Kriminalitätsstatistik: Fälle von Kinderpornografie nahmen zu

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Symbolbild: 4711018/Pixabay

Erfurt (red, 26. März). Thüringen verzeichne eine Aufklärungsquote von 63,8 % (2020: 63,5 %). So habe man bei rund 90.200 Straftaten mindestens ein Tatverdächtiger ermitteln können, betonte Georg Maier, Thüringer Minister für Inneres und Kommunales, bei der Vorstellung der „Polizeilichen Kriminalstatistik 2021“. Damit sei Thüringen ein sicheres Bundesland mit einer stabilen Sicherheitslage. Die Wahrscheinlichkeit, in Thüringen Opfer einer Straftat zu werden, liege weiterhin unter dem langjährigen Bundesdurchschnitt.

Maier sei „stolz auf die Thüringer Polizeibeamtinnen und -beamten“, dass unter den Rahmenbedingungen des Jahres 2021 – insbesondere unter Berücksichtigung der Pandemie-Situation sowie der damit einhergehenden Einsatzbelastung – diese guten Ergebnisse erzielt wurden.

2021 wurden 130.411 Delikte registriert. Diese Zahl war – seit die Polizeiliche Kriminalstatistik geführt wird – nur 2019 geringer (129.301 Fälle).

Die Kriminalitätsbelastung, also die Anzahl der begangenen Straftaten pro 100.000 Einwohner:innen (Häufigkeitszahl), betrug 2021 6.151. Verglichen mit dem Vorjahr, war im Berichtsjahr 2021 ein Rückgang zu verzeichnen (2020: 6.653). Diese sinkende Tendenz zeige sich in allen Kriminalitätsbereichen: Kapitaldelikte, Rohheitsdelikte wie Raub und Körperverletzung, einfache Fälle des Diebstahls und Diebstähle unter erschwerenden Umständen. Anstiege der Zahlen sind bei Vermögensdelikten sowie insbesondere bei Sexualstraftaten zu verzeichnen.

Bei der Rauschgiftkriminalität seien 2021 weiterhin hohe Fallzahlen zu konstatieren, die sich mit 12.802 Fällen etwa auf dem Niveau des Vorjahres bewegen (2020: 12.789). Rund 95 % der Fälle konnten aufgeklärt werden. „Diese hohen Zahlen sehe ich auch als Erfolg und als Ergebnis unserer polizeilichen Kontroll- und Ermittlungstätigkeit“, erläutert Maier und hebt den Ermittlungserfolg des Landeskriminalamtes Erfurt hervor, dem jüngst das Ausheben eines professionellen Drogenlabors mit immensem Herstellungsvolumen gelang. „Solche Erfolge sind nicht alltäglich. Sie resultieren immer aus akribischer und geduldiger Ermittlungsarbeit unter Ausschöpfung des gesamten Repertoires offener und verdeckter Maß- nahmen der Strafprozessordnung und dem großen persönlichen Einsatz und Engagement unserer Kolleginnen und Kollegen.“

Insbesondere die Sicherstellungsmenge von Drogen wie Methamphetamin konnte im Jahr 2021 um rund sechs Kilogramm gesteigert werden. Darüber hinaus wurden rund 68 Kilogramm mehr Marihuana sichergestellt als 2020. Die Sicherstellungsmengen von Haschisch, Kokain und Crack waren hingegen – verglichen mit dem Vorjahr – leicht rückläufig.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung/Kinder- und Jugendpornografie
2021 gab es mit 2.274 Fällen das höchste Aufkommen dieser Delikte seit Beginn der PKS-Aufzeichnungen in Thüringen zu verzeichnen, was eine Erhöhung um ca. 25 % darstellt. Besorgniserregend ist dabei vor allem die Entwicklung im Teilbereich von Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinder- und jugendpornographischer Schriften, deren Fallzahlen sich im Vergleich zu 2020 nahezu verdoppelten. So wurden 786 Fälle von Kinder- und 107 Fälle von Jugendpornographie erfasst.
Die höheren Zahlen resultieren zum großen Teil auf einer immer besseren Identifikation entsprechender Bilder im Netz.

Das Bundeskriminalamt (BKA) ist Ansprechpartner für die Koordinierung der Bearbeitung von Hinweisen des National Center for Missing and exploited Children (NCMEC), einer US-amerikanischen Non-Profit-Organisation, die Fälle von vermissten oder ausgebeuteten Kindern bearbeitet. Alle Dateien, die auf US-amerikanischen Online-Plattformen geteilt werden, durchlaufen einen verpflichtenden, internen Scan des NCMEC auf Kinderpornographie. Erkannte Dateien werden gesichert und, wenn ein Bezug nach Deutschland besteht, dem BKA gemeldet, das wiederum das zuständige LKA einschaltet. Diese Verfahrensweise führt sowohl bundesweit, als auch in Thüringen zu einem stetig steigenden Fallaufkommen im Bereich der Kinder- und Jugendpornografie und wird somit im Jahr 2021 erstmals deutlich in der PKS sichtbar.

Bei Cybercrime – u. a. Straftaten wie Computerbetrug, das Ausspähen und die illegale Weitergabe von Daten sowie Datenfälschung – setzt sich die Tendenz der Vorjahre stetig fort und mündet in einem erneuten starken Anstieg der Fallzahlen. 2021 wurden 3.291 Delikte registriert, dies bedeutet ein Anstieg um über 13 % (2020: 2.904).

Noch immer machen Fälle von Computerbetrug mit rund 65 % (2020: ca. 67 %) mit weitem Abstand den größten Anteil aus, wenngleich der Anstieg der Fallzahlen hier mit einer Zunahme von rund 7 % (2020: Zunahme von 26 %) vergleichsweise gering ausfällt. Datenveränderung/Computersabotage weist mit einem Anstieg von knapp 75 % (Fälle 2021: 227, 2020: 130) die deutlichste Erhöhung auf, gefolgt von Täuschungen im Rechtsverkehr bei der Datenverarbeitung mit 19 % (Fälle 2021: 300, 2020: 253). Hier sind gerade auch die steigende Zahl von Ransomeware-Angriffen – dem Verschlüsseln von Rechnern – zu nennen.

Die in diesem Bereich sicherzustellenden, zu analysierenden und zu bewertenden Datenmengen steigen exponentiell an und sind nur mit Expertise, modernsten technischen Innovationen bis hin zu künstlicher Intelligenz und Zusammenarbeitsstrategien mit spezialisierten Institutionen der Länder und des Bundes zu bewältigen. Innenminister Georg Maier dazu: „Wir richten denFokus unserer Arbeit auf eine nachhaltige Verbesserung der technischen Basis wie auch auf die Gewinnung und weitere Qualifizierung von Fachpersonal. Wir müssen hier auf jedem Fall ,auf Augenhöhe bleiben‘, denn bei Cybercrime sprechen wir zweifelsohne von einem Kriminalitätssegment mit nach wie vor großem Wachstumspotential, insbesondere aber auch mit hohem Bedrohungspotential.“

Mit 25,2 % – dies entspricht knapp 33.000 Fällen – stellt die Diebstahlskriminalität noch immer den höchsten Anteil an der gesamten Kriminalitätsbelastung in Thüringen dar (2020: 27,5 %). Erfreulicherweise lässt sich in diesem Kriminalitätsbereich ein Rückgang um gut 15 % verzeichnen.

Wie im Vorjahr ist auch 2021 im Bereich Wohnungseinbruchdiebstahl ein kontinuierlicher Rückgang zu verzeichnen. Die Fallzahlen lagen erneut deutlich unter 1.000 (909 Fälle, 2020: 949, 2019: 997); fast die Hälfte der Straftaten dieser Art wurden aufgeklärt (44,2 %). „Die Wohnungen unserer Thüringer sind wieder ein Stück sicherer geworden“, so der Innenminister.

Das durchschnittliche Niveau der Gewaltkriminalität liegt für die letzten zehn Jahre bei 4.050 Fällen. Für das Jahr 2021 konnte mit 3.716 Delikten ein Wert deutlich unterhalb des Durchschnitts verzeichnet werden (2020: 4.059 Fälle).

Die Fallzahlen der Vermögens- und Fälschungsdelikte bewegen sich seit mehreren Jahren auf einem etwa gleichbleibenden Niveau von etwa 25.000 Fällen pro Jahr. Hervorzuheben ist in diesem Bereich das neue Phänomen der mit den Impfungen gegen das Coronavirus einhergehenden Fälschung und Verbreitung dieser gefälschteN Impfdokumente.

Im Jahr 2021 ist ein erfreulicher Rückgang um 2.385 Opfer zu verzeichnen (2021: 25.167, 2020: 27.552), der sich nahezu über alle Altersgruppen erstreckt. Lediglich unter den Senior:innen (ab 60 Jahre) ist ein Anstieg von 2.086 auf 2.265 Opfer zu bemerken. Rund 60 % der Opfer waren männlichen Geschlechts.

Durch das massiv gestiegene Einsatzaufkommen des Jahres 2021 stehen Straftaten gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und –beamte im Zentrum politischer und medialer Aufmerksamkeit wie auch im polizeilichen Fokus. In 1.182 Fällen wurden Polizeivollzugsbeamte 2021 Opfer von Straftaten, wobei Widerstand und tätliche Angriffe den Schwerpunkt der Delikte bildeten (1.033 Fälle). Insgesamt wurden 2.231 Opfer erfasst, davon 1.989 männliche und 242 weibliche Polizeivollzugsbeamte.

49.730 Personen, davon rund 75 % Männer, verübten im Jahr 2021 eine Straftat; dies bedeutet einen Rückgang um 6,4 % bzw. rund 3.400 Tatverdächtige. Von diesen fast 50.000 ermittelten Tatverdächtigen wiederum hatten 9.721 Personen keine deutsche Staatsbürgerschaft. Diese Anzahl ist ebenso zurückgegangen und entspricht etwa 19 % aller Tatverdächtigen. Jedoch stieg der Anteil nichtdeutscher Personen an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen auch 2021 leicht an (2021: 19,5 %, 2020: 19,2 %). Innenminister Georg Maier dazu: „Dies bereitet mir Sorge. Es bleibt weiter auch eine Aufgabe unserer Sozial- und Integrationspolitik, die Ursachen kriminellen Verhaltens zu bekämpfen.“

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