Dramatik ohne Happy End

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Nach 114 hochdramatischen Spielminuten unterlag Volleyball-Bundesligist VC Gotha vor knapp 900 Zuschauern in der Ohrdrufer Goldberghalle evivo Düren denkbar knapp mit 2:3 (28;26, 29:31; 19:25; 25:17; 8:15).

Wenn jemand den Gothaern vor Beginn ihrer ersten 1.Bundesliga-Saison prophezeit hätte, dass man gegen den Vorjahresdritten Düren zweimal nur knapp mit 2:3 unterliegen würde, hätte jeder nur ungläubig gelächelt. Nach dem Spiel am Sonntagabend aber gab es viele enttäuschte Gesichter bei Spielern, Vereinsverantwortlichen und Zuschauern, denn nach der gezeigten Leistung hätten die VC-Männer durchaus auch als Sieger das Parkett verlassen können. Dass es nicht soweit kam, lag letztlich an der im entscheidenden Tie-Break gezeigten größeren Routine und Abgeklärtheit der Gäste.

Beide Teams boten über weite Strecken großartigen, kampfbetonten Volleyball, mit vielen langen Ballwechseln und spektakulären Aktionen auf beiden Seiten. Ein Spiel, das eigentlich zwei Sieger verdient hätte. Besonders die beiden Anfangssätze waren dabei an Dramatik kaum zu überbieten.

Der 1.Satz verlief absolut ausgeglichen obwohl der VC lange Zeit einem kleinen Punktrückstand hinterher lief und maximal ausgleichen konnte. Erst beim 21:20 gingen die Gastgeber erstmals in Führung. Immer wieder angetrieben von ihrem Kapitän Bojan Gluvajic erspielten sich die Gothaer aus einer sicheren Annahme heraus nun die Möglichkeiten zu teilweise spektakulären Punktgewinnen. Trotzdem musste man noch zwei Satzbälle der Dürener abwehren, ehe der zweite eigene Satzball zum umjubelten 28:26 verwandelt werden konnte.

Der 2.Abschnitt war über weite Strecken noch spannender. Wieder konnte sich kein Team entscheidend absetzen. Während die Gäste immer wieder versuchten über ihren 2.07-Meter Diagonalangreifer Christian Dünnes (10) zum Erfolg zu kommen, setzte Gothas Zuspieler Joni Markkula auf variables und schnelles Angriffsspiel. So kamen die beiden Außen „Gui“ Barbosa und Ariel Hilman mehrfach mit Pipes zu sehenswerten Punktgewinnen und auch die Schnellangreifer Nikola Poluga und Sven Kellermann beteiligten sich erfolgreich an der Punktejagd. Im Block fasste man einige Male gegen Dünnes zu ohne den Topscorer der Liga allerdings vollkommen in den Griff zu bekommen. Mitte des Satzes riss der Spielfaden der Gothaer etwas und evivo Düren setzte sich auf 23:18 ab. Doch die VC-Männer zeigten nun ihren schon häufig bewiesenen unbändigen Kampfgeist. Drei Blocks in Folge brachten die Gastgeber heran und als ein Dürener Satzball abgewehrt und anschließend Poluga einen krachenden Spinaufschlag folgen ließ, stand die Halle Kopf. Überhaupt hinterließ Poluga auch diesmal wieder einen blendenden Eindruck. Viermal hatte der VC dann noch Satzball, konnte den Sack aber nicht zubinden. So nutzten die Westdeutschen ihrerseits die sich bietende Chance und gewannen den Satz etwas glücklich mit 31:29.

Im 3.Satz merkte man den Gothaer Spielern an, dass der Satzverlust Spuren hinterlassen hatte. Düren ging in Führung und baute diese schrittweise aus. Zwar bäumten sich die Hausherren noch mal auf und Gluvajic krönte einen der schönsten Ballwechsel mit einem harten Angriffsschlag zum 16:18 Anschluss. Trainer Jörg Schulz versuchte mit etlichen Wechseln noch die Wende zu erreichen und schickte Paul Lohrisch, Marcel Herrmann und Maris Vensbergs in die Begegnung. Doch die Gäste ließen sich nicht mehr überraschen und brachten den Satz mit 25:19 nach Hause.

Im folgenden 4.Satz aber waren der VC Gotha wieder da. Bei den Gästen war inzwischen der lange Zeit verletzte 227-fache Nationalspieler Stefan Hübner (7) im Spiel. Aber auch davon ließen sich die Gothaer nicht beeindrucken und zogen konsequent ihr schnelles Kombinationsspiel durch. Ermöglicht wurde dieses durch eine sichere Annahmen und eine kämpferische Feldabwehr, in der Libero Isaac Kneubuhl keinen Ball verloren gab. Mit 25:17 ging der Satz an den VC Gotha und der Tie-Break musste die Entscheidung bringen.

Hier bewiesen die Gäste ihre ganze Routine und Abgeklärtheit. Während die Gastgeber nun nervös wirkten, zogen die Dürener ihr Spiel durch. Der erfahrene Hübner, einst der weltbeste Blockspieler, trug mit seinen sicheren aber trotzdem gefährlichen Aufschlägen ebenso dazu bei, wie Dünnes, der nun seine Angriffe regelmäßig durchbrachte. Mit 8:15 musste der VC Gotha diesen entscheidenden Satz abgeben.

Trainer Jörg Schulz musste nach dieser unglücklichen Niederlage erst nach Worten suchen. „Meine Mannschaft hat heute eine großartige Leistung gezeigt, wurde aber wie bereits im Hinspiel nicht belohnt. Lediglich im Tie-Break haben wir unsere Linie verloren. Nun gilt es den Blick nach vorn zu richten. Wir haben noch fünf Spiele, in denen wir punkten können“, äußerte er sich anschließend.

Nach dem Spiel wurden Bojan Gluvajic und Dürens Zuspieler Merten Krüger als beste Spieler ihrer Teams ausgezeichnet.

Schon am Mittwoch geht es für den VC Gotha weiter. Dann spielt man in Wuppertal bei den A!B!C Titans Bergisches Land um ganz wichtige Punkte gegen den Abstieg und am Sonnabend erwarten die Gothaer dann mit dem aktuellen Tabellenzweiten SCC Berlin einen der großen Drei in Ohrdruf.

Publiziert: 15. März 2011, 14.10 Uhr