Landkreis: Unfallrisiko für Senioren nimmt zu

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Senioren sollten regelmäßig ihre Fahrtüchtigkeit prüfen. Foto: Andrea Piacquadio / Pexels

Gotha (red/ra, 28. November). Thüringens Bevölkerung schrumpft. Zugleich wächst der Anteil der Älteren. Diese demografische Entwicklung spiegelt sich in nahezu allen Lebensbereich wieder, auch in polizeilichen Statistiken.

Dort wird ein Trend sichtbar, der die Landespolizeiinspektion (LPI) Gotha veranlasste, in die Öffentlichkeit zu gehen: Menschen über 65 sind immer öfter in Unfälle verwickelt.

2017 waren sie im Landkreis Gotha an 1.600 Unfällen beteiligt, 1.211 davon (75,8 %) hatten sie verursacht. 2019 gab es 1.779 Unfälle mit Senioren, von denen 1.248 von ihnen verschuldet wurden (69,4 %).

Gegenläufig indes die Tendenz bei der Unfall-Gesamtzahl: 2017 krachte es noch 8.211 mal im Landkreis. 2018 sank die Zahl auf 7.982 und im Vorjahr auf 7.878 – gut 10 % Rückgang in drei Jahren.

Allemal ein Grund für die LPI Gotha, sich dieser Zielgruppe verstärkt zuzuwenden, sagte der Chef der LPI Gotha, der Leitende Polizeidirektor Günther Lierhammer.

Er nannte typische Ursachen für solche Unfälle: Es würden Fehler beim Einordnen in den fließenden Verkehr gemacht, z. B. wenn aus Grundstücken auf die Straße aufgefahren werde. Oft wäre auch das Rechtsfahrgebot nicht eingehalten worden oder der Sicherheitsabstand. Häufig seien Vorfahrtsfehler bei den über 65-Jährigen. Sie würden auch öfter andere Verkehrsteilnehmer oder mögliche Hindernisse übersehen, wenn sie wenden oder rückwärtsfahren würden. Die eigenen körperlichen oder geistigen Fähigkeiten überschätze dieses Klientel öfter, betonte er.

Die Folgen sind oft dramatisch: Lierhammer erinnerte an den 74-Jährigen, der im April in Sundhausen mit seinem Rasenmäher-Traktor die Gleise der Straßenbahn überqueren wollte, eine herannahende Bahn übersah und bei der Kollision ums Leben kam.

Ähnlich ging es Ende September auf Gothas Südtangente zu: Ein 85-Jähriger war mit seinem Auto auf der Straße von Waltershausen in Richtung Gotha unterwegs und bog nach links in die Einmündung Richtung Sundhausen ab. Den entgegenkommenden Wagen eines 80-Jährigen übersah er. Es kam zur Kollision. Beide Fahrer sowie deren 79 und 85 Jahre alte Beifahrerinnen wurden schwer verletzt.

Man wolle deshalb vor allem prophylaktisch, aufklärend arbeiten. Deshalb hatte die LPI für Mitte November eine flächendeckende Aktion geplant, bei der vor allem mit älteren Verkehrsteilnehmern das Gespräch gesucht werden sollte. „Jeder sollte sich selbst prüfen, ob er noch fahrtüchtig ist“, bat PD Günther Lierhammer und appellierte an Einsicht und Vernunft.

Diese Aktion wurde nun aber wegen Corona aufs nächste Jahr verschoben wie auch eine gemeinsame Aktion mit der Kreisverkehrswacht.

„Mobil bleiben, aber sicher  – Generation 50 plus“ nennt sich das Projekt an frischer Luft und biete neben allgemeiner Aufklärung auch Gesundheitschecks zur Einschätzung der Fahrtauglichkeit und einen speziellen Parcour, bei dem die Fahrfertigkeit getestet werden könne, erläuterte Maria Seeber, die Geschäftsführerin der Kreisverkehrswacht.

Sie nannte auch weitere Risikofaktoren für Senioren. So würde die meist eingeschränkte Beweglichkeit manch Fahrer verleiten, auf den Schulterblick zu verzichten lässt. Wichtig beim Fahren sei zudem neben dem Sehen auch das Hören. Unterschätzt werde oft auch, dass Medikamente u. a. Schläfrigkeit hervorrufen können. Ein regelmäßiger Check beim Augen- und HNO-Arzt schade ebenfalls nicht.

Polizei wie Verkehrswacht appellierten an die Familien, ihren älteren Angehörigen solche Angebote wie „Mobil bleiben, aber sicher  – Generation 50 plus“ zu unterbreiten.

MSB Kommunikation

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