„Garten der Religionen“ entsteht im Klosterpark Reinhardsbrunn

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Baustart für den "Garten der Religionen". Foto: Meik Schmidt

Erfurt/Reinhardsbrunn (red, 4. April). Der Verein „Kirche und Tourismus“ will im Klosterpark von Reinhardsbrunn, Stadtteil von Friedrichroda im Landkreis Gotha, einen „Garten der Religionen“ etablieren. Ziel sei es, die Begegnung zwischen unterschiedlichen Kulturen und Religionen zu ermöglichen sowie Zeichen gegen Ausgrenzung und Rechtspopulismus zu setzen. Dafür gab es jetzt den Baustart.

Das Projekt wird u. a. unterstützt von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), dem Bistum Erfurt, der Ahmadiyya Gemeinde und der Bahai-Gemeinde aus Erfurt, dem Buddhistischen Dharmazentrum Möhra und der Jüdischen Landesgemeinde.

Auf dem Grundstück westlich vom Informations- und Ausstellungszentrum ,,Spiritueller Tourismus“ sowie vom Sitz des Vereins ,,Kirche und Tourismus“ als Träger des Projektes, das von einer Eiche von fast 30 Metern Kronendurchmesser dominiert wird, soll der Garten entstehen.

Das Vorhaben
Mit und für Menschen mit Migrationshintergrund und unterschiedlichen Religionen soll dieses gemeinsame Gartenprojekt entstehen.

Der Platz für jede Religion kann individuell gestaltet und genutzt werden

Der Ort soll Religionen sinnbildlich verorten und vereinen, für Frieden und Ökumene stehen und der Begegnung, Einkehr und gemeinsamen Nutzung dienen:

  • für Gespräche und Diskurse, zum Feiern, Beten, Spielen, Musizieren, Singen, Theater spielen und erleben, Hören von Texten und Musik, Lernen voneinander und miteinander,
  • zur Meditation, zum Nachdenken, um Stille zu erleben und Energie zu tanken,
  • zur lnformation.

Seine Einweihung soll zum Beginn der Interkulturellen Woche am 19. Juli sein.

Dem Garten angegliedert wird eine Kreativwerkstatt zur Weiterverarbeitung der Kräuter und Früchte, um Begegnungs- und Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen.

Finanziert wird das Projekt durch Europäische Fördermittel (Leader), Mittel des Freistaates Thüringen und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Geschichtlicher Hintergrund:
Die Region um Friedrichroda-Reinhardsbrunn ist Wiege des mittelalterlichen Thüringens: Im 11. Jahrhundert errichtete „Ludwig mit dem Barte“, Stammvater des Landgrafengeschlechts, die „Schauenburg“. An derem Fuße entwickelte sich Friedrichroda.
Bonifatius hat während seiner Missionsreise in Thüringen 724 seine Johanneskirche als Taufkirche oberhalb von Altenbergen errichtet und 725 sein Kloster in Ohrdruf gegründet.
Ein weiteres spirituelles Zentrum ist in Reinhardsbrunn an der höchsten Stelle des Landschaftsparks ein Ring von zwölf Bäumen, einst germanischer Thingplatz und dann unter dem Namen „12 Apostel“ christliches Heiligtum.
1067 verließen die Ludowinger ihre Burg oberhalb von Friedrichroda und verlegten ihren Herrschaftssitz auf die Wartburg (laut Sage gegründet auf Erde von der Schauenburg, um später schwören zu können, auf eigenem Grund und Boden gebaut zu haben).
1085 ließ Ludwig der Springer durch Mönche aus dem Schwarzwälder Reformkloster Hirsau in Reinhardsbrunn sein Hauskloster und die ludowingische Grablege errichten, er verbrachte als Mönch hier die letzten Jahre seines Lebens.
Das Kloster wurde wichtigste Abtei im Land und entwickelte sich nach der Beisetzung von Ludwig lV. durch seine Ehefrau Elisabeth von Thüringen im Jahr 1228 zum Wallfahrtsort.
Die Wunder am Grab des im Volk als „Ludwig der Heilige“ verehrten Landgrafen führten zu großen Pilgerströmen und Einnahmen.
Martin Luther war als Junker Jörg von der Wartburg aus mehrfach zu Gast.
Nach 440 Jahren Klosterzeit folgten 420 Jahre Schloss- und Adelsgeschichte, die 1945 mit der Enteignung des Herzoghauses Sachsen-Coburg und Gotha durch die sowjetische Besatzungsmacht endete.
Danach erfolgte die Übernahme der lmmobilien durch das Land Thüringen und eine vorübergehende Nutzung als Schulungsstätte für die Landesfeuerwehr und die Polizei.
Ab 1953 wurde das Schloss Hotel des VEB Reisebüro der DDR, vor allem für Gäste aus dem westlichen Ausland. Konzerte des Leipziger Gewandhausquartetts und Kongresse unterschiedlicher Art machten das Schloss zum kulturellen Zentrum und zum Bildungsstandort.
Nach der friedlichen Revolution 1989 wurde das Schlosshotel Reinhardsbrunn privatisiert.
Der herzogliche Außenpark mit seinem ehemaligen Pionierlager wurde 1991 von der Treuhandanstalt an die Thüringer Landeskirche verkauft, die hier ihre zentrale Bildungs- und Begegnungsstätte aufbaute, später aber wieder aufgab.
2001 wurde die Johanniskirche eingeweiht, ein 1:1-Nachbau der ersten Kirche Thüringens.
Trotz Bemühen der Gründungsinitiative „Thüringer Akademiezentrum Schloss und Klosterpark Reinhardsbrunn“ schreitet der Verfall voran.
lm Elisabethjahr 2007 gründete sich der Verein „Kirche und Tourismus“.
Die Einweihung des Ausstellungs- und lnformationszentrums erfolgte im Juli 2011.
2009 wurde hier das Lutherwegbüro eingerichtet und der Thüringer Lutherweg entwickelt und 2018 folgte die Einweihung des Thüringer Lutherweg-Informationzentrums mit Begegnungscafé.

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