Deutsche Waldexperten in Thüringen zur Schulung

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Bundesweite Schulung auf dem Krahnberg bei Gotha: Mit forstlichem „Röntgenblick“ in die Baumkronen den Zustand deutscher Waldbäume taxieren. Foto: Dr. Horst Sproßmann

Erfurt (red/hs, 23. Juni). Die jährlich in jedem deutschen Bundesland durchgeführte Waldzustandserhebung (WZE) gehört zu den wichtigsten forstlichen Untersuchungen, um die Stabilität und Gesundheit unserer Waldökosysteme zu erfassen.

Sie ist außerdem eine wichtige Informationsgrundlage zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel. So werden u. a. Hinweise zu forstlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen wie Wiederbewaldung und Waldumbau aus den Ergebnissen abgeleitet.

2022 und 2023 findet die bundesweite Schulung der WZE-Landesinventurleiter und weiterer Waldexperten in Gotha am Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum (FFK) von ThüringenForst statt. Auf einem extra dafür angelegten Schulungsparcours werden vom 21. bis 23. Juni rund 100 Waldbäume gemeinsam begutachtet und taxiert. Die Schulung stellt sicher, dass die Waldzustandsberichte der einzelnen Bundesländer nach methodisch identischem Vorgehen erstellt werden, damit vergleichbar sind und eine solide Grundlage für den deutschlandweiten Waldzustandsbericht darstellen.

Mit Fernglas, Kladde und sehr viel Fachwissen
„Mit einem Fernglas werden die Baumkronen aller Schulungsbäume ins Visier genommen und der Verlust an lebenswichtiger Nadel-/Blattmasse, der Anteil trockener Äste und für die Jahreszeit untypische Verfärbungen erfasst. Zusätzlich werden – wo immer möglich – auch die Ursachen der sichtbaren Schäden dokumentiert, um konkrete Schadbilder faktengestützt erklären zu können“, erläutert Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand.

Was zunächst einfach klingt, erfordert, neben dem Wissen über stichprobenartige Inventurverfahren vor allem umfassende wald- und baumbiologische Kenntnisse und viel Erfahrung.

Am ersten Schulungstag erwartet die Teilnehmer, zu denen auch Experten des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) und des Thünen-Instituts als Bundesforschungsbehörde gehören, ein Theorieteil zum europaweiten Stand der Waldzustandsforschung. Der zweite und dritte Tag wird ausschließlich dem WZE-Schulungsparcours in der Nähe von Georgenthal gewidmet sein und dient quasi zur „Eichung“ der Experten, bevor diese das Wissen weitertragen und Anfang Juli in ihren Bundesländern die Landesschulungen durchführen.

ThüringenForst mit umfangreichem Umwelt- und Waldmonitoring
Mit der systematischen Erfassung des Waldzustandes wurde sowohl in Westdeutschland als auch in der ehemaligen DDR schon in den 1980er-Jahren unter dem Eindruck des Waldsterbens begonnen.

Damals waren die Wälder akut durch Luftschadstoffe, insbesondere Schwefeldioxid und Stickoxide, bedroht. In Westdeutschland hat die Politik mit einer deutlich verschärften Umweltpolitik, mit der Einführung von Rauchgasentschwefelungsanlagen im Industriesektor und Katalysatoren im Verkehrsbereich schnell und effektiv reagiert.

Nach der Wiedervereinigung wurden diese gesetzlichen Regelungen auch in den neuen Bundesländern angewendet und die Emissionen stark reduziert. In Thüringen erfolgt seitdem als begleitende Maßnahme auch eine standortsabhängige Waldkalkung – sodass sich der Wald von der Belastung durch Luftschadstoffe erholen konnte. Durch diese vielfältigen Maßnahmen wurde das Waldsterben der 1980er-Jahre gestoppt.

Die Herausforderungen, die sich heute im Zusammenhang mit dem Klimawandel stellen, sind dagegen ungleich komplexer. Die Waldschadensforschung wurde seit den 1980er-Jahren maßgeblich zur Waldökosystemforschung ausgebaut, nach 1989 auch im Freistaat Thüringen. Heute verfügt ThüringenForst über ein umfangreiches Umwelt- und Waldmonitoringsystem, das jährlich verlässliche Aussagen zum Zustand der Waldbäume und zu den Einflüssen von Klimawandel und Luftschadstoffen liefert.

H&H Makler

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