29 Impfstellen in Thüringen in Betrieb – neue Fälle von Virusmutation

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Elektronenmikroskopische Aufnahme des Coronavirus SARS CoV 2

Knapp 57 000 Menschen haben in Thüringen ihre erste Corona-Impfung erhalten, 13 000 ihre zweite. Flächendeckend wird jetzt in regionalen Impfstellen gespritzt.

 Thüringen jetzt alle 29 regionalen Corona-Impfstellen im Betrieb. Nachdem die ersten 14 seit Mitte Januar arbeiten, wurden am Mittwoch auch die restlichen Anlaufstellen eröffnet. Unter anderem in Apolda, Rudolstadt, Eisenberg, Mühlhausen und Ilmenau öffneten sich die Türen für die Impfwilligen. Mangels ausreichend Impfstoff wird hier zunächst drei Stunden am Tag geimpft. Zugleich wurden nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die die Einrichtungen managt, die täglichen Öffnungszeiten der bereits bestehenden auf 12 Stunden heraufgesetzt. Zugleich werden Standort-Pläne für zusätzliche große Impfzentren konkreter.In den am Mittwoch eröffneten regionalen Impfstellen wird das Mittel des US-Herstellers Moderna gespritzt. Allerdings reicht der Impfstoff nach Angaben von KV und Gesundheitsministerium hier zunächst nur für 40 Menschen täglich. Thüringen hat zwar erste Moderna-Teillieferungen von insgesamt 3600 Dosen erhalten, doch eine ursprünglich angekündigte größere Teillieferung von 16.800 Ampullen hatte das Unternehmen zuletzt nicht mehr bestätigt. In den übrigen Einrichtungen kommt das Mittel von Biontech/Pfizer zum Einsatz.Bis Mittwoch (Stand 0.00 Uhr) hatten nach Angaben des Gesundheitsministeriums 56 774 Menschen eine erste Corona-Impfung erhalten, das sind 2,7 Prozent der Bevölkerung. 13 156 Menschen wurden bereits zum zweiten Mal geimpft.

Thüringen hat am Mittwoch auch ein zusätzliches Online-Informationssystem über freie Corona-Impftermine eingeführt. Über die Seite https://news.impfen-thueringen.de/ können sich Impfwillige für einen Newsletter registrieren, wie das Thüringer Gesundheitsministerium auf Twitter mitteilte. Sie können dabei angeben, für welche der 29 Impfstellen landesweit sie sich anmelden wollen. Sobald dort Impftermine verfügbar sind, sollen sie per E-Mail darüber benachrichtigt werden.

Eine direkte Anmeldung zur Impfung ist allerdings auf diesem Weg nicht möglich, wie KV-Impfkoordinator Jörg Mertz klarstellte. Die laufe weiterhin über das Internetportal www.impfen-thueringen.de und über die zentrale Rufnummer 03643-4950490. Wegen Impfstoffmangels werden allerdings bis mindestens 8. Februar überhaupt keine Impftermine vergeben.

Derweil stehen Mertz zufolge Erfurt und Gera als Standorte künftiger großer Impfzentren fest. Dort sollen große Mengen Menschen geimpft werden. Der Zeitpunkt dafür sei allerdings noch nicht absehbar. Voraussetzung seien ausreichende Mengen an Impfstoff. Auf der Messe Erfurt könnten es 1400 bis 1500 Impfwillige pro Tag sein, wie der Erfurter KV-Verantwortliche Michael Sakriß sagte. Er nannte als möglichen Start Ende Februar/Anfang März.

Thüringen blieb auch am Mittwoch das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Bundesland – trotz eines Abwärtstrends bei Neuinfektionen. Mit 148 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen lag Thüringen vor Sachsen-Anhalt (127), wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Das entspricht 3177 Fällen in diesem Zeitraum. In mehreren Regionen gibt es Nachweise der als besonders ansteckend geltenden, in Großbritannien erstmals beobachteten, Virusveränderung und der Mutation E484K, die erstmals in Südafrika gefunden wurde.

Angesichts der deutlichen Ausbreitung der wohl hochansteckenden Corona-Varianten in Deutschland arbeiten die Behörden unter Hochdruck an einem Überblick über die Lage. Anfang kommender Woche soll es eine offizielle Übersicht über die tatsächliche Ausbreitung dieser Mutationen geben, wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch, dem 03.02.2021, in Berlin bekräftigte. Die Varianten stehen im Verdacht, auch besonders gefährlich zu sein.

Experten gehen auch davon aus, dass eine umso schnellere Ausbreitung der Mutationen droht, je früher es Lockerungen beim Lockdown gibt. Anders als in Großbritannien hatten Behörden und Virologen in Deutschland bisher nicht engmaschig nach den Varianten gesucht. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums sagte, die Virus-Analysen auf Mutationen hin – sogenannte Sequenzierungen – würden derzeit deutlich ausgeweitet und das Robert Koch-Institut wolle die Daten in Kürze veröffentlichen.

In Großbritannien ist die Variante B.1.1.7 inzwischen in den bei weitem meisten untersuchten Proben zu finden. Noch im Herbst war ihr Anteil verschwindend gering.

Zugleich erregen weitere neue Mutationen die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern. So gibt es etwa bei der britische Variante eine zusätzliche Mutation, von der angenommen wird, dass sich die Menschen damit trotz Impfungen oder bereits erfolgten Infektionen leicht anstecken können. Es ist die Mutation E484K. «Das Virus entkommt dem Immunsystem einfacher», sagte der Virologe Alexander Kekulé dazu der Deutschen Presse-Agentur.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Vortag in einem ARD-Interview gesagt: «Das einzige Risiko, was wir im Augenblick haben, ist das, dass uns die Mutation aus Großbritannien oder Südafrika einen Strich durch die Rechnungen machen könnte, weil die sehr viel aggressiver ist.» Sie sagte: «Jeder Tag zählt jetzt.»

Seit Pandemiebeginn vor fast einem Jahr haben sich in Thüringen 66 335 Menschen mit dem Sars-CoV2-Virus infiziert, 2259 Infizierte sind gestorben. Die Zahl der Genesenen wird auf 56 610 geschätzt.

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