Blutiger Beweis für Mordlust: der „Federhut des Tunichtgut“

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Federhut (Foto: Isabell Landgraf)

Gotha (red, 5. März). Die „Exemplarische Erschließung der Ethnographica in der Sammlung Schloss Friedenstein Gotha“ wurde nach eineinhalb Jahren abgeschlossen. Es ist Bestandteil von „Gotha Transdigital“ – dem Vorhaben, die umfangreichen Sammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha für Wissenschaft und Öffentlichkeit umfassend zugänglich zu machen.

Ethnografie (altgriechisch éthnos ‚fremdes Volk‘, graphé ‚Schrift‘: „Völkerbeschreibung“) ist eine Methode der Völkerkunde. Damit wird versucht, das Zusammenleben, die soziale und politische Organisation und die kulturellen Ausprägungen einer abgegrenzten Gesellschaft aus der Sichtweise ihrer Angehörigen zu beschreiben und zu verstehen.

In der Sammlung der Stiftung Schloss Friedenstein lassen sich zahlreiche dieser Ethnographica finden. Sie sind nun in Verantwortung der Ethnologin Dr. Kerstin Volker-Saad erstmals seit 1975 erfasst und überprüft worden.

Dr. Kerstin Volker-Saad identifizierte 996 Objekte und nahm sie in die Datenbank auf. Dazu wurden u. a. die Umstände deren Erwerbs, ihre Einordnung in die Systematik der herzoglichen Sammlungen und deren Dokumentation untersucht. Das eröffnete neue Perspektiven für den ethnografischen Bestand.

In der Abschlusspräsentation gab Dr. Kerstin Volker-Saad einen Einblick in die systematische Erschließung des Sammlungsbestandes und stellte weitere Aspekte der Arbeit vor. Ausgewählte Objekte des Projektes wurden danach von Restauratorinnen und Restauratoren präsentiert.

Eines dieser Objekte ist ein Federhut (Foto). Die Zahl seiner Federn gibt Aufschluss über die Zahl der vom Träger getöteten Menschen: „Jedes Objekt ist als Spiegel eines gesellschaftlichen Umfeldes und einer politischen Ordnung zu betrachten“, erläuterte dazu Dr. Volker-Saad.

Ihr Projekt habe gezeigt, dass für die Digitalisierung eines Sammlungsbereichs eine enge Abstimmung der Abteilungen und deren Mitarbeitern wichtig sei. Eine Herausforderung sei u. a., Objekte mit vielfältigem Kontext digital zu erfassen: „Es ist eine große Schwierigkeit, solch umfangreiche, feinteilige Kontexte in ein normiertes Datenerfassungssystem zu bringen“, bestätigte Dr. Volker-Saad. Diese Herausforderung werde sie in den nächsten Jahren noch beschäftigen.

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