Petitionsausschuss hörte BI „Lebensraum Apfelstädt“ an

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Kerzen am Wehr der Apfelstädt in Apfelstädt. Foto: Bürgerinitiative (BI) „Lebensraum Apfelstädt“

Dokumentation der Anhörung der BI „Lebensraum Apfelstädt“ durch den Petitionsausschuss des Landtags (Mitschnitt Livestream vom 20. Januar – 3:06 h in drei Teilen plus Präsentationen der BI und des Umweltministeriums) sowie Interviews mit Landrat Onno Eckert, Umweltstaatssekretär Olaf Möller und BI-Gründer Rico Heinemann

Gotha (red/ra, 29. Januar). Was der Pegel der Apfelstädt mit Moral in der Politik zu tun hat, das konnte man jüngst im Thüringer Landtag erleben – oder im Livestream (Videoaufzeichnung in drei Teilen – Links am Ende des Beitrags).

Fast vier Stunden währte die Anhörung der Bürgerinitiative (BI) „Lebensraum Apfelstädt“. Der Petitionsausschuss des Landtages hatte dazu eingeladen, nachdem fast 10.000 Menschen der Sache der BI Unterstützung mit ihrer Unterschrift versichert hatten.

Worum ging bzw. geht es? Um nicht weniger als um die Rettung der Apfelstädt.

Die Quelle der Apfelstädt. Foto: Thuringius/Wikipdia

Dieses Flüsschen speist die Nordsee. Denn es entspringt zwar unterhalb der Schmalkalder Loibe am Rennsteig und stürzt sich in Ingersleben in die Gera. Die wiederum vereinigt sich aber mit der Unstrut – jenem Fluss, der in die Saale mündet, die sich schließlich in die Elbe ergießt…

Das mag prosaisch klingen. Doch „wenn ein Schmetterling in Brasilien mit seinen Flügeln flattert, dann kann das einen Wirbelsturm in New York auslösen“, wie es der Mathematiker Edward Lorenz einst formulierte. Kleine Ursachen können große Wirkung haben.

So ist es auch im Falle der Apfelstädt. Die hat seit Menschengedenken die Angewohnheit, im Sommer trocken zu fallen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie auf dem Weg zum gleichnamigen Ort irgendwo hinter Ohrdruf, wo sie sich zuvor mit der Ohra vermählte, nicht immer ihr Wasser halten kann, was dann im Karst versickert.

Dieses natürliche Trockenfallen milderte in den letzten Jahren ab, dass zum natürlichen Wasserschwall ein künstlicher kam – nämlich jener aus der 1905 in Betrieb genommenen „Alten Tambacher Talsperre“.

Das war u. a. möglich, weil die Tambacher Talsperre und ihre größere Schwester, die Schmalwassertalsperre, ab 2005 keine Verwendung als Trinkwasserspender mehr fanden.

Deshalb verlor die „Westringkaskade“ – eine doppelrohrige Trinkwasserleitung von Tambach-Dietharz bis nach Erfurt – ihre Funktion.

Mit der hatte aber die Thüringer Fernwasserversorgung – eine mehrheitlich dem Freistaat gehörende Anstalt des öffentlichen Rechts – große Pläne: Um Bewirtschaftungskosten der Talsperren zu mindern, wurden deshalb in die Westringkaskade drei Wasserkraftanlagen implantiert.

Die gingen 2020 in Betrieb – und seither die „Wildbettabgabe“ – wie der fachmenschliche Begriff lautet – für die Apfelstädt zurück. So zumindest sieht es die Bürgerinitiative. Seither beginnt das Trockenfallen eher und hält länger vor – unbestritten auch wegen des rapid zunehmenden Tempos des Klimawandels.

Doch die Mitstreiter von BI-Gründer Rico Heinemann sehen vor allem, dass ein ökologisches System kollabiert, Flussufer erodieren, Fische und flussnahe Bäume sterben, auch ein ausgewiesenes FFH-Gebiet Schaden nimmt.

Dagegen anzugehen, war und ist Anliegen der BI. Dafür setzen sich auch die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden ein, ebenso der Gothaer Kreistag.

Seltsamerweise fanden und finden die Aktivisten aber ausgerechnet im „grünen“ Umweltministerium weder Verständnis noch Unterstützung, wie Heinemann mit gewisser Verwunderung konstatierte.

Nun sollte diese Anhörung die scheinbar festgefahrenen Fronten aufbrechen.

„Oscar am Freitag“ hat nach der Redeschlacht im Plenarsaal den BI-Gründer Rico Heinemann, Gothas Landrat Onno Eckert und Olaf Möller, den Staatssekretär des Umweltministeriums, interviewt:

Interview mit BI-Gründer Rico Heinemann
Interview mit Gothas Landrat Onno Eckert
Interview mit Olaf Möller, Staatssekretär des Umweltministeriums

Videomitschnitt der Anhörung am 20. Januar 2022:
Darlegungen von Rico Heinemann, BI-Anwältin Angela Merkert, Olaf Möller (Staatssekretär Umweltministerium) – Teil 1 (1:20 h)
Fragerunde 1 – Teil 2 (1:16 h)
Fragerunde 2 und Schluss – Teil 3 (31:30 min.)

Präsentation der BI „Lebensraum Apfelstädt“, (PDF, 46 Folien)
Präsentation des Umweltministeriums, (PDF, 14 Folien)

Wissenswertes über die Apfelstädt
Die Apfelstädt entspringt unterhalb des Rennsteiges in 728 m ü. NN ungefähr fünf Kilometer südwestlich von Tambach-Dietharz. Der Fluss markiert im Thüringer Wald die Westgrenze des Flusssystems der Elbe.

Die Apfelstädt durchfließt zehn Gemarkungen: Tambach-Dietharz, Georgenthal (sowie Ortsteile Catterfeld und Hohenkirchen), Herrenhof, Schwabhausen, Drei Gleichen (Ortsteile Seebergen, Wechmar und Wandersleben – hier Zufluss der Rot), Nesse-Apfelstädt (Ortsteile Apfelstädt, Neudietendorf – Zufluss des Weidbachs aus Mühlberg – Ingersleben).

Die Ohra ist ihr Hauptzufluss, diese mündet nördlich von Ohrdruf ein. Nahe der zu Ingersleben gehörenden Siedlung Marienthal mündet die Apfelstädt in die Gera, wobei die Mündung bereits auf dem Gebiet des Erfurter Ortsteils Molsdorf liegt.
(Quelle: Wikipedia)

 

 

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