Selbstbewusst ans Ziel

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Weil der bisherige Amtsinhaber Konrad Gießmann auf eine erneute Kandidatur verzichtete, muss-ten die Gothaer Christdemokraten auf ihrem Stadtparteitag einen neuen Vorsitzenden wählen. Oscar am Freitag war dabei.

Freitag, 18. März, 19 Uhr. Im Waldbahnhotel in Gotha herrscht eine gespannte, eher feierliche, aber keine angespannte Stimmung. Und der CDU- Kreisvorsitzende Falk Ortlepp schaut dem Abend „mit einem lachenden, aber zugleich auch mit einem weinenden Auge“ entgegen. Schließlich verlasse „mit dem bisherigen Stadtverbandsvorsitzenden Konrad Gießmann ein großartiger Kapitän das Schiff!“.

In der Tat: Für die CDU-Gotha endet eine Ära. Laut dem 59-Jährigen ein angemessener Zeitpunkt, um einen Wechsel zuzulassen. Nun sollen die Jungen das Ruder übernehmen. Und siehe da: Zwei wollen. Sascha John oder Matthias Kaiser – lautet also die Frage des Abends und die Zukunft der Gothaer CDU! Kandidaten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. John (Foto), CDU-Mitglied seit 1998, saß bereits zehn Jahre mit Kreistag und seit sieben Jahren im Gothaer Stadtrat. Kaiser ist Mitglied der Elternvertretung im Kindergarten.
Vor der Wahl hält Gießmann den üblichen Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden: 24 Vorstandssitzungen hätten in den vergangenen beiden Jahren stattgefunden. „Außerdem wurden Gepräche mit Ortsbürgermeistern und Vereinen geführt.“ Allerdings habe die CDU ihr Wahlziel nicht erreicht. Nicht bei den Stadtratswahlen, nicht bei den Kreistagswahlen, nicht bei den Landtagswahlen. Der scheidende Amtsinhaber meint, dass eine politische Standortbestimmung im Stadtverband notwendig sei und gibt seinem Nachfolger mit auf den Weg, „dass die vergangenen beiden Jahre gezeigt hätten, „dass Oberbürgermeister Knut Kreuch und die SPD auch nur mit Wasser kochen!“. Angriff sieht anders aus. Aber darum sollen sich ja in Zukunft Sascha John oder Matthias Kaiser kümmern.

John tritt als erster ans Pult. Und dass der 32-Jährige keine Bedenken hat, den Raum als Sieger zu verlassen, beweist schon der erste Satz: „Ich wills auch gar nicht so ausweiten.“ Und mit dem zweiten Satz begründet der designierte Chef seine Sorglosigkeit. „Der Konrad und der Tankred haben micht gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte.“ Keine zwei Minuten später sitzt John wieder auf seinem Platz. Aber erst nach dem er sich schon mal für das Vertrauen bedankt hat.
Was mag wohl Matthias Kaiser in diesem Moment gefühlt haben? Wut angesichts dieser Arroganz oder ist ihm der Arsch bei dieser Sicherheit seines Gegenkandidaten sprichtwörlich auf Grundeis gegangen?

Sein Auftritt ist zumindest das Kontrastprogramm: „Ganz so kurz will ich es heute nicht machen“, beginnt Kaiser. Der Presseoffizier redet gut sieben mal länger, hat aber den Wahlabend verwechselt. Seine Sätze hätten auch zur Bundespräsidentenwahl oder zur Ernennung des UNO-Botschafters gepasst.
Und während der 33-Jährige redet, schreibt John schon mal ein paar Mails von seinem Handy.
Die Wahl geht letztlich knapper aus, als sich John wahrscheinlich gedacht hat. Er gewinnt mit 19 zu 14 Stimmen.
Das Selbstvertrauen sollte er allerdings behalten. Er wird es brauchen, wenn er bei den OB-Wahlen im kommenden Jahr gegen Knut Kreuch antreten soll!

Publiziert: 26. März 2011, Veröffentlicht im Magazin Oscar am Freitag – Ausgabe Gotha – vom 25. März 2011