur von den goldenen Zeiten der Sammlungen berichtet. Es wird auch der Niedergang erwähnt, weil sich erst 1945 Amerikaner bedienten und dann 1946 der Abtransport von Tausenden Kunstschätzen durch die Sowjetunion veranlasst wurde.“ Mit der Rückgabe des überwiegenden Teils dieser geraubten Kunst im Jahr 1958 habe der Wiederaufstieg begonnen, der nach 1990 zu vielen weiteren Rückkehrern nach Gotha führte.“ Man wolle damit ein Wechselbad der Gefühle bei Zuschauern erzeugen.

Grundsätzlich sei aber das Herzogliche Museum immer eine Herausforderung, gehe es um Ausstellungen: „Es ist denkmalgeschützt. Da darf also kein Nagel in die Wand gehauen werden, um ein Bild aufzuhängen. Vielmehr bauen wir immer extra Wände dafür auf.“ Die Ausstellungsarchitektur bedeute demnach einen hohen Aufwand – an Ideen, Zeit und Kosten.

Dabei sei es hilfreich, wenn man – wie im konkreten Falle – auf mit den Gothaer Verhältnissen vertraute Partner wie dem Designstudio Stefan Adlich & Katja Fliedner aus Leipzig zugreifen könne. Sie haben u. a. die Oskar-Schlemmer-Präsentation gestaltet.

„In der Ausstellung steckt trotzdem 100 % Trümper“, erklärte mit spitzbübischem Lächeln auf den Lippen der Mann, der 2021 in Gotha begann und nun Direktor für Sammlungen und Wissenschaft der Stiftung Schloss Friedenstein ist.

Doch nicht alles, was er sich ausgedacht hatte, ließ sich umsetzen: Er wollte jene mehrere Tausend Rahmen an jenen Stellen im Museum zeigen, wo sie einst hingen, bevor sie ihres Inhalts beraubt wurden. Die dazu erforderliche Recherche hätte aber jeden Zeitrahmen gesprengt, ganz zu schweigen von absehbaren technischen Problemen.

Weil es keine monothematische Ausstellung werden sollte und auch, weil die Dimensionen von Verlust und Wiedererlangen so enorm sind, wurde zudem die Präsentation auf zehn Monate angelegt. Üblich sind maximal drei Monate, weil alte Kunst und vor allem Dinge, die auf Papier aufgetragen wurden, lichtempfindlich sind. „Deshalb haben wir u. a. die Lichtstärke auf 50 Lux begrenzt“, veranschaulicht Trümper eine Konsequenz. In einem  Büro ist der zehnfache Wert vorgeschrieben.

Eine andere Idee, mit „lichtscheuen“ Exponaten umzugehen, ergab sich z. B. bei der Präsentation des „Gothaer Stundenbuchs“ aus dem Bestand der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt, was höchst selten deshalb öffentlich zugänglich ist: „Wir blättern einfach alle paar Wochen andere Seiten auf…“

So lohne es sich, „spätestens alle drei Monate wiederzukommen“, wirft Trümper seine Leimrute aus. Auch bei Grafiken, die einst verkauft wurden und die man wieder erwerben konnte, gibt es ein „Bäumchen wechsele Dich“-Spiel. Hier werden jeweils nur drei der elf Exemplare gezeigt, die im zur Ausstellung gefertigten Katalog erwähnt sind.

Und nicht zuletzt erarbeite man digitale Angebote, die im kommenden Jahr dann verfügbar seien. Deshalb so spät, weil nicht eher die nötigen Fördermittel freigegeben wurden. „So kann man dann auch ganz bequem das eine oder andere Bild mit nach Hause nehmen – schließlich ist der Weg an der Außenfassade des Schlosses doch recht mühsam“ sprach der Kurator, dem der Schalk im Nacken saß, mit Anspielung auf den Kunstraub 1979.

Zum Hintergrund:
Alles begann 1979 – da wurden in der Nacht zum 14. Dezember fünf Bilder aus dem Schloss Friedenstein gestohlen. Obwohl wenig später die Fahndung nach den Tätern einsetzte und es auch heiße Spuren gab (Video zum Diebstahl und ein ausführlicher Text zu den Ermittlungen), blieben die fünf Bilder verschollen.

Bis Mitte 2018, als Gothas Oberbürgermeister von einem Rechtsanwalt das Angebot bekam, die Bilder zurückzukaufen. Was danach passierte, war das nächste hochspannende wie -brisante Kapitel dieser schier unendlichen Geschichte (Beitrag von „Oscar am Freitag“).

Im Dezember 2019 dann wurde diese bis dahin mit größter Diskretion behandelte Angelegenheit öffentlich. Dann überschlugen sich die Ereignisse und am 20. Januar 2020 wurden der staunenden Weltöffentlichkeit die fünf Gemälde in Berlin präsentiert.

Allesamt waren sie in einem recht bedauernswerten Zustand, deren Restaurierung nicht nur beschlossene Sache, sondern auch dank großzügiger Mäzene möglich (Grafik).

Nachdem die Kunstwerke ihre neuen Rahmen erhalten haben und nun die Ausstellung eingerichtet ist, harren sicherlich Tausende darauf, endlich jenes Gemälde-Quintett im alten Glanz und ganzer Schönheit in Augenschein nehmen zu dürfen.

Und damit dieses Privileg möglichst viele wahrnehmen dürfen, wird die Präsentation bis 21 August 2022 gezeigt.

 

MSB Kommunikation

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