Besonderer Bildband erschienen: „Gotha. Deine Wäende“

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Das Buch von Knut Kreuch „Gotha – Deine Wäende“. Foto: Stadtverwaltung

Gotha (red/mm). Pünktlich zu den drei Jubiläen – 30 Jahre Deutsche Einheit, 30 Jahre demokratischer Stadtrat und 30 Jahre demokratische Stadtverwaltung Gotha – ist ein großformatiger Bildband erschienen, der mit sensiblen und zugleich eindringlichen Bildmotiven die Entwicklung der Stadt Gotha in den letzten 30 Jahren dokumentiert. Das Werk beginnt mit einem Foto, das kaum besser den Band symbolisch einzuführen vermag. Es zeigt Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow, der sich am 6. September 1994 mit seiner Frau Raissa ins Goldene Buch der Stadt Gotha einträgt. Ein bisher unveröffentlichter Moment.

Die Autoren Knut Kreuch und Alexander Krünes haben auf 168 Seiten verschiedene Bildmotive der Jahre 1989/90 mit Bildern der heutigen Situation gegenübergestellt und dazu erstmals eine zusammenfassende Darstellung der jüngeren Stadtgeschichte vorangestellt, die frei vom Pathos der romantischen Verklärung der DDR oder der einseitigen Sicht auf den „Herbst der Wende“ ist. Der einprägsame Buchtitel „Gotha. Deine Wäende“ fängt zwischen den stadtbildprägenden Wänden Gothas Impressionen ein, die eine Brücke von den Tagen der Friedlichen Revolution bis ins Jahr 2020 schlagen. Dabei beginnen die Autoren nicht mit dem ersten Friedensgebet in der Gothaer Schlosskirche am 1. September 1989, sondern sie zeigen auch die Vorentwicklungen, die zum Werden und Wachsen der Stadt führten.

Was im Jahr 775 urkundlich begann, hat eine lange Vorgeschichte und konnte erst zur Stadt werden, weil kluges Handeln das Gemeinwesen dahin führte. Gothas Blüte haben in mehr als 1200 Jahren Geschichte im Wesentlichen drei Glücksfälle bestimmt: das war 1. der unter Landgraf Balthasar von 1366 bis 1369 erfolgte der Bau des Leinakanals, 2. die Gründung des Staates Sachsen-Gotha im Jahr 1640 durch Herzog Ernst den Frommen, und 3. die Rettung der Stadt vor der Zerstörung durch Josef Ritter von Gadolla kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1945.

Die Autoren porträtieren anhand von 67 ausgewählten Bildmotiven die Geschichte und Zukunft Gothas. Die meist vom Fotografen Lutz Ebhardt aufgenommenen Fotos aus dem Jahr 2020 machen deutlich, wie sehr sich die Stadt seit der Wende verändert hat. Gezeigt werden teilweise krasse und dramatische Momente. Es sind eindrückliche Bilder, die gerade in der direkten Gegenüberstellung vom Verfall ganzer Häuserzeilen und vom Charme der Einsamkeit, von der bröckelnden Fassade aber auch vom liebgewordenen Schlange stehenden Einkaufsgefühl erzählen. Wochenlang haben die Autoren die Bildarchive der Stiftung Schloss Friedenstein gesichtet und viele Fotos aus der Bürgerschaft erhalten. Insgesamt konnten 58 Bürgerinnen und Bürger mit Hinweisen zum Erfolg des Bildbandes beigetragen. Die historischen Bilder aus der DDR- und Wende-Zeit und den frühen 90er Jahren verdanken wir Roland Adlich, dem Fotoarchiv Eckardt Hoffmann, Waltraut und Helfried Bellmann, Hans-Ulrich Zwetz, Wolfgang Conrad, Guntram Goldammer, Günter Kirchner und Klaus Dieter Albrecht. Roland Obst, der bekannte Fotograf der Thüringer Allgemeine, hat es ermöglicht, dass sein Bild vom Besuch Willy Brandts in Gotha im Buch veröffentlicht werden konnte.

Im Bildband kommen natürlich auch bekannte Kinder dieser Stadt zu Wort. So führt ein Zitat Hanns Cibulkas mit den Worten „Er zeigte ihnen den Abgrund …“ aus seinem Band „Nachtwache“ in das Buch ein. Irgendwann treffen wir auf Kathrin Schmidt, die liebevoll betont „… ich habe die Welt erreicht an einem eher eng zu nennenden Ort …“. Und wenn jeder Leser am Ende zu der aus der Feder von Gothas Ehrenbürgerin Sigrid Damm stammenden Erkenntnis kommt „Nun aber beginne ich, meine Heimatstadt mit anderen Augen zu sehen. Neugier auf ihren pulsierenden Leib. Und auf ihre Vergangenheit“, dann hat das große Buch zum Jubiläum sein Ziel erreicht – denn Knut Kreuch und Alexander Krünes verstehen ihr Buch, wie es im Vorspann treffend formuliert ist, als eine „Hommage an die mutigen Frauen und Männer, die zu jeder Zeit bereit sind, uneigennützig Verantwortung für Gotha zu übernehmen“.

Das Buch ist ab 26. Oktober zum Preis von 30 Euro im „Gotha adelt“-Laden am Hauptmarkt erhältlich und kann über den Buchhandel bestellt werden.

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