Kein Scherz: Riesenrad auf dem Inselsberg

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Bad Tabarz (red/ra, 24. September). Ein 40 m hohes Riesenrad auf dem Inselsberg? Das Portal „InSuedthueringen.de“ und die „Thüringer Allgemeine“ (Bericht hinter der Bezahlschranke) berichteten heute davon. Ein vorgezogener Aprilscherz?

Marcel Wedow, der Kuramtsleiter von Bad Tabarz, bestätigte „Oscar am Freitag“ zumindest, dass es kein Scherz sei.

Man suche nun schon seit vielen Jahren nach Attraktionen, die den Inselsberg anziehender machen als bisher. Dass dafür von den vielen Entscheidern vor und hinter dem Rennsteig ein ganz großes Rad gedreht werden muss, stehe außer Frage. Wedow erinnerte, dass ja auch schon einmal eine Seilbahn ins Spiel gebracht wurde.

Die komplizierten Eigentumsverhältnisse auf dem Inselsberg erschweren aber jeden Höhenflug: Kein anderer Berg weit und breit hat so viele Herren: Das ist zwar nicht neu und liegt vor allem daran, dass seit Menschengedenken der Rennsteig den Bergkamm quert. Und eben dieser Rennsteig war immer schon eine Grenze: Im 19. Jahrhundert jene zwischen dem Herzogtum Sachsen-Gotha und der Enklave Schmalkalden, die zum Kurfürstentum Hessen gehörte. Deshalb gab es auch bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Berg gleich zwei Gasthöfe: Auf hessischer Seite den Berggasthof Stöhr, auf der gothaischen den Berggasthof „Stadt Gotha“.

Seither macht auch ein „s“ den entscheidenden Unterschied: Südlich des Rennsteigs heißt die Erhebung Inselberg. Deshalb führt auch eine Inselbergstraße herunter nach Brotterode. Die „Inselsbergstraße“ indes befährt, wer von des Berges Höh’n nach Bad Tabarz reist. Und man will es nicht glauben – die „s“-Frage wirkt zuweilen tatsächlich wie ein Spaltpilz zwischen den Nachbarn.

Klingt auch der Buchstabenstreit noch nach einer Comedy-Nummer à la „Maschendrahtzaun“, so sind die – aus der Grenzwirkung des Rennsteigs historisch erwachsenen – Eigentumsverhältnisse da oben in der Tat ein Hemmnis erster Güte: 80 % des Plateaus sind zwar in privater Hand. Aber drumherum – bei den Wanderwegen, Parkplätzen, dem kleinen Inselsberg mit dem Funpark einschließlich der Sommerrodelbahn und der Zufahrtsstraße zum großen Inselsberg – haben die Landkreise Gotha und Schmalkalden-Meiningen, die Gemeinde Bad Tabarz und die Städte Brotterode-Trusetal sowie Waltershausen das Sagen.

Daher hat das kleine Plateau auch drei Postleitzahlen – 98596, 99890, 99891. Sie gelten für den geöffneten Berggasthof Stöhr. Für den 126,2 m hohen „Sender Inselsberg“, wie das 1974 eröffnete Bauwerk aus Stahl offiziell heißt, das einer Telekom-Tochter gehört. Für die Jugendherberge. Für den einstigen Funk- und nun schicken Aussichtsturm mit seinen Ausstellungen und der Tourist-Information. Und auch für den seit 2011 geschlossenen Berggasthof „Großer Inselsberg“.

Und nicht zu vergessen – zwei regionale Tourismusverbände sind zudem damit befasst, den unübersehbaren XXL-Grenz„stein“ zu vermarkten: Im Norden macht das der „Tourismusverband Thüringer Wald – Gothaer Land e. V.“ mit Sitz in Gotha, im Süden der Regionalverbund Thüringer Wald e. V. in Suhl.

Allemal Anlass für allerlei Irrungen und Wirrungen – und kühne Träume wie eben jenen vom Riesenrad.

H&H Makler

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